Margaret Michaelis-Sachs (1902–1985)
Persönliche Daten
Familienverhältnisse
Vater: Heinrich Gross: Arzt; Heirat mit:
Mutter: Fanni Gross, geborene Robinsohn: Hausfrau
erste Ehe: in Berlin (Preußen [Berlin]) am 2. Oktober 1933 mit Rudolf Michaelis (Leipzig, Sachsen 31. März 1907 – Berlin, Berlin 28. November 1990): Archäologe und Restaurator, später Grundschullehrer; Anarchosyndikalist; 1934 Trennung, 1937 geschieden
zweite Ehe: in Melbourne (Victoria, Australien) am 3. März 1960 mit Albert George Sachs, d. i. Albert Georg Sachs (Wien 1. Juni 1899 – Melbourne, Victoria, Australien 30. September 1965): Glas- und Bilderrahmenhändler
Kinder: keine
Biographie
Margaret Michaelis-Sachs, Tochter einer Hausfrau und eines Arztes, wuchs in einer liberalen jüdischen Familie in Berlin (Preußen [Berlin]) auf. Sie kam 1918 nach Wien, wo sie an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt 1921 ihre Ausbildung zur Fotografin absolvierte. Zunächst arbeitete sie im »Atelier d'Ora« von Dora Philippine Kallmus (1881–1963) in Wien 1., Wipplingerstraße 24, dann von 1922 bis 1927 im »Photographischen Atelier« von Grete Kolliner (1892–1933) in Wien 9., Frankgasse 6.
1928 verließ Margaret Michaelis-Sachs Wien und arbeitete zunächst in Berlin beim »Atelier Binder« von Alexander Binder (1888–1929), Kurfürstendamm 225, dann im »Fotostyle Studio« in Praha / Prag (Tschechoslowakei [Praha, Tschechien]).
1929 ließ sich Margaret Michaelis-Sachs wieder in Berlin nieder, wo sie als Hilfskraft, Retuscheurin und Fotografin angestellt war: zunächst im »Atelier K. Schenker« von Karl Schenker (1886–1954), dann im »Atelier für photographische Porträts« von Suse Byk (1884–1943) und zuletzt bei »Photos Winterfeld« von Bruno Winterfeld (1890–1942). Dazwischen gab es immer wieder Zeiten der Arbeitslosigkeit. 1932 lernte sie den Archäologen und Restaurator Rudolf Michaelis (1907–1990), ein exponierter Anarchosyndikalist, kennen. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurden Margaret und der Rudolf Michaelis am 9. März 1933 verhaftet. Margaret Michaelis-Sachs wurde bald, Rudolf Michaelis erst im Mai 1933 wieder freigelassen. Am 9. Oktober 1933 heirateten Margaret und Rudolf Michaelis in Berlin, und im Dezember 1933 flüchteten beide aus Deutschland.
Margaret Michaelis-Sachs und Rudolf Michaelis kamen noch im Dezember 1933 in Spanien an, wo sie sich aber 1934 trennten; die offizielle Scheidung erfolgte erst 1937. Beide schlossen sich der 1934 gegründeten »Gruppe DAS« (Deutsche Anarcho-Syndikalisten) an. In Barcelona (Spanien), Avenida de la República Argentina 218, gründete Margaret Michaelis-Sachs ihr eigenes Unternehmen: »Foto-elis«. Sie arbeitete zunächst vor allem mit einer Gruppe moderner katalanischer Architekten zusammen. Ihre Architektur- und Dokumentarfotografien erschienen unter anderem in den katalanischen Zeitschriften »A. C. Documentos de Actividad Contemporánea« (Barcelona; A. C. Dokumente zeitgenössischer Aktivitäten) und »D’Ací i d’Allà« (Barcelona; Von da und dort). Nach Beginn des so genannten Spanischen Bürgerkriegs arbeitete Margaret vorwiegend für antifaschistische Organisationen, auch für die Katalanische Regierung. So erschienen ihre Fotografien unter anderem in Publikationen des »Comissariat de Propaganda de la Generalitat de Catalunya« (Propaganda-Kommissariat der Generalität von Katalonien), etwa 1937 im Monatsmagazin »Nova Iberia« (Barcelona; Neues Iberien).
Margaret Michaelis-Sachs kehrte 1937 zu ihrer Familie nach Bielsko [zu Bielsko-Biała] (Polen) zurück. 1938 erhielt sie einen deutschen Pass, mit dem sie nach London (England) reiste. Nach einigen Monaten ging sie nach Australien ins Exil, wo sie im September 1939 in Sydney (New South Wales, Australien) ankam. Zunächst arbeitete sie als Haushaltshilfe, konnte aber 1940, nunmehr als »Margaret Michaelis«, ihr eigenes »Photo-studio« in Sydney, Castlereagh Street 114, aufmachen. Sie spezialisierte sich jetzt vor allem auf die Poträtfotografie. 1941 trat sie den Berufsverbänden der »Professional Photographers’ Association of New South Wales« und später der »Professional Photographers’ Association of Australia« bei und war das einzige weibliche Mitglied des »Institute of Photographic Illustrators«. Seit 1945 australische Staatsbürgerin, musste sie wegen ihrer Sehschwäche 1952 ihr Studio schließen. Sie arbeitete dann noch zwei Jahre lang als Sekretärin des Soziologen und Psychologen Richard Hauser (1911–1990) sowie dessen Ehefrau, der Pianistin und Menschrechtskämpferin Hephzibah Menuhin (1920–1981). Am 3. März 1960 heiratete Margaret in Melbourne (Victoria, Australien) nach israelitischem Ritus den in Wien geborenen und verwitweten Glas- und Bilderrahmenhändler Albert George Sachs (1899–1965), den sie in seinem Rahmengeschäft unterstützte. Nach dessen Tod unternahm sie zahlreiche Reisen, widmete sich aber auch der Malerei und Grafik.
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Autor: Reinhard Müller
Version: März 2026
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