Hubert Schwarzbeck (1906–1989)

Persönliche Daten
Namensvarianten
das ist Hubert Matthäus Schwarzbeck
Pseudonym: H.
Pseudonym: H-t.
Geburtsdatum
7. Oktober 1906
Sterbedatum
21. November 1989
Sterbeort
Religionsbekenntnis
römisch-katholisch, seit 19. September 1927 konfessionslos

Vater: Mathäus Schwarzbeck (Kalsching, Böhmen [Chvalšiny, Tschechien] 20. September 1839 – Graz, Steiermark 31. Dezember 1909), Sohn einer Hausfrau und eines Bürgers: k. k. Zollamtsoffizial; Heirat in Graz (Steiermark) am 26. November 1905 mit:
Mutter: Anna Magdalena Schwarzbeck, geborene Gribitz (Graz, Steiermark 13. Juni 1876 – Graz, Steiermark 30. September 1965), Tochter einer Hausfrau und eines Wäschers: Wirtschafterin, Handarbeiterin, Hausfrau
Bruder: »Matzl« Matthäus Gribitz, mit 29. November 1905 legitimierter Schwarzbeck (31. Jänner 1903 – ?)
erste Ehe: in Graz (Steiermark) 1928 mit Maria Josefa Wolf (Graz, Steiermark 6. März 1905 – Graz, Reichsgau Steiermark, Deutsches Reich [Steiermark, Österreich] 15. April 1941): Schneiderin, Vasektomieaktivistin; Anarchistin; 1932 geschieden
Kinder: keine
Lebensgemeinschaft: mit Dolores Olmedilla Olmedo
Sohn: Luis Schwarzbeck Olmedilla (Madrid, Spanien 23. Dezember 1937 – ?)
zweite Ehe: in Madrid (Spanien) 1946 mit Carmen Palencias Bravo (3. August 1915 – ?)
Adoptivtochter: Azucena Palencias Bravo, 1946 legitimierte Schwarzbeck, verheiratete Guggenberger (geb. Madrid, Spanien 1. Juli 1937): Sekretärin, Assistentin
Adoptivtochter: Angeles Palencias Bravo, 1946 legitimierte Schwarzbeck, verheiratete Längle (geb. Madrid, Spanien 23. Juni 1940)

Biographie

Hubert Schwarzbeck, Sohn einer Wirtschafterin und eines bereits pensionierten Zollamtsoffizials, kam kurz nach seiner Geburt mit seinen Eltern und seinem Bruder nach Graz. Schon früh Halbwaise, besuchte er nach der Volks- und Bürgerschule die Höhere Gewerbeschule für Maschinenbau und Elektrotechnik in Graz, wo er im Juni 1924 mit Auszeichnung die Reifeprüfung ablegte. Er arbeitete dann als Monteuer beziehungsweise technischer Zeichner bei einer Grazer Firma. Nach seiner Entlassung 1927 fand er als Heizungstechniker bei einer Grazer Aktiengesellschaft Arbeit, bis er auch hier aus wirtschaftlichen Gründen entlassen wurde.

Hubert Schwarzbeck schloss sich um 1927 dem anarchistischen »Bund herrschaftsloser Sozialisten« (BhS) an, der sich in Graz formal in dem 1893 gegründeten »Arbeiter-Bildungs- und Unterstützungs-Verein« organisierte. Hier lernte er auch die Schneiderin Maria Josefa Wolf (1905–1941) kennen, die er 1928 heiratete. Hubert Schwarzbeck gehörte zu den rührigsten Grazer Anarchisten und war auch im Umfeld der 1927 erschienenen kirchengegnerischen Zeitschrift »Freie Denker. Organ der freigeistigen Bewegung« (Graz) tätig. Vor allem aber gehörten Maria und Hubert Schwarzbeck zu den treibenden Kräften bei der Vasektomie, die damals als rückoperierbare Sterilisation von Männern galt. Nachdem der Universitätsprofessor Hermann Schmerz (1881–1941), der als Erster derartige Vasektomien in Graz durchgeführt hatte, am 28. Oktober 1929 wegen Übertretung gegen die körperliche Sicherheit verurteilt worden war, setzten Anarchistinnen und Anarchisten des »Bundes herrschaftsloser Sozialisten« die operativen Eingriffe heimlich in Privatwohnungen fort. Das unter dem Decknamen »Schachklub Graz« laufende Unternehmen flog jedoch nach knapp drei Jahren auf. Damals ließen sich Hubert und Maria Schwarzbeck aus taktischen Überlegungen scheiden. Kurz darauf, am 28. August 1932, hob die Polizei eine solche »Sterilisationsklinik« in Graz, Griesplatz 23, aus und verhaftete unter anderem Maria Schwarzbeck, die dort als Assistentin anwesend war. In den folgenden Wochen wurden nicht nur im organisatorischen Zentrum der Vasektomien, in Graz, derartige Geheimkliniken ausgehoben, sondern auch in Wien, Wiener Neustadt (Niederösterreich) und Linz an der Donau (Oberösterreich).

Kurz vor der Aufdeckung der »Sterilisationskliniken« flüchtete Hubert Schwarzbeck nach Spanien, wo er am 14. August 1932 legal einreiste. Unmittelbar nach seiner Ankunft wurde er Mitglied der anarchosyndikalistischen »Confederación Nacional del Trabajo« (CNT; Nationale Konföderation der Arbeit). Vom März 1933 bis November 1936 arbeitete er als Ingenieur und technischer Beamter im Konstruktionsbüro der bedeutenden Maschinenbaufirma »Boetticher y Navarro, S. A.« in Madrid, wo er vor allem an der Entwicklung von Aufzügen arbeitete.

Als im Juli 1936 der Spanische Bürgerkrieg begann, stellte sich Hubert Schwarzbeck in den Dienst der Republik, wobei er für die CNT in zwei Aufgabenbereichen tätig war. Gewerkschaftlich gehörte er vom Juli bis Dezember 1936 dem Kontrollkomitee des »Sindicato de Técnicos« (Gewerkschaft der Techniker) der CNT an. Militärisch stellte er sich den Regierungsmilizen zur Verfügung und kämpfte in einer Pioniereinheit der CNT. Im Dezember 1936 wurde er Capitán (Hauptmann) beim 5. und im Februar 1937 Commandante (Major) beim 7. Batallón de Obras y Fortificaciones (später 31. Bataillón genannt) der republikanischen Armee. Er wurde mit der Planung und Konstruktion von Verteidigungsanlagen und Eisenbahnbrücken im Raum Madrid beauftragt. Nach dem Zusammenbruch der Republik und dem Beginn der faschistischen Franco-Diktatur lehnte er eine Evakuierung ab, da er mittlerweile mit einer Spanierin, seiner Lebensgefährtin Dolores Olmedilla Olmedo, den Sohn Luis (1937–?) hatte. Diese Beziehung zerbrach nach Schwarzbecks Verhaftung 1939.

Am 6. April 1939 wurde er von Agenten der Embajada Alemana (Deutsche Botschaft) in Madrid festgenommen, von Angehörigen der berüchtigten Legion Condor verhört und anschließend an die spanischen Behörden ausgeliefert. Seine Odyssee durch das franquistische Gefängnissystem begann: Vom 6. bis 11. April 1939 war er im Gefängnis der Polizeidirektion Madrid inhaftiert, vom 12. bis 14. April 1939 im Provinzgefängnis »Porlier« (Prisión Provincial de Hombres número 1) und vom 15. April 1939 bis 29. März 1940 im Provinzgefängnis »Torrijos« (Prisión Provincial de Torrijos) in Madrid. Am 8. Februar 1940 fand die Gerichtsverhandlung gegen Hubert Schwarzbeck vor dem Juzgado Militar Permanente n.º 1 de Madrid (Dauer-Kriegsgericht Nr. 1 von Madrid) als Fall Nr. 15.771 in einem summarischen Schnellverfahren statt, und am 22. Februar 1940 wurde er zu zwanzig Jahren und einem Tag schwerem Kerker verurteilt. Kurz darauf, am 13. März 1940, erfolgte seine Ausbürgerung aus dem Deutschen Reich.

Hubert Schwarzbeck wurde daraufhin vom 30. März 1940 bis 9. Jänner 1943 im Zentralgefängnis in Ocaña (Prisión Central de Ocaña) und vom 10. Jänner 1943 bis 17. Februar 1944 im Zentralgefängnis in Guadalajara (Prisión Central de Guadalajara) gefangen gehalten. Im Juli 1943 wurde die »Representation in Spain of American Relief Organizations« (Vertretung amerikanischer Hilfsorganisationen in Spanien) im Madrid auf sein Schicksal aufmerksam. Am 17. Februar 1944 wurde er bedingt aus der Haft entlassen und im März 1944 zu zwölf Jahren und einem Tag Kerker begnadigt.

Am 23. März 1944 trat Hubert Schwarzbeck seine alte Stelle bei der Firma »Boetticher y Navarro, S. A.« in Madrid wieder an, doch schon am 20. Mai 1944 verfügten die Behörden seine Ausweisung aus Spanien. Statt der Abschiebung erfolgte jedoch erneute polizeiliche Verwahrung: Vom 20. Mai bis 12. September 1944 war er im Provinzgefängnis »Santa Rita« (Prisión de Santa Rita) in Carabanchel Bajo in Madrid und vom 13. September 1944 bis 21. Jänner 1945 im Provinzgefängnis in Carabanchel (Cárcel de Carabanchel) in Carabanchel Alto (heute zu Madrid) eingesperrt.

Vom 22. Jänner bis 19. März 1945 war er im Konzentrationslager Campo de Concentración in Nanclares de la Oca (Provinz Álava) und vom 20. März 1945 bis 25. September 1946 in der Colonia Agrícola Penitenciaria de Herrera de la Mancha (Provinz Ciudad Real). Schließlich kam er vom 26. bis 28. September 1946 in Abschiebehaft: zunächst in der Polizeidirektion Madrid, wo der todkranke und bis auf das Skelett abgemagerte Hubert Schwarzbeck kurz nach seiner Entlassung Carmen Palencias Bravo geheiratet hatte, die zwei Töchter in die Ehe mitbrachte. Von Barcelona aus verließ er auf dem spanischen Schiff »Ciudad de Valencia« am 28. September 1946 Spanien.

Im Oktober 1946 kehrte Hubert Schwarzbeck nach sieben Jahren, zwei Monaten und zwanzig Tagen Haft mit seiner Ehefrau und deren zwei Töchtern über Genua ‹Genova› (Italien) nach Österreich zurück. Gesundheitlich schwer gezeichnet, ließ er sich mit seiner Familie wieder in Graz nieder. Dort erhielt er eine Stelle als Ingenieur und technischer Betriebsleiter an der Landes-Heil- und Pflegeanstalt am Feldhof in Graz, Feldhofstraße 1 (heute Landeskrankenhaus Graz II, Wagner-Jauregg-Platz 1), wo er auch eine Dienstwohnung bezog. Aufgrund der psychischen und physischen Spätfolgen der langen Haft konnte er seinem Beruf nur unter größten Anstrengungen nachkommen. Erst nach seiner Pensionierung bezog er eine Wohnung im Grazer Stadtgebiet. Sein Interesse am Anarchismus blieb in all diesen Jahren bis zu seinem Tod ungebrochen, wenngleich er sich an der Grazer Bewegung nicht mehr aktiv beteiligen konnte.

  • Marburg an der Drau, Steiermark [Maribor, Slowenien], Perko-Straße 13 [Ulica Pariške komune] (Geburtsadresse)
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