Anton Schönberger (1867–)
Persönliche Daten
Familienverhältnisse
Vater: Balthasar Schönberger (um 1822 – Leoben, Steiermark 15. April 1890): Tabakverschleißer, Kaufmann; Heirat mit:
Mutter: Franziska Schönberger, geborene Schatz: Hausfrau
Ehe: in Wien am 20. April 1908 mit Aloisia Knoll (Pyrawang an der Donau [zu Esternberg], Oberösterreich 15. Jänner 1879 – ?), Tochter einer Hausfrau und eines Kapitäns bei der »Ersten Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft«: Handarbeiterin
Biographie
Anton Schönberger absolvierte eine Tischlerlehre. Danach zog er nach (Preußen [Nordrhein-Westfalen]), wo er als Tischlergehilfe und Orgelbauer Arbeit fand und sich den Autonomisten anschloss.1 Er schmuggelte seit 1892 anarchistische Flugblätter aus England und die Zeitung »Die Autonomie« (London) aus den Niederlanden nach Preußen. Er gehörte damals auch zu einer sehr aktiven Gruppe von böhmischen Bergleuten in Gelsenkirchen (Preußen [Nordrhein-Westfalen]). Durch die Intrige eines Polizeispitzels flog der Schmuggel auf. Schönberger, der seit 1892 als auszuforschender Militärpflichtiger in Österreich ausgeschrieben war, wurde wegen Verbreitung anarchistischer Druckschriften verhaftet, zusammen mit sechs anderen Genossen nach Duisburg (Preußen [Nordrhein-Westfalen]) eingeliefert und am 26. Mai 1893 nach Leipzig (Sachsen) überstellt. Vom 7. bis 9. Juni 1893 fand vor dem Strafsenat des Reichsgerichts Leipzig der Prozess gegen die sieben Anarchisten unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Anton Schönberger wurde wegen der Verbrechen der Aufforderung zu verbrecherischem Gebrauch von Sprengstoffen und zu Hochverrat sowie Majestätsbeleidigung und wegen Vergehens gegen die öffentliche Ordnung zu acht Jahren und sechs Monaten Zuchthaus sowie zehn Jahren Ehrverlust verurteilt. Ebenfalls verurteilt wurde ein weiterer Österreicher, der in der Steiermark geborene Bergarbeiter Blasius Grasser (1861–?).
Nach seine Haftentlassung begab sich Anton Schönberger 1901 nach Waidhofen an der Ybbs (Oberösterreich), schließlich nach Wien, wo er Mitglied der »Sozialdemokratischen Arbeiterpartei« wurde. Hier war er Chefredakteur der Zeitung »Neue freie Stimmen. Volkswirtschaftliches Organ zur Gründung der Ersten Österreichischen Gesellschaft ›Solidarität, Freie Vereinigung zum Zwecke der Selbsthilfe‹« (Wien), von der vom 29. April bis 3. Juni 1905 sechs Nummern erschienen. Schönberger, der 1908 heiratete, arbeitete dann als Inseratenaquisiteur und zeichnete als Herausgeber der Wochenzeitung »Neulerchenfelder Bezirksnachrichten« (Wien). Bei ihrer Gründung im Februar 1909 wurde Anton Schönberger in den Aufsichtsrat der »Österreichischen Spar-, Kredit- und Baugesellschaft, registrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung« gewählt, welche aber rasch Pleite machte. Er musste sich deshalb gemeinsam mit dem Direktor und sieben anderen Verwaltungs- und Aufsichtsräten im Prozess vor dem Erkenntnissenat des Landesgerichts Wien, der am 7. und 8. März 1912 stattfand, verantworten und wurde wegen Krida und Vergehens gegen das Genossenschaftsgesetz zu drei Wochen strengem Arrest und 100 Kronen Geldstrafe verurteilt. Schönbergers Rekurs wurde vom Kassationshof am 14. November 1912 verworfen. Anton Schönberger arbeitete danach mindestens bis 1938 als Privatbeamter in Wien.
Kategorien
Adresse(n)
- Leoben, Steiermark, Leoben 96 (Geburtsadresse)
- Wien 16., Hippgasse 1 (Wohnadresse 1908)
Karte
Autor / Version / Copyleft
Autor: Reinhard Müller
Version: Jänner 2026
Anarchistische Bibliothek | Archiv | Institut für Anarchismusforschung | Wien
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Anlässlich des Todes seines Vaters Balthasar Schönberger am 15. April 1890 wurde Anton Schönberger gebeten, nach Leoben (Steiermark) zu kommen; vgl. Arbeiterverein Bruck a. M.: Genosse Anton Schönberger […], in: Arbeiter-Zeitung. Organ der Oesterreichischen Sozialdemokratie (Wien), 2. Jg., Nr. 17 (25. April 1890), S. 9.