Agnes Vorhauser (1875–1950)
Persönliche Daten
Familienverhältnisse
Vater: Franz Kraner: Inwohner und Zimmermann; Heirat mit:
Mutter: Theresia Kraner, geborene Peklar: Inwohnerin
Schwester: Maria Kraner (Pickern bei Marburg, Steiermark [Pekre, Slowenien] 9. Jänner 1872 – Graz, Steiermark 31. Dezember 1899): Stubenmädchen; Heirat in Graz (Steiermark) am 7. Oktober 1894 mit Johann Alexander Vorhauser (Graz, Steiermark 21. Juni 1871 – Graz, Steiermark 26. Dezember 1949): Malermeister; siehe Ehe mit Agnes Kraner-Vorhauser
Stieftochter: Maria Martha Vorhauser, seit 8. Februar 1920 verheiratete Bobnar (Graz, Steiermark 22. Juli 1895 – Graz, Steiermark 3. April 1950)
Stiefsohn: Maximilian Karl Vorhauser (Graz, Steiermark 10. September 1896 – Graz, Steiermark 30. Juli 1960)
Ehe: in Graz (Steiermark) am 6. Oktober 1901 mit Johann Alexander Vorhauser (Graz, Steiermark 21. Juni 1871 – Graz, Steiermark 26. Dezember 1949): Malermeister
Sohn: »Hans« Johann Alois Vorhauser (Gösting [zu Graz 13.], Steiermark 14. Juni 1902 – Graz, Steiermark 1976): Malergehilfe, Hilfsarbeiter; Anarchist; er hielt sich längere Zeit in Deuschland auf, wo er Anarchist wurde; nach seiner Rückkehr wurde er als Mitglied des »Bundes herrschaftsloser Sozialisten« ein wichtiger Organisator der Vasektomien in Graz sowie Kontaktmann nach Wien und stellte die Grazer Wohnung seiner Mutter für Vasektomien zur Verfügung
Biographie
Agnes Vorhauser, Tochter einer Hausfrau und eines Zimmermanns, kam nach Graz (Steiermark). Hier heiratete sie am 6. Oktober 1901 ihren verwitweten Schwager, den Malermeister Johann Alexander Vorhauser (1871–1949). Dieser war in erster Ehe mit der kurz zuvor jung an Lungentuberkulose verstorbenen Schwester von Agnes, dem Stubenmädchen Maria Kraner (1872–1900), verheiratet gewesen. Bereits ein Jahr später, am 14. Juni 1902, wurde ihr Sohn »Hans« Johann Alois Vorhauser (1902–1976) geboren. Agnes Vorhauser schloss sich schon früh dem »Bund herrschaftsloser Sozialisten« an, der sich in Graz formal in dem 1893 gegründeten »Arbeiter-Bildungs- und Unterstützungs-Verein« organisierte. Zu diesem stieß auch ihr Sohn, der Malergehilfe Johann Alois Vorhauser, nach seiner Rückkehr aus Deutschland. Agnes Vorhauser und ihr Sohn gehörten zu den treibenden Kräften bei der Vasektomie, also der rückoperierbaren Sterilisation von Männern. Nachdem Universitätsprofessor Hermann Schmerz (1881–1941), der als Erster derartige Vasektomien in Graz durchgeführt hatte, am 28. Oktober 1929 wegen Übertretung gegen die körperliche Sicherheit verurteilt worden war, setzten Anarchistinnen und Anarchisten des »Bundes herrschaftsloser Sozialisten« die operativen Eingriffe in Privatwohnungen fort. Das unter dem Decknamen »Schachklub Graz« laufende Unternehmen flog jedoch nach knapp drei Jahren auf. Am 28. August 1932 hob die Polizei eine derartige »Sterilisationsklinik« in der Wohnung von Agnes Vorhauser in Graz, Griesplatz 23, 1. Stock, aus. In den folgenden Wochen wurden nicht nur im organisatorischen Zentrum der Vasektomien, in Graz, derartige Geheimkliniken aufgedeckt, sondern auch in Wien, Wiener Neustadt (Niederösterreich) und Linz an der Donau (Oberösterreich). Agnes Vorhauser, die sich am 1. September 1932 wegen eines Leidens in ein Sanatorium begab, wurde in Graz verhaftet. Ihr Sohn, der beim Auffliegen der Vasektomien gerade auf einer Bergtour am Hochschwab war, ergriff sofort die Flucht. Vom 6. bis 30. Juni 1933 fand vor dem Landesgericht Graz der so genannte Sterilisationsprozess gegen einundzwanzig Angeklagte statt, wobei die als Hauptorganisatoren vermuteten Hubert Schwarzbeck (1906–1989) und der Sohn von Agnes Vorhauser nicht angeklagt wurden, weil sie nach Spanien geflüchtet waren. Der Prozess, in dem Agnes Vorhauser der Beihilfe zur schweren Körperverletzung angeklagt wurde, endete am 4. Juli 1933 mit einem Freispruch für alle Angeklagten. Doch der Staatsanwalt meldete Nichtigkeitsbeschwerde an. Im Revisionsverfahren vor dem Obersten Gerichtshof in Wien, das am 7. und 8.Mai 1934 stattfand, wurden alle Angeklagten zu Haftstrafen verurteilt. Agnes Vorhauser erhielt sechs Monate schweren, verschärften Kerker.
Ihr Sohn, der Malergehilfe »Hans« Johann Vorhauser, der die Vasektomien in Graz organisiert hatte, flüchtete im August 1932 nach Spanien, kehrte aber nach dem Prozess nach Graz zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Agnes Vorhauser nur mehr am Rande in die Reorganisationsversuche der steirischen Anarchistinnen und Anarchisten involviert.
Kategorien
Adresse(n)
- Pickern bei Marburg, Steiermark [Pekre, Slowenien], Pikerndorf 32 (Geburtsadresse)
- Graz, Steiermark, Griesplatz 23, 1. Stock (Wohnadresse 1932)
Karte
Autor / Version / Copyleft
Autor: Reinhard Müller
Version: März 2026
Anarchistische Bibliothek | Archiv | Institut für Anarchismusforschung | Wien
Copyleft