Rosa Kügerl (1880–1940)
Persönliche Daten
Familienverhältnisse
Vater: Johann Nepomuk Kügerl (Preding, Steiermark 8. Mai 1844 – Zehndorf [zu Wettmannstätten], Steiermark 16. April 1921), Sohn einer Hausfrau und eines Wagnermeisters: Gastwirt; Heirat in Preding (Steiermark) am 13. Jänner 1879 mit:
Mutter: Rosalia Kügerl, geborene Iberer (Preding, Steiermark 20. August 1854 – Graz, Steiermark 2. März 1914), Tochter einer Gastwirtin und eines Gastwirts: Gastwirtin, Landwirtin
Schwester: Maria Kügerl (Tobis [zu Preding], Steiermark 25. März 1882 – Preding, Steiermark 5. März 1958): Landwirtin
Bruder: Johann Kügerl (Tobis [zu Preding], Steiermark 29. Mai 1883 – Zehndorf [zu Wettmannstätten], Steiermark 21. Oktober 1915)
Ehe: keine
Kinder: keine
Biographie
Rosa Kügerl, deren Eltern ein Gasthaus und einen Bauernhof betrieben, übernahm nach dem Tod ihres Vaters 1921 gemeinsam mit ihrer Schwester Maria Kügerl (1882–1958) dessen kleine Landwirtschaft in Zehndorf 36 [zu Wettmannstätten] (Steiermark). Nach dem Ersten Weltkrieg engagierte sich Rosa Kügerl als überaus umtriebige Friedensaktivisten im ländlichen Raum des steirischen Bezirks Deutschlandsberg. So gewann sie 1922 den Oberlehrer – seit 1924 Direktor – an der Volksschule Preding (Steiermark) Karl Maier dafür, im Unterricht seine Schülerinnen und Schüler mit anti-kriegerischen Ideen vertraut zu machen. Und am 16. Juli 1922 organisierte sie im Gasthaus »Leitinger« in Preding eine anti-kriegerische Veranstaltung. Als im März 1923 der »Bund der Kriegsdienstgegner, Zweig Graz der Kriegsdienstgegner Internationale« gegründet wurde, trat sie diesem sofort bei.
Über die Bezirksgrenzen hinausgehendes Aufsehen erregte die Landwirtin Rosa Kügerl, als sie zu Pfingsten, für den 21. Mai 1923, in Frauental an der Laßnitz (Steiermark) einen »Antimilitaristischen Bauerntag« unter dem Motto »Krieg, Not und Tod oder Frieden, Glück und Wohlstand« organisierte. Als Redner sollten Rosa Kügerl, der Kleinbauer Anton Köck aus Greith [zu Sankt Martin im Sulmtal] (Steiermark) und Rudolf Großmann alias Pierre Ramus (1882–1942) aus Wien auftreten. Zu diesem Bauerntag reisten auch aus mehreren Orten der Steiermark rund zwanzig Gesinnungsgenossen an, die bereits am Bahnhof von einem größeren Aufgebot von Gendarmen empfangen wurden, weil mittlerweile die Bezirkshauptmannschaft Deutschlandsberg (Steiermark) die Veranstaltung verboten hatte. Begleitet von einigen Bauern vom Ort, von denen einer ein Transparent »Nie wieder Krieg« mit sich trug, begaben sich Kügerl und Ramus zum Gendarmerieposten Deutschlandsberg, um den Grund für das Verbot zu erfahren. Dort wurde ihnen erklärt, dass dies die lokale »Heimwehr« beantragt und andernfalls mit einem militärischen Aufmarsch gedroht habe. Daraufhin wurde beschlossen, eine auf geladene Gäste beschränkte Versammlung abzuhalten. Da aber die rund zehn zum Schutz der Anarchistinnen und Anarchisten aufgebotenen Gendarmen deren Sicherheit gegenüber den mittlerweile massiv aufmarschierten Heimwehrlern nicht mehr garantieren konnten, die Nutzung des bereits gemieteten Raums im Gasthaus vom Wirt verweigert und kein anderes Lokal vor Ort gefunden werden konnte, begaben sich die Anarchisten zum Bahnhof Deutschlandsberg, um dennoch bei der nächsten Station Frauental auszusteigen. Doch kaum im Zug, wurden sie in ihrem Zugabteil von einer Gruppe Heimwehrler verprügelt. Unverrichteter Dinge fuhren danach die angereisten Anarchistinnen und Anarchisten in ihre Heimatorte zurück und der antimilitaristische Bauerntag konnte nicht mehr stattfinden. Auch Rosa Kügerl fuhr mit dem Zug nach Zehndorf zurück, wo sie noch beim Aussteigen bespuckt und bedroht wurde.
Dieser Vorfall konnte Rosa Kügerl jedoch nicht davon abhalten, weiterhin ihre pazifistischen und anarchistische Ideen im Bezirk Deutschlandsberg zu verbreiten. Sie wurde auch Mitglied des »Bundes herrschaftsloser Sozialisten«. Obwohl krank, setzte sie sich noch 1932 für die Freilassung des wegen der Vasektomien verhafteten Pierre Ramus ein.
Kategorien
Adresse(n)
- Preding, Steiermark, Preding 60 (Geburtsadresse)
- Zehndorf [zu Wettmannstätten], Steiermark, Zehndorf 36 (Wohnadresse 1921 bis 1932)
- Graz, Reichsgau Steiermark, Deutsches Reich [Steiermark, Österreich], Kreuzgasse 35 (Sterbeadresse)
Karte
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Autor: Reinhard Müller
Version: März 2026
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