Anna Vasold (1878–1957)

Persönliche Daten
Geburtsdatum
17. Mai 1878
Geburtsort
Sterbedatum
4. Juni 1957
Sterbeort
Religionsbekenntnis
römisch-katholisch
Berufe

Vater: Ladislaus von Lehotzky, d. i. Simeon Ladislaus von Lehozuky (Turócszentmárton / Turz-Sankt Martin, Ungarn [Martin, Slowakei] 5. Jänner 1842 – Murau, Steiermark 6. Mai 1903), evangelisch (A. B.): Gastwirt, Lebzelter und Wachszieher und Realitätenbesitzer; Heirat mit:
Mutter: Theresia von Lehotzky, geborene Schott (um 1838 – Murau, Steiermark 26. März 1896), römisch-katholisch: Gastwirtin
Ehe: in Murau (Steiermark) am 19. Jänner 1897 mit Franz Xaver Vasold (Liezen, Steiermark 3. Dezember 1870 – Murau, Steiermark 2. Juni 1955), Sohn einer Gastwirtin und eines Gastwirts: Gastwirt und Realitätenbesitzer, später auch Erzeugung von Fruchtsäften und Tafelwasser, Großhandel in Landesprodukten und Baumaterialien; Anarchist
Kinder: keine

Biographie

Anna Vasold ist ein typisches Beispiel für jene Anarchistinnen, die im Hintergrund ihre Ehemänner aktiv unterstützten. Sie hatte am 19. Jänner 1897 in Murau (Steiermark) den umtriebigen Gastwirt Franz Vasold (1870–1955) geheiratet, der 1897 sein Unternehmen massiv erweiterte: Erzeugung von Fruchtsäften und Tafelwasser, Großhandel in Landesprodukten und Baumaterialien. 1910 war Franz Vasold noch christlichsozialer Gemeinderat und Landtagskandidat. 1919 stieß er zum »Bund der freien Republikaner«, eine antikapitalistische und teils lebensreformerische Abspaltung ehemaliger Christlichsozialer. Franz Vasold übernahm im Dezember 1922 die Redaktion von dessen Organ »Der Republikaner. Partei-Organ der freien Republikaner Deutschösterreichs« (Graz), das seit 1923 den Untertitel »Wochenschrift für Innenkultur und Volksaufklärung« führte, als Herausgeber. Damals verstand er sich dem »Bund herrschaftsloser Sozialisten« eng verbunden und unterhielt enge Beziehungen zu Rudolf Großmann alias Pierre Ramus (1882–1942). Er wollte 1922 sogar dessen Buch »Die Neuschöpfung der Gesellschaft durch den kommunistischen Anarchismus«1 verlegen, doch scheiterte das bereits vertraglich unterzeichnete Projekt. Stattdessen wollte Vasold 1923 einen Film über jene Themen zu machen, die Ramus in seinem Buch ansprach. Um diese Zeit bemühte er sich auch um die Gründung einer so genannten Volksbank. Bei all diesen Unternehmungen stand ihm Anna Vasold hilfreich zur Seite. Es ist wohl typisch für viele Anarchistinnen diese Zeit, dass ihr Engagement für die anarchistischen Bewegungen kaum öffentlich geworden, nur aus der Privatkorrespondenz nachzuvollziehen ist.

Nach heftigen Konflikten mit dem Redakteur Franz Scheucher (1883–1958) musste »Der Republikaner« am 30. Mai 1925 in Liquidation treten. Nach einem Prozess von Franz Scheucher vor dem Bezirksgericht Graz im August und Oktober 1925, der von Vasold angeblich ausstehendes Gehalt einklagte, zog sich Franz Vasold von den Republikanern zurück. Zugleich erloschen auch seine Beziehungen zum »Bund herrschaftsloser Sozialisten«. Bereits im Juni 1926 musste er mit seinen Unternehmungen in den Ausgleich gehen, und im Jänner 1931 ging er in Konkurs. Franz Vasold interessierte sich nun auch für die Schwundgeld-Idee. Er unternahm deshalb 1933 eine Studienreise nach Wörgl (Tirol) und Liezen (Steiermark), um die dortigen Erfahrungen mit dem Schwundgeld zu studieren. Er war dann auch an der am 12. Oktober 1933 gegründeten »Notgemeinschaft« für den Bezirk Murau als Mitglied des Ausschusses beteiligt. Inwieweit Anna Vasold auch an diesen Aktivitäten ihres Ehemann mitwirkte, ist unbekannt.

  • Murau, Steiermark, Murau Stadt 51 (Geburtsadresse)
Karte
  • 1

    Vgl. Pierre Ramus [d. i. Rudolf Großmann (1882–1942): Die Neuschöpfung der Gesellschaft durch den kommunistischen Anarchismus. Wien – Klosterneuburg: Verlag »Erkenntnis und Befreiung« 1921, VIII, 264 S. Hier handelte es sich um die geplante Neuauflage, die dann im alten Verlag erschien; vgl. ders.: Die Neuschöpfung der Gesellschaft durch den kommunistischen Anarchismus. Von Pierre Ramus. Zweite, verbesserte und neubearbeitete Auflage. Wien – Klosterneuburg: Verlag »Erkenntnis und Befreiung« 1923, VIII, 280 S.