Malva Bodanzky-Orthof (1877–1948)

Persönliche Daten
Namensvarianten
geborene Malvine Goldschmied
verheiratete Malvine Ochs
Namensänderung am 8. Juni 1904: Malvine Orthof
verheiratete Malvine Bodanzky
verheiratete Malvine Singer
Pseudonym: R. M. Bodanzky
Pseudonym: Malva Bodanzky-Orthof
Künstlername: Malva Rona
Geburtsdatum
23. Jänner 1877
Geburtsort
Sterbedatum
25. Oktober 1948
Religionsbekenntnis
israelitisch

Vater: Sigmund Goldschmied (Nikolsburg, Mähren [Mikulov, Tschechien] Oktober 1846 – ?): Kommis; Heirat in Wien am 22. Februar 1874 mit:
Mutter: Anna Fanny Goldschmied, geborene Nachod (Prag, Böhmen [Praha, Tschechien] 7. Juli 1853 – Wien 13. November 1919), Tochter einer Gastwirtin und eines Gastwirts und gewerblichen Agenten: Hausfrau
Bruder: Rudolf Goldschmied (Wien 22. September 1875 – New York City, New York, USA 13. Jänner 1944): Geschäftsführer
Bruder: Edmund Goldschmied (Wien 13. Februar 1879 – Vernichtungslager Maly Trostinez, Reichskommissariat Ostland [Maly Traszjanez ‹Малы Трасцянец›, Belarus] 21. August 1942): Tuchhändler; im Holocaust ermordet
Bruder: Heinrich Goldschmied (Wien 11. Juni 1882 – Vernichtungslager Maly Trostinez, Reichskommissariat Ostland [Maly Traszjanez ‹Малы Трасцянец›, Belarus] 2. Juni 1942): Tuchhändler; im Holocaust ermordet
erste Ehe: in Wien am 15. November 1899 mit Josef Ochs; Namensänderung am 8. Juni 1904: Josef Orthof; in den USA: Joseph Orthof (Pottenstein, Böhmen [Potštejn, Tschechien] 19. Oktober 1874 – New York City, New York, USA 8. Jänner 1931): Handelsangestellter, Privatbeamter, zuletzt Fabrikant; 1905 geschieden und in die USA emigriert
Sohn: Herbert Kurt Ochs; Namensänderung am 8. Juni 1904: Herbert Kurt Orthof (Wien 11. Juni 1900 – Rio de Janeiro, Brasilien 3. September 1984): Kaufmann, Techniker und Fabrikant; zeitweise im »Bund herrschaftsloser Sozialisten« aktiv; flüchtete 1939 nach Brasilien
Sohn: Gerhard Ochs; Namensänderung am 8. Juni 1904: Gerhard Orthof; in Brasilien: Gerhart Orthof (Wien 17. April 1903 – Rio de Janeiro, Brasilien 26. Oktober 1993): Maler und Grafiker; zeitweise im »Bund herrschaftsloser Sozialisten« aktiv; flüchtete 1939 nach Brasilien
zweite Ehe: in Wien am 23. Dezember 1906 mit Robert Bodanzky; d. i. bis 23. Dezember 1885 Isidor Bodanskie; Pseudonyme: Robert Bodansky, Robert Bodanzky, Danton, J. W. Rakasoff (Wien 20. März 1879 – Berlin, Preußen [Berlin] 2. November 1923): Schriftsteller, Journalist, Kabarettist, Schauspieler und Regisseur; Anarchist
Sohn: Hans Robert Bodanzky; später: Hans Roberto Bodanzky (Wien 17. Jänner 1911 – São Paulo, Brasilien 26. November 1979): Techniker; flüchtete 1939 nach Brasilien
Tochter: »Ena« Renate Bodanzky, verheiratete Neschling (Wien 1. April 1912 – Rio de Janeiro, Brasilien 26. April 1990): flüchtete 1939 nach Brasilien; Heirat 1931 mit Erwin Neschling (Troppau, Österreichisch-Schlesien [Opava, Tschechien] 29. Jänner 1904 – Rio de Janeiro, Brasilien 31. März 1968)
dritte Ehe: in Wien (Reichsgau Wien, Deutsches Reich [Wien, Österreich]) am 19. Mai 1938 mit Karl Singer (Meidling, Niederösterreich [zu Wien 12.] 20. Juni 1873 – Wien, Reichsgau Wien, Deutsches Reich [Wien, Österreich] 30. August 1940)
Kinder: keine

Biographie

Malva Bodanzky-Orthof, Tochter einer Hausfrau und eines Kommis, war eine Cousine des Komponisten, Dirigenten, Musiklehrers, Musiktheoretikers, Schriftstellers, Malers und Erfinders Arnold Schönberg (1874–1951). 1899 heiratete sie den Privatbeamten Josef Ochs (1874–?), der 1904 seinen Namen in »Orthof« ändern ließ. Nach heftigen Kämpfen mit ihren Eltern konnte sich Malva Bodanzky-Orthof an der »Schauspiel-Opernschule Otto« zur Sängerin (Sopran) und Schauspielerin ausbilden lassen. Bereits 1905 wurde sie Mitglied des k. k. priv. Theaters in der Josefstadt und des Lustspiel-Theaters in Wien, wo sie am 2. September 1905 als Schauspielerin unter dem Künstlernamen »Malva Rona« debütierte. In diesem Jahr ließ sie sich von ihrem Ehemann, der 1905 in die USA emigrierte, scheiden. Am 23. Dezember 1906 heiratete Malva den Schriftsteller, Journalisten, Kabarettisten, Schauspieler und Regisseur Robert Bodanzky (1879–1923), der damals gerade seine ersten Libretti schrieb. Malva Bodanzky-Orthof wurde 1913 von der Neuen Wiener Bühne engagiert, wo sie bis 1915 tätig war.

Der Erste Weltkrieg veränderte das Leben von Malva und Robert Bodanzky grundlegend. Der radikale Kriegsgegner Robert Bodanzky wandte sich 1914 antimilitaristischen Bewegungen zu und befreundete sich – wie auch seine Ehefrau Malva – 1917 eng mit Rudolf Großmann alias Pierre Ramus (1882–1942) und wurde 1918 Mitbegründer der anarchistischen Zeitung »Erkenntnis und Befreiung« (Wien) und Mitinitiator des »Bundes herrschaftsloser Sozialisten«. Doch der erfolgreiche Librettist geriet durch die katastrophale Lage während der Kriegs- und Nachkriegsjahre sowie durch seine Drogensucht in finanzielle Nöte.

Deshalb übersiedelte das Ehepaar Malva und Robert Bodanzky 1922 nach Berlin (Preußen [Berlin]). Da sich seine ökonomische Situation auch dort nicht besserte, plante das Ehepaar, nach Wien zurückzukehren, doch verstarb Robert Bodanzky am 2. November 1923 in Berlin an Diabetes und einem dadurch verursachten Lungenleiden eine Woche vor der geplanten Abreise nach Wien.

Malva Bodanzky-Orthof kehrte im Februar 1924 mit ihren mittlerweile vier Kindern nach Wien zurück. Hier engagierte sie sich weiterhin beim »Bund herrschaftsloser Sozialisten«, ebenso ihre beiden Söhne aus erster Ehe: Herbert Kurt Orthof (1900–1984), später Kaufmann und Fabrikant, sowie Gerhard Orthof (1903–1993), später Maler und Grafiker. Im Mai 1932 war Malva Bodanzky-Orthof auch an der Gründung eines geplanten »Reform- und Siedlungsklubs« in Wien beteiligt. Mittlerweile war sie auch schriftstellerisch tätig. Am 27. August 1933 referierte Otto Diamant alias Otto Adtmant (1905–1993) in der Stadt Salzburg (Salzburg) im St. Peter-Saal, St. Peter-Bezirk 1, im Rahmen seines Vortrags über »Österreichische Lyrik« unter anderem über Malva Bodanzky-Orthof. Am 13. Februar 1935 wirkte sie bei der Literarisch-musikalischen Akademie der »Prentice Mulford-Gemeinde« im Edison-Theatersaal, Wien 8., Alserstraße 9, mit. Sie wollte nun auch mit ihren dramatischen Arbeiten an die Öffentlichkeit treten. Im März 1936 wurde ihr Singspiel »Vagantenliebe« mit Musik von Bert Silving (1887–1948) in der Bunten Bühne in Wien aufgeführt. Und 1936 war sie Gründungsmitglied der Dichtervereinigung »Der Turm« in Wien, in dessen Akademie sie am 1. Oktober 1936 in der Bar des Hochhausrestaurants in Wien 1., Herrengasse 6–8, eigene Dichtungen vorlas. Sie veröffentlichte auch in der von der Künstlervereinigung herausgegeben Broschüre sechs Gedichte.1

Malva Bodanzky-Orthof blieb nach dem so genannten Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich zunächst in Wien, wo sie noch am 19. Mai 1938 Karl Singer (1873–1940) heiratete. Dann aber konnte sie 1939 mit ihren Kindern nach Brasilien flüchten. Hier ließ sie sich mit ihren Söhnen im Mai 1939 in Rio de Janeiro (Brasilien) nieder.

Karte
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    Vgl. Der Turm. Eine Sammlung neuer Lyrik und Prosa. Herausgeber: Künstlervereinigung »Der Turm«, Wien; Verantwortlich: Fritz Seelig, Wien. Wien: Druck Jakob Weiß 1936, 48 S. – Darin von Malva Bodanzky: »So tief versteckt sich ein Mensch vor dem andern«, S. 44; »Trost«, S. 44; »Mahnung«, S. 45; »Du bist fort«, S. 45; »Mich friert!«; S. 46; »Herbstgedanken«, S. 46.