Nora Mieser (1905–1966)

Persönliche Daten
Namensvarianten
das ist Eleonora Mieser
verheiratete Eleonora Lederer
nannte sich: Nora Mieser
Geburtsdatum
1. Mai 1905
Geburtsort
Sterbedatum
5. Jänner 1966
Religionsbekenntnis
israelitisch, seit 5. Oktober 1926 konfessionslos

Vater: Simche Josef Mieser, später: Simon Josef Mieser (Lemberg, Galizien und Lodomerien [Lwiw ‹Львів›, Ukraine] 18. Oktober 1876 – Wien April 1932): Handelsagent, Papierhändler; Heirat in Wien am 24. Juli 1904 mit:
Mutter: Ruchel Mieser, geborene Taub, später: Rosa Mieser (Rudawa, Galizien und Lodomerien [Rudawa, zu Zabierzów, Polen] 1865 – Wien 14. Dezember 1927): Hausfrau
Ehe: in Wien am 5. September 1931 mit Paul Lederer (Wien 20. Februar 1907 – Babylon, New York, USA 18. Februar 1970): Handelsangestellter, Kaufmann; Freidenker, Anarchist; ging 1938 ins Exil in die USA
Kinder: keine

Biographie

Nora Mieser, Tochter eines Papierhändlerehepaares, absolvierte eine Mädchenmittelschule in Wien. Schon als Mittelschülerin war sie auffallend aktiv. So engagierte sie sich 1922 beim »Roten Kreuz« und war am 1. Dezember 1923 eine der Rednerinnen bei der Protestversammlung gegen den von der Regierung geplanten Abbau der Mädchenmittelschulen. Damals war sie noch Mitglied der sozialdemokratischen Vorfeldorganisation »Verband der sozialistischen Arbeiterjugend«.

1925 begann Nora Miesers Engagement gegen die bürgerliche Ehe. So referierte sie am 1. Oktober 1925 beim »Eherechtsreformverein« über »Die bürgerliche Ehe und deren Geschichte«. Vor allem setzte sie sich nun für die Rechte der proletarischen Frau ein. Sie wurde Mitglied der Freidenker-Organisation »Freigeist. Verein für freie Weltanschauung«. In dessen Rahmen sprach sie beispielsweise am 20. Mai 1926 über »Bürgerliche Gesellschaft und sozialistische Erziehung« und am 17. August 1926 über »Erziehung um Sozialismus«. Auf den Veranstaltungen des »Landesvereins der Freidenker Salzburg«, die vom 8. bis 14. August 1926 in mehreren Orten Salzburgs stattfanden, war ihr Thema »Der § 144 und seine Folgen für die proletarische Frau« und jenes ihres Co-Referenten Paul Lederer (1907–1970) »Der Kampf ums Kind«.

1926 wurde Nora Mieser Leiterin der neu gegründeten »Jugendgruppe Wien« des »Bundes herrschaftsloser Sozialisten« und arbeitete an dessen Zeitung »Erkenntnis und Befreiung« (Wien / Wien – Graz / Graz – Wien – Ludwigshafen / Wien – Graz) mit. Im selben Jahr initiierte sie gemeinsam mit Paul Lederer den Freidenker-Verein »›Freigeist‹, Bund freier Menschen«, der die Gründung von »Freigeist-Schulen« propagierte. Diese Organisation sollte gleichsam eine Plattform für unterschiedliche proletarisch-freidenkerische Vereinigungen sein. Dabei repräsentierten Nora Mieser, der Magistratsbedienstete Zacharias Schwitz (1897–1942) und der Geschäftsführer des Vereins Paul Lederer den anarchistischen Flügel. Diese weltanschauliche Offenheit führte bereits 1927 zu einem Bruch mit Rudolf Großmann alias Pierre Ramus (1882–1942) und dem »Bund herrschaftsloser Sozialisten«. Dieser war wohl endgültig, als Nora Mieser 1928 einen Artikel in der sozialdemokratisch dominierten Zeitschrift »Die sozialistische Erziehung« (Wien) veröffentlichte.

Am 5. September 1931 heiratete Nora Mieser ihren Kampfgefährten Paul Lederer. Mit ihm flüchtete sie in die USA, wo sie am 8. Oktober 1938 in New York City (New York, USA) ankamen. Nora war zunächst als Hausfrau tätig, fand dann aber einen Posten als Sekretärin. Paul Lederer, der im Oktober 1940 zum Dienst in der US-Armee einberufen wurde, war später als selbstständiger Kaufmann tätig.

  • Wien 2., Stuwerstraße 20 (Geburtsadresse)
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