Anna Pauler (1837–)

Persönliche Daten
Namensvarianten
geborene Anna Sophia Güsser
mit 15. Jänner 1839 legitimierte Anna Sophia Messer
verheiratete Anna Sophia Pauler
Geburtsdatum
20. Jänner 1837
Geburtsort
Religionsbekenntnis
römisch-katholisch, dann konfessionslos
Berufe

Mutter: Adolpha Maria Güsser, seit 15. Jänner 1839 verheiratete Messer (um 1801 – Graz, Steiermark 6. Juni 1870), Tochter einer Hausfrau und eines Herrschaftsverwalters: Hausfrau; Heirat in Graz (Steiermark) am 15. Jänner 1838 mit:
Vater: Ludwig Messer (Darmstadt, Hessen um 1810 – Graz, Steiermark 29. Dezember 1881), Sohn einer Hausfrau und eines herrschaftlichen Waldarbeiters: Malergehilfe, konzessionierter Maler von Möbeln und Fußböden, dann Lackierermeister, zuletzt Firnisfarbenerzeuger
Bruder: Ludwig Julius Güsser, mit 15. Jänner 1839 legitimierter Messer (Graz, Steiermark 1. Oktober 1838 – ?)
Schwester: Karolina Aloysia Messer (Graz, Steiermark 22. Oktober 1840 – ?)
Ehe: standesamtlich in Graz (Steiermark) mit Stefan Pauler (Rudig, Böhmen [Vroutek, Tschechien] 27. Dezember 1840 – ?): Metallarbeiter, Maschinenschlossergehilfe, zwischenzeitlich Tischler, Installateur; Sozialdemokrat, dann Radicaler, Anarchist
Kind: eines

Biographie

Anna Pauler war die uneheliche Tochter einer Wirtschaftlerin und wurde nach deren Heirat mit einem Lackierermeister und späteren Firnisfarbenerzeuger als dessen Kind legitimiert. Aufgewachsen in Graz (Steiermark), arbeitete sie hier als Näherin und heiratete standesamtlich den Metallarbeiter Stefan Pauler (1840–?), ein bekannter, überaus aktiver Sozialdemokrat, der sich bereits 1880 der radicalen Arbeiterbewegung anschloss.

Nach Stefan Paulers Verurteilung und anschließenden Abschaffung aus Graz übersiedelte das Ehepaar im Februar 1882 in dessen böhmische Heimat, ließ sich aber bereits kurz darauf in Wien nieder. Hier engagierte sich – stets im Hintergrund – auch Anna Pauler bei den Radicalen.

Nachdem ihr Ehemann im Mai 1883 auch aus Wien und Niederösterreich für beständig ausgewiesen wurde, begaben sich Anna und Stefan Pauler am 26. Mai 1883 in Stefans nordböhmische Heimat. Ende Mai 1883 übersiedelte das Ehepaar nach Budapest (Ungarn). Schon seit Juli 1883 stand Anna Pauler unter polizeilicher Beobachtung. Sie reiste mehrmals nach Wien und agierte als wichtige Verbindungsperson zwischen den Wiener und Budapester Radicalen. Außerdem brachte sie im Juli 1883 dem in Budapest vorübergehend verhafteten Schneidegehilfen und Redakteur der Zeitung »Radikal« (Budapest) Ármin Práger (1851–1905), wichtiger Aktivist der deutschsprachigen Radicalen in Ungarn, regelmäßig Essen in die Untersuchungshaft. Am 14. März 1884 wurden in Budapest und Umgebung sechsunddreißig Radicale verhaftet, darunter auch Anna und Stefan Pauler. Beide wurden beschuldigt, dem Buchbindergehilfen Anton Kammerer (1862–1884) während seines Aufenthaltes in Budapest Vorschub geleistet zu haben. Kammerer, der am 15. Dezember 1883 den Polizeikonzipisten Franz Hlubek (1855–1883) in Wien erschossen hatte, war auf seiner Flucht im Jänner und Februar 1884 wiederholt in Budapest gewesen. Anna und Stefan Pauler wurden am 25. März 1884 in das Strafgericht Budapest eingeliefert. Das Verfahren gegen die beiden wurde zwar nach wenigen Wochen eingestellt. Stattdessen wurden sie wegen Aufreizung gegen die bestehende Gesellschaftsordnung sowie wegen Teilnahme an sozialistischen Umtrieben und hierdurch bedingte Gefährlichkeit für die öffentliche Ordnung aus Ungarn für beständig ausgewiesen und von der Polizei-Direktion Wien unter polizeiliche Überwachung gestellt: »1844 Pauler Stefan. Maschinenschlosser, geb. 1841 [!] zu Rudig in Böhmen, k., verh.; 1845 Pauler Anna, geb. Messerer, Näherin, geb. 1837 zu Graz, k., verh. [], wegen Theilnahme an sozialistischen Umtrieben u. hiedurch bedingte Gefährlichkeit der öffentl. Ordnung, nach Einstellung des Strafverfahrens wegen Aufreizung gegen die bestehenden Staatsformen aus dem Gebiete der ungarischen Monarchie für beständig ausgewiesen. K. k. Polizei-Direktion Wien 28/4.84.«1

Nach Hradek (Böhmen [Hrádek (okres Rokycany), Tschechien]) abgeschoben, verließen Stefan und Anna Pauler mit ihrem Kind am 11. April 1884 Ungarn. Allerdings vermuteten die ungarischen Behörden noch im Juni 1884 fälschlich, dass sich die Familie Pauler unter falschem Namen im Komitat Árva (Ungarn [Slowakei]) aufhalte. Tatsächlich begaben sich Anna und Stefan Pauler mit ihrem Kind aber nach Mokrzyszów [zu Tarnobrzeg] (Galizien und Lodomerien [Polen]), wo er als Maschinenschlosser Arbeit fand. Später wanderte das Ehepaar Paula nach Brasilien aus, wo sie offensichtlich weiterhin als sozialistische Anarchisten aktiv waren. So war Stefan Pauler 1902 Präsident des »Österreichisch-ungarischen Hilfsvereins« in der »Colônia Jaguari« in beziehungsweise bei der Villa de Jaguari (Estado do Rio Grande do Sul, Brasilien).

  • Graz, Steiermark, Grenadiergasse 938 (Geburtsadresse)
Karte
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    [Anonym]: 1844 Pauler Stefan  [...]; 1845 Pauler Anna [...]; 1846 Protz Maria, in: Central-Polizei-Blatt. Herausgegeben von der k. k. Polizei-Direktion zu Wien (Wien), Nr. 33 (16. Mai 1884), S. 132.