Ferdinand Groß (1908–1998)
Persönliche Daten
Familienverhältnisse
Vater: Wenzel Groß (Münchsdorf, Böhmen [Mnichov, okres Domažlice, Tschechien] 27. Mai 1884 – Graz, Steiermark 30. September 1935), Sohn einer Hausfrau und eines Gemeindeschmiedmeisters: Hutmachergehilfe; Heirat in erster Ehe in Wien am 3. November 1907 mit:
Mutter: Maria Groß, geborene Kreusel (Wien 30. Juli 1882 – Wien 22. Februar 1910), Tochter einer Handarbeiterin und eines Tischlermeisters: Hausfrau
Bruder: Karl Groß (Wien 28. Jänner 1910 – ?)
zweite Ehe des Vaters: in Graz (Steiermark) am 31. Mai 1911 mit:
Stiefmutter: Aloisia Ortner (2. Juni 1893 – ?), Tochter einer Gastwirtin und eines Gastwirtes: Hausfrau; heiratete standesamtlich in zweiter Ehe in Graz (Reichsgau Steiermark, Deutsches Reich [Steiermark, Österreich]) am 11. September 1939
Stiefschwester: Margareth Aloisia Groß, verheiratete Kürbos (Graz, Steiermark 30. November 1911 – Gratkorn, Steiermark 6. Juni 2006)
Stiefbruder: Erich Josef Alois Groß (Graz, Steiermark 9. Mai 1915 – Graz, Steiermark 4. Dezember 2010)
Ehe: standesamtlich in Graz (Steiermark) am 4. Juli 1946 mit »Rosa« Rosalia Uttler (? – Graz, Steiermark Februar 1994): Hausfrau
Kinder: keine
Stiefsohn: Helmut Uttler, legitimierter Groß
Biographie
Ferdinand Groß, Sohn einer Handarbeiterin und eines Hutmachergehilfen, wurde in Wien geboren. Nach dem frühen Tod seiner Mutter 1910 an Lungentuberkulose zog der Vater mit seinen Kindern nach Graz (Steiermark), wo er 1911 erneut heiratete. Die Kindheit von Ferdinand Groß war nicht nur vom frühen Verlust seiner Mutter geprägt, sondern auch vom Kriegsdienst seines Vaters im Ersten Weltkrieg. Nach dem Besuch der Volks- und der Bürgerschule absolvierte Ferdinand Groß von 1922 bis 1925 eine Schlosser- und Dreherlehre in der – kurz Puch-Werke genannten – Fahrrad- und Autofabrik der Puchwerke-Aktiengesellschaft in Graz. In dieser Zeit kam er erstmals mit sozialdemokratischen und marxistisch-leninistischen Kreisen in Berührung. Als er sich wegen einer Blutvergiftung einer Operation unterziehen musste, verlor er seinen Arbeitsplatz. Ein Versuch, 1926 gemeinsam mit einem Freund über Hamburg (Freie und Hansestadt Hamburg) nach Brasilien auszuwandern, scheiterte an der Insolvenz der Auswanderungsagentur. In den Jahren 1926 bis 1932 lebte er in Luxemburg. Zunächst war er gemeinsam mit seinem Freund als Hilfsarbeiter im Gleisbau und in einem Hüttenwerk tätig. Nachdem sein Freund nach Frankreich weitergezogen war, arbeitete Ferdinand Groß, mittlerweile an einer Gehirnhautentzündung erkrankt, zunächst in einer Schlackenmühle zur Kunstdüngerproduktion, dann in einem Walzwerk und ab 1930 im Erzabbau unter Tage.
Nachdem er Anfang 1932 nach Graz zurückgekehrt war, stieß er zur anarchistischen »Sängerrunde ›Freiheit‹«, einer Sektion des »Bundes herrschaftsloser Sozialisten« (BhS), dem er sich noch im selben Jahr anschloss. Dieser war in Graz vereinsrechtlich in dem 1893 gegründeten »Arbeiter-Bildungs- und Unterstützungs-Verein« organisiert. Innerhalb des BhS war Ferdinand Groß vor allem als Sänger aktiv, engagierte sich aber auch für die von einer Gruppe des BhS geheim in Privatwohnungen durchgeführten Vasektomien und unterzog sich selbst diesem operativen Eingriff. Wegweisend für seinen weiteren Lebenslauf wurde das Jahr 1933, als er erstmals Rudolf Großmann alias Pierre Ramus (1882–1942) in Graz persönlich kennenlernte: Ramus sollte fortan seine prägende Leitfigur sein.
Während der anhaltenden Arbeitslosigkeit engagierte er sich zwischen 1932 und 1937 beim Siedlungsprojekt »Freie Friedland Siedlungen« in Unterwald [zu Ligist] (Steiermark), wo ein Tiroler die Errichtung einer Arbeitslosen-Siedlung plante. In dieser Zeit, nämlich 1934, begann seine lebenslange Lebens- und Kampfgemeinschaft mit der Grazer Anarchistin Rosa Uttler (?–1994), die er aber erst am 4. Juli 1946 heiraten konnte. 1937 wurde er als Dreher bei den Puch-Werken angestellt. Hier begann er nach dem sogenannten Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich 1938 mit seiner illegalen Agitation für den Anarchismus und streute alte Nummern der anarchistischen Zeitung »Erkenntnis und Befreiung« (Wien) aus.
Am 1. März 1939 wurde Ferdinand Groß erstmals verhaftet, kam nach dem Verhör durch die Gestapo jedoch wieder frei, obwohl er sich selbst offen als Anarchist bekannt haben soll. Als er bei einer Feier im Betrieb anlässlich der Annexion der »Rest-Tschechoslowakei« den Hitlergruß verweigerte, wurde er aus den Puch-Werken entlassen und am 16. März 1939 neuerlich verhaftet. Nach drei Monaten Untersuchungshaft in Graz wurde er im Juni 1939 als sogenannter Schutzhäftling in das »Liesl« genannte Sammelgefängnis nach Wien eingeliefert. Damit begann seine Odyssee durch mehrere Konzentrationslager. Vom Juni bis September 1939 war er politischer Häftling im Konzentrationslager Dachau (Bayern), Block 1, vom September 1939 bis März 1940 im Konzentrationslager Flossenbürg (Bayern) und vom März 1940 bis Juni 1944 wieder im Konzentrationslager Dachau, wo er die Funktion eines Stubenältesten innehatte. Im Juni 1944 wurde er in das Konzentrationslager Neckarelz (Baden [zu Mosbach, Baden-Württemberg]) verlegt, wo er in einem aufgelassenen Gipswerk für die Rüstungsindustrie arbeiten musste. Zunächst wieder Stubenältester, meldete er sich dann zum Arbeitseinsatz und war zuerst für die Wartung des Werkzeugs zuständig, dann als Kantineur tätig. Nach der Bombardierung des Dorfes Neckarelz im März 1945 sollte er in ein anderes Konzentrationslager verlegt werden: Auf dem Weg zum Bahnhof gelang ihm gemeinsam mit einem steirischen Kommunisten die Flucht.
Am 1. April 1945 erreichte Ferdinand Groß die US-amerikanische Zone und kehrte im Mai 1945 nach Graz zurück, konnte aber zunächst seine Lebensgefährtin nicht finden; noch am 17. Juni 1945 ersuchte diese um Informationen über den Verbleib von Ferdinand Groß.1 Schließlich heirateten standesamtlich am 4. Juli 1946 Ferdinand Groß und seine langjährige Lebensgefährtin »Rosa« Rosalia Uttler. Von 1946 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1968 arbeitete er – zunächst als Dreher, dann als Lehrlingsausbildner – wieder bei den Puch-Werken. Noch im selben Jahr nahm er erste Kontakte zu den Anarchistinnen und Anarchisten in Graz und Umgebung auf, die er für eine Wiederaufnahme der anarchistischen Propaganda im Sinne Pierre Ramus' zu gewinnen versuchte. 1946 begann auch die lebenslange Freundschaft mit der Grazer Anarchistin Anna Knödl-Schwab (1898–1976). Die Konflikte zwischen der Grazer und der Wiener Gruppe des als »Bund Herrschaftsloser Sozialisten Österreichs (Anarcho-Syndikalisten)« wiederbegründeten BhS veranlassten ihn zu einem vorübergehenden Rückzug von der anarchistischen Bewegung.
1950 begann Ferdinand Groß, teils in einer privaten Grazer Gesangsschule, teils am Konservatorium der Stadt Graz, eine Ausbildung zum Tenor, wobei es ihm die Falsett-Technik ermöglichte, auch Sopran zu singen. Er war bis Ende der 1960er-Jahre Mitglied des Gemischten Chors des Grazer Opernhauses. Parallel dazu absolvierte er 1951 bis 1955 eine Ausbildung in Komposition am Grazer Konservatorium, wo er 1955 seine erste eigene Komposition vorlegte. Aus diesem Jahr stammt auch sein kompositorisches Hauptwerk »Ouvertüre zu dem Lustspiel ›Die Schröckensteiner‹«.2
Erst 1955 rückte sein politisches Engagement wieder in den Mittelpunkt seiner Aktivitäten. Damals nahm er ersten Kontakt zur Wiener Pazifistin und Publizistin Luise Eisenmenger-Micko (1897–1968) auf, von deren Zeitschrift »Antimilitarist« (Wien) er bis zu ihrer Einstellung im Jahr 1968 steiermarkweit hundert Exemplare je Nummer vertrieb. In dieser Zeitschrift veröffentlichte er im Jahr 1960 seinen ersten Artikel. »Antimilitarist« war ursprünglich das Organ der »Pazifistischen Union«, die aber bald in der »Sektion Österreich der Internationale der Kriegsdienstgegner« aufging, welcher Ferdinand Groß seit ihrer Gründung 1952 angehörte. Dies war seine einzige Vereinsmitgliedschaft außer der im »KZ-Verband« und der in der »Pierre Ramus Gesellschaft«, der er als Ehrenmitglied angehörte. 1959 begann er seine anarchistische Propaganda in den Puch-Werken (später Steyr-Daimler-Puch AG) öffentlich zu betreiben. Unter anderem kämpfte er gegen die sogenannte Einarbeitung und seit 1960 für eine Arbeitszeitverkürzung, nämlich für die 40-Stunden-Woche, die erst 1968 vom »Österreichischen Gewerkschaftsbund« ins Kampfprogramm genommen und 1975 schließlich Gesetz wurde.
1959 begann Ferdinand Groß seine verlegerische Tätigkeit: Von 1959 bis 1962 veröffentlichte er vier Hefte der Flugschriftenreihe »Informationen der unabhängigen, parteilosen Antimilitaristen und Pazifisten« (Wien [recte Graz] / Graz) und von 1964 bis 1968 sieben Hefte der Flugschriftenreihe »Informationen der herrschaftslosen Sozialisten und Antimilitaristen«. Diese Tätigkeit brachte ihm auch seine erste Verurteilung nach 1945 ein: Im April 1970 wurde er wegen unerlaubten Verteilens von Druckwerken zu einer Geldstrafe von 200 Schilling und den Verfahrenskosten von 300 Schilling verurteilt.
Hervorzuheben ist auch sein pazifistisches Engagement. So nahm er bereits am 21. April 1963 am ersten Ostermarsch in Österreich teil – und beteiligte sich daran auch regelmäßig in den Nachfolgejahren. Er engagierte sich 1970 für das Volksbegehren gegen das Bundesheer, welches der damalige Präsident der Österreichischen Journalistengewerkschaft Günther Nenning (1921–2006) und seine Zeitschrift »Neues Forum« (Wien) initiiert hatten, und nahm am 15. April 1970 an der Großdemonstration anlässlich des Internationalen Vietnam-Tages in Wien teil.
Daneben suchte Ferdinand Groß verstärkt Kontakte zu anarchistischen Bewegungen im Ausland. Wichtig war dabei seine Freundschaft mit dem deutschen Anarchisten Willy Huppertz (1904–1978) aus Mülheim an der Ruhr (Nordrhein-Westfalen), in dessen anarchistischer Zeitschrift »befreiung« (Mülheim an der Ruhr) er seit 1963 Beiträge veröffentlichte. Eine gewisse Offenheit gegenüber neuen anarchistischen Bewegungen brachte das Jahr 1968 für Ferdinand Groß. Gemeinsam mit dem in Graz lebenden bulgarischen Anarchisten Petko Petroff (1927–2011) und dem Wiener Anarchisten Johann Oskar Lahner alias JOL (1906–1994) nahm er als österreichischer Beobachter am Internationalen Anarchistenkongress teil, der vom 30. August bis 4. September 1968 in Carrara (Italien) stattfand. Dort erlebte er seine erste persönliche Konfrontation mit der damaligen Anarchobewegung. Nach einem ersten Schock führte sie jedoch bald zu seiner Aufgeschlossenheit für aktuelle anarchistische Bewegungen.
Im Jahr 1971 lernte Ferdinand Groß den jungen Grazer Anarchisten Reinhard Umek kennen, mit dem er von 1972 bis 1973 fünf Druckschriften verlegte, die allerdings nur an die österreichischen Abonnenten der in Graz von ihnen vertriebenen anarchistischen Zeitschrift »befreiung« (Köln) versandt wurden. 1973 kauften sie eine erste Druckmaschine, auf der noch im selben Jahr die einzige Nummer der Flugschriftenreihe »Informationen der herrschaftslosen Sozialisten – Anarchisten« im Offsetdruck gedruckt wurde, gefolgt von zwei Heften der »Informationen der herrschaftslosen Sozialisten und Antimilitaristen«. Im Oktober 1975 gaben sie die einzige Nummer der Zeitschrift »befreiung. anarchistische zeitung« (Köln [recte Graz]) heraus. Schließlich erschien im Februar 1976 die erste Nummer der von Ferdinand Groß und Reinhard Umek herausgegebenen anarchistischen Zeitschrift »Befreiung« (Graz). Der Titel sollte die Tradition kennzeichnen, in der das Organ gesehen wurde. Er sollte an die von Pierre Ramus 1918 bis 1933 herausgegebene Zeitung »Erkenntnis und Befreiung« (Wien) ebenso erinnern wie an die von Willy Huppertz initiierte und von 1948 bis 1970 erschienene Zeitung »befreiung« (Mühlheim an der Ruhr / Köln). Die Zeitschrift erschien durchgängig bis Dezember 1997 und erreichte 85 Nummern. Bereits die erste Nummer der Zeitschrift brachte Ferdinand Groß wegen des Wiederabdrucks des anarchistischen Klassikers »Die Gottes-Pest und die Religions-Seuche« von Johann Most (1846–1906) aus dem Jahr 1883 vor Gericht: Er wurde am 14. April 1976 wegen Herabwürdigung religiöser Lehren zu 3.000 Schilling zuzüglich der Verfahrenskosten von 200 Schilling verurteilt. Im Jahr 1982 musste er in einem gerichtlichen Vergleich wegen eines Artikels in der »Befreiung« Nummer 24, durch den sich ein Grazer Universitätsassistent verleumdet fühlte, 5.000 Schilling an den Kläger und 5.000 Schilling an dessen Rechtsanwalt zahlen. Nach dem Bruch mit Reinhard Umek gab Ferdinand Groß die Zeitung von 1981 bis 1984 gemeinsam mit Eberhardt Riedel heraus. Seit 1984 gab Ferdinand Groß seine Zeitung unter dem Titel »Befreiung. Organ des herrschaftslosen Sozialismus für soziale und geistige Neukultur im Sinne des Friedens, der Gewaltlosigkeit und individuellen Selbstbestimmung; für freie Menschen und solche, die es werden wollen« allein heraus. Er wurde dabei organisatorisch vom Grazer Anarchisten und Soziologen Reinhard Müller (geb. 1954) unterstützt, den er 1982 kennengelernt hatte.
Daneben entwickelte Ferdinand Groß unzählige Aktivitäten. Um 1975 begann sein Engagement gegen die »friedliche« Nutzung der Atomenergie, mit dem Höhepunkt der erfolgreichen Volksabstimmung vom November 1978 gegen die Inbetriebnahme des Atomkraftwerks in Zwentendorf an der Donau (Niederösterreich). Seit 1976 machte er sich für die neu gegründete »ARGE für Kriegsdienstverweigerung und Gewaltfreiheit« stark, deren Organ »friedolin. Zeitschrift für Kriegsdienstverweigerung und Gewaltfreiheit« (Graz) er von 1992 bis 1994 druckte. 1981 machte er sich für die »Initiative zur Abschaffung des Bundesheeres« stark, für die er auch eigene Flugblätter druckte und Unterschriften sammelte. In den Jahren 1984 bis 1986 engagierte er sich gegen den Ankauf von Abfangjägern vom Typ »Draken« für das österreichische Bundesheer mit den Höhepunkten des gesamtösterreichischen »Anti-Draken-Volksbegehrens« im Dezember 1985 und des steirischen »Anti-Draken-Volksbegehrens« im März 1986. 1987 nahm er auch an den Demonstrationen gegen die Stationierung der mittlerweile angekauften Abfangjäger vom Typ »Draken« in Graz-Thalerhof und im obersteirischen Zeltweg teil. Nachdem Kurt Waldheims (1918–2007) Vergangenheit während des Nationalsozialismus aufgedeckt worden war, trat Ferdinand Groß 1986 massiv gegen dessen Wahl zum Bundespräsidenten auf. Von 1990 bis 1991 engagierte er sich gegen Österreichs Beitritt zum »Europäischen Wirtschaftsraum« (EWR) beziehungsweise von 1991 bis 1995 gegen den zur »Europäischen Union« (EU). Daneben machte er sich in den Jahren 1991 und 1992 für die Abschaffung der Gewissensprüfung für Zivildiener stark.
Das letzte Lebensjahrzehnt von Ferdinand Groß war von für ihn wichtigen neuen Freundschaften geprägt. 1988 lernte er den Grazer Anarchisten, Soziologen und »friedolin«-Redakteur Paul Friedrich kennen. Sein unermüdlicher Kampf für die Lehren seines großen Vorbildes Pierre Ramus fand durch die im Jänner 1993 in Wien gegründete »Pierre Ramus Gesellschaft« öffentliche Anerkennung in der anarchistischen Bewegung in Österreich, die Ferdinand Groß zum Ehrenmitglied wählte. 1993 lernte er die in der Schweiz lebende Anarchistin und Psychologin Gerda Fellay (geb. 1945) kennen. Daraus resultierten jährliche, jeweils im Winter stattfindende Konzertauftritte von Ferdinand Groß im »Centre International de Recherches sur l’Anarchisme« (C. I. R. A.) in Lausanne (Kanton Waadt, Schweiz). Ein schwerer Schlag war der Tod seiner Lebens- und Kampfgefährtin Rosa Groß im Februar 1994, die an Multipler Sklerose erkrankt war und die er viele Jahre gepflegt hatte. In seinem politischen Engagement dadurch unerschüttert, nahm er im Oktober 1995 an der Demonstration gegen die Militärparade anlässlich des Nationalfeiertags in Wien und im Oktober 1996 an der Demonstration »Peace Parade« in Graz teil. 1997 machte er sich für das Volksbegehren gegen Gentechnik stark, vor allem aber für das Zustandekommen der sogenannten Wehrmachtsausstellung »Vernichtungskrieg, Verbrechen der Wehrmacht 1941–1944« in Graz, die dann vom 1. Dezember 1997 bis zum 11. Januar 1998 auch stattfand. Schließlich ging ein alter Wunschtraum von Ferdinand Groß in Erfüllung: Im März 1997 besuchte der 89-Jährige die um ein Jahr ältere Tochter von Pierre Ramus, Lilly E. Schorr (1907–2000), in Los Angeles (California, USA). Die Strapazen dieser Reise führten zu einem dreimaligen Krankenhausaufenthalt in Graz wegen seiner schon Jahrzehnte alten Herzkrankheit. Im Dezember 1997 erschien mit Nummer 85 die letzte von ihm herausgegebene Ausgabe seiner Zeitschrift »Befreiung«. Am 19. Dezember 1997 wurde Ferdinand Groß in das Landeskrankenhaus Graz eingeliefert, wo er am 12. Jänner 1998 an Herzversagen verstarb.
Publikationen
Bücher, Broschüren und Flugschriften
- Parlamentarismus oder freie Volksinitiative? Graz: Ferdinand Groß [1962] (= Informationen der unabhängigen, parteilosen Antimilitaristen und Pazifisten. [4].), unpaginiert [4 Seiten] und beigelegt: [Ferdinand Groß]: Stimmzettel. [Graz]: [Ferdinand Groß] [1962], unpaginiert [1 Seite]. Anonym erschienen.
- Was könnt Ihr tun? Wien [recte Graz]: »Der Antimilitarist«, Luise Eisenmenger-Micko [recte Ferdinand Groß 1963], unpaginiert [2 Seiten]. Anonym erschienen.
- Der Wahlbetrug! Staatsuntertanen oder freie Menschen? Graz: herrschaftslose Sozialisten und Antimilitaristen [recte Ferdinand Groß] [1964] (= Informationen der herrschaftslosen Sozialisten und Antimilitaristen. [4].), unpaginiert [2 Seiten]. Anonym erschienen.
- Gemeinderäte oder Gemeinschaftskraft! Graz: Ferdinand Groß [1965] (= Informationen der herrschaftslosen Sozialisten und Antimilitaristen. [5].), unpaginiert [2 Seiten]. Anonym erschienen.
- Betriebsräte oder Gemeinschaftskraft? Graz: Ferdinand Groß [1966] (= Informationen der herrschaftslosen Sozialisten und Antimilitaristen. [6].), 5 [6] S. Anonym erschienen.
- Bundespräsident Ja oder Nein? [Graz]: [Ferdinand Groß] [1966], unpaginiert [2 Seiten]. Anonym erschienen.
- Betriebsräte oder Gemeinschaftskraft? Graz: Ferdinand Groß [1968] (= Informationen der herrschaftslosen Sozialisten und Antimilitaristen. [7].), 2 S. Anonym erschienen.
- Kurzbiographie. [Graz]: [Ferdinand Groß] [1968], unpaginiert [2 Seiten]. Anonym erschienen. Betrifft Luise Eisenmenger-Micko (1897–1968).
- Totale Abrüstung. [Graz]: [Ferdinand Groß] [1971], unpaginiert [2 Seiten]. Anonym erschienen.
- Autoritäre Gewerkschaften oder anarchistische Bewegung. [Graz]: [Ferdinand Groß und Reinhard Umek] [1972], unpaginiert [2 Seiten]. Gemeinsam mit Reinhard Umek, anonym erschienen.
- Was ist menschlich-soziale Freiheit? [Graz]: [Ferdinand Groß und Reinhard Umek] [1972], unpaginiert [2 Seiten]. Gemeinsam mit Reinhard Umek, anonym erschienen.
- Gewählte Vertreter oder Selbstregsamkeit und Solidarität. [Graz]: [Ferdinand Groß und Reinhard Umek] [1972], unpaginiert [2 Seiten]. Anonym erschienen.
- Meidet den Stimmkasten! Graz: Ferdinand Groß [1973] (= Informationen der herrschaftslosen Sozialisten – Anarchisten. [1].), unpaginiert [2 Seiten]. Anonym erschienen.
- Rätesystem oder freie Gemeinschaft. [Graz]: [Ferdinand Groß und Reinhard Umek] 1973], unpaginiert [2 Seiten]. Gemeinsam mit Reinhard Umek, anonym erschienen.
- Jesus ist am Kreuz gestorben [–] seine Steuer und der Vatikan leben! Graz: Ferdinand Groß [1973] (= Informationen der herrschaftslosen Sozialisten und Antimilitaristen. [1].), unpaginiert [2 S.]. Gemeinsam mit Reinhard Umek, anonym erschienen.
- Laßt euch nicht für blöd verkaufen!!! 1. Mai unter die Ræder gekommen. 1. Mai Tag der Arbeiter und nicht der Bonzen!!! Graz: Ferdinand Groß [1973] (= Informationen der herrschaftslosen Sozialisten und Antimilitaristen. [2].), unpaginiert [1 Seite]. Gemeinsam mit Reinhard Umek, anonym erschienen.
- Sehr geehrter Herr. [Graz]: [Ferdinand Groß Oktober 1973], unpaginiert [1 Seite].
- Wahl-Betrachtung. Graz: Ferdinand Groß [1981], unpaginiert [1 Seite]. Anonym erschienen.
- Initiative zur Abschaffung des Bundesheeres [/] Wahl-Betrachtung. Graz: Ferdinand Groß [1981], unpaginiert [2 Seite]. Anonym erschienen.
- Das historisch-ideologische Profil Pierre Ramus (von Ferdinand Groß). Vorgetragen ins Italienische von Veronica Vaccaro (Rom). [Graz]: [Ferdinand Groß] [1992], 5 Bl.
- Aufruf zur Solidarität. [Graz]: [Ferdinand Groß] [1997], unpaginiert [1 Seite].
Herausgeber von Schriftenreihen
- Informationen der unabhängigen, parteilosen Antimilitaristen und Pazifisten. Wien [recte Graz] / Graz: Internationale der Kriegsdienstgegner, Sektion Österreich [recte Ferdinand Groß] / Ferdinand Groß 1959–1962, 4 Nummern:
1. [Luise Eisenmenger-Micko (1897–1968)]: Ist die SPÖ sozialistisch? Einst und jetzt – Theorie und Praxis. (»Nachdruck aus der Zeitung »Antimilitarist« Wien XII, Spittelbreitengasse 46 III/12, Ausgabe Nr. 5/56[«], Verantwortlich [!] im Sinne des Pressegesetzes Ferdinand Gross, Graz V, Bozenerstrasse 6/I.) Wien [recte Graz]: Internationale der Kriegsdienstgegner, Sektion Österreich [recte Ferdinand Groß] [1959] (= Informationen der unabhängigen, parteilosen Antimilitaristen und Pazifisten. [1].), unpaginiert [2 Seiten].
2. [Luise Eisenmenger-Micko (1897–1968)]: Bürokratie und Tyrannis. (»Nachdruck aus der Zeitung Antimilitarist Wien XII, Spittelbreitengasse 46 III/12, Ausgabe Nr. 21[«], Verantwortlich [!] im Sinne des Pressegesetzes Ferdinand Gross, Graz V, Bozenerstrasse 6/I.) Wien [recte Graz]: Internationale der Kriegsdienstgegner, Sektion Österreich [recte Ferdinand Groß] [1960] (= Informationen der unabhängigen, parteilosen Antimilitaristen und Pazifisten. [2].), unpaginiert [2 Seiten].
3. Ralph Basoli [recte Luise Eisenmenger-Micko (1897–1968)]: Souveräne Nationalstaaten oder Weltföderation? (»Nachdruck aus der Zeitung Antimilitarist« Wien XII, Spittelbreitengasse 46 III/12, Ausgabe Nr. 23, Verantwortlich [!] im Sinne des Pressegesetzes Ferdinand Gross, Graz V, Bozenerstrasse 6/I.) Wien [recte Graz]: Internationale der Kriegsdienstgegner, Sektion Österreich [recte Ferdinand Groß] [1961] (= Informationen der unabhängigen, parteilosen Antimilitaristen und Pazifisten. [3].), unpaginiert [2 Seiten].
4. [Ferdinand Groß (1908–1998)]: Parlamentarismus oder freie Volksinitiative? Graz: Ferdinand Groß [1962] (= Informationen der unabhängigen, parteilosen Antimilitaristen und Pazifisten. [4].), unpaginiert [4 Seiten] und beigelegt: [Ferdinand Groß]: Stimmzettel. [Graz]: [Ferdinand Groß] [1962], unpaginiert [1 Seite]. - Informationen der herrschaftslosen Sozialisten und Antimilitaristen. Graz: Ferdinand Groß 1964–1968, 7 Nummern:
1. Pierre Ramus [d. i. Rudolf Großmann (1882–1942)]: Der herrschaftslose Sozialismus als einziger Rettungsweg. (Aus dem sozialwissenschaftlichen Werk »Die Neuschöpfung der Gesellschaft durch den herrschaftslosen Sozialismus« von Pierre Ramus.) Graz: Ferdinand Groß [1964] (= Informationen der herrschaftslosen Sozialisten und Antimilitaristen. [1].), unpaginiert [4 Seiten].
2. Thirring-Plan oder Aufrüstung? Österreich – Modellstaat der Abrüstung! Graz: Ferdinand Groß [1964] (= Informationen der herrschaftslosen Sozialisten und Antimilitaristen. [2].), 7 [8] S.
3. Pierre Ramus [d. i. Rudolf Großmann (1882–1942)]: Sozialdemokratie (SP) und Marxismus. (Aus dem sozialwissenschaftlichen Werk »Die Irrlehre und Wissenschaftslosigkeit des Marxismus im Bereich des Sozialismus« von Pierre Ramus.) Graz: Ferdinand Groß [1964] (= Informationen der herrschaftslosen Sozialisten und Antimilitaristen. [3].), 6 S.
4. [Ferdinand Groß (1908–1998)]: Der Wahlbetrug! Staatsuntertanen oder freie Menschen? Graz: herrschaftslose Sozialisten und Antimilitaristen [recte Ferdinand Groß] [1964] (= Informationen der herrschaftslosen Sozialisten und Antimilitaristen. [4].), unpaginiert [2 Seiten].
5. [Ferdinand Groß (1908–1998)]: Gemeinderäte oder Gemeinschaftskraft! Graz: Ferdinand Groß [1965] (= Informationen der herrschaftslosen Sozialisten und Antimilitaristen. [5].), unpaginiert [2 Seiten].
6. [Ferdinand Groß (1908–1998)]: Betriebsräte oder Gemeinschaftskraft? Graz: Ferdinand Groß [1966] (= Informationen der herrschaftslosen Sozialisten und Antimilitaristen. [6].), 5 [6] S.
7. [Ferdinand Groß (1908–1998)]: Betriebsräte oder Gemeinschaftskraft? Graz: Ferdinand Groß [1968] (= Informationen der herrschaftslosen Sozialisten und Antimilitaristen. [7].), 2 S. - Informationen der herrschaftslosen Sozialisten – Anarchisten. Graz: Ferdinand Groß 1973, 1 Nummer:
1. [Ferdinand Groß (1908–1998)]: Meidet den Stimmkasten! Graz: Ferdinand Groß [1973] (= Informationen der herrschaftslosen Sozialisten – Anarchisten. [1].), unpaginiert [2 S.]. - Informationen der herrschaftslosen Sozialisten und Antimilitaristen. Graz: Ferdinand Groß und Reinhard Umek 1973, 2 Nummern:
1. [Ferdinand Groß (1908–1998) / Reinhard Umek]: Jesus ist am Kreuz gestorben [–] seine Steuer und der Vatikan leben! Graz: Ferdinand Groß [1973] (= Informationen der herrschaftslosen Sozialisten und Antimilitaristen. [1].), unpaginiert [2 S.].
2. [Ferdinand Groß (1908–1998) / Reinhard Umek]: Laßt euch nicht für blöd verkaufen!!! 1. Mai unter die Ræder gekommen. 1. Mai Tag der Arbeiter und nicht der Bonzen!!! Graz: Ferdinand Groß [1973] (= Informationen der herrschaftslosen Sozialisten und Antimilitaristen. [2].), unpaginiert [1 Seite].
Herausgeber von Zeitschriften
- befreiung. anarchistische zeitung (Köln [recte Graz]), 28. Jg. [1975], Sonder-Ausgabe.
- Befreiung (Graz), ab [1]. Jg., Nr. 5 [Dezember 1976], mit dem Untertitel: Freiheitlich-Sozialistisches Magazin, ab [2]. Jg., Nr. 7 [Juni 1977], ohne Untertitel, ab [9]. Jg. Nr. 36 [Dezember 1984], mit dem Untertitel: Organ des herrschaftslosen Sozialismus für soziale und geistige Neukultur im Sinne des Friedens, der Gewaltlosigkeit und individuellen Selbstbestimmung; für freie Menschen und solche, die es werden wollen; [1]. Jg. [1967/1977], Nr. 1 [Februar 1976], bis [22]. Jg. [1997], Nr. 85 [Dezember 1997] zusätzlich einer unnummerierten Sonderausgabe.
Kompositionen von Ferdinand Groß
(handschriftliche Partituren im Nachlass Ferdinand Groß)
- Ferd[inand] Groß / Joseph Grünvogel (1877–1963): Schlummerlied. Text: Joseph Grünvogel (aus »Ewig jung das Herz«), Satz: Ferd. Groß. [1955], 2 Bl.
- Ferd[inand] Groß: 3 Tänze für Streichquartett. 1955, 6 Bl.
- Ferd[inand] Groß: Ouvertüre zu dem Lustspiel »Die Schröckensteiner«. [1955], 149 Bl.
- [Ferdinand Groß]: Motto der Friedenssinger. [195?], 1 Bl. Wahlspruch für einen geplanten antimilitaristischen Männerchor. Text: »Alles was uns're Freiheit bedrängt, kämpfen wir bis zu unserm Sieg!«. Text und Komposition stammen von Ferdinand Groß.
- [Ferdinand Groß]: Lied der Anarchisten. [196?], 4 Bl. Wahlspruch für einen geplanten anarchistischen Männerchor, wobei nur der auf Blatt 1 festgehaltene erste Teil fertig ist. Text: (Blatt 1) »Anarchie, ist uns're Zukunft, Anarchie, erstreben wir, statt des Tyrannen Geist's der uns bedrückt, ist Völkerfreiheit unser Ziel!« (Blatt 2) »Seid stark, seid stark, bleibt nicht auf halbem Wege steh'n! Dies sei der Zuruf u. der Willkommgruß für Euch, Ihr Pioniere einer besseren Welt. Jetzt heißt es« (Blatt 3) »meiden wäre« (Blatt 4) »nicht um Phrasen: wie der Krieg in Zukunft zu vermeiden wäre. Nein, – klipp u. klar soll's«. Text und Komposition stammen von Ferdinand Groß.
- [Ferdinand Groß] / Danton [d. i. Robert Bodanzky (1879–1923)]: Anarchisten-Lied. [196?], 1 Bl. Komposition von Ferdinand Groß, der von ihm bearbeitete Text von Robert Bodanzky: »Anarchie, ist unsre Zukunft, Anarchie, erstreben wir, statt des Tyrannen Geist's der uns bedrückt, ist Völkerfreiheit unser Ziel: Pioniere sind wir für eine neue, bessere Welt. Drum heißt's jetzt ganze Arbeit tun, jetzt geht es nicht mehr um Phrasen, wie der Krieg in Zukunft zu verhindern wäre«.
- [Ferdinand Groß]: Sinnspruch der Antimilitarist/inn/en u[nd] Pazifist/inn/en. [196?], 10 Bl. Notenheft mit einem nicht vertonten Text »Glaube« und einem als Wahlspruch für einen geplanten antimilitaristisachen Gemischten Chor: »Frei von allen Dogmen, frei von allem Wahn, frei von allen Waffen, sei unsre Lebensbahn. Nur mit der Geistesvernunft, gegen jede Tyrannei, erstreben mit den Völkerfrieden wir eine bessre Welt herbei. Frei von allen Dogmen, frei von allem Wahn, frei von allen Waffen, sei unsre Lebensbahn.«. Text und Komposition stammen von Ferdinand Groß.
Mitarbeiter*innen an Periodika
- Antimilitarist (Wien) 1960 bis 1966
- befreiung (Mühlheim an der Ruhr) 1963 bis 1973
- befreiung. anarchistische zeitung (Graz) [1975]
- Befreiung (Graz) 1976 bis 1997
Kategorien
Adresse(n)
- Wien 6., Marchettigasse 6 (Geburtsadresse; Wohnadresse bis 1910)
- Graz, Steiermark, Pestalozzistraße 77 (Wohnadresse 1910 bis 1911)
- Graz, Steiermark, Rankengasse 37 (Wohnadresse 1911)
- Graz, Steiermark, Herrgottwiesgasse 9 (Wohnadresse 1915 bis 1926)
- Graz, Steiermark, Heimweg 35 (Wohnadresse 1945 bis 1946)
- Graz, Steiermark, Bozener Straße 6, 1. Stock (Wohnadresse 1946 bis 1998)
- Graz, Steiermark, Landeskrankenhaus, Auenbruggerplatz 1 (Sterbeadresse)
Karte
Autor / Version / Copyleft
Autor: Reinhard Müller
Version: Juni 2026
Anarchistische Bibliothek | Archiv | Institut für Anarchismusforschung | Wien
Copyleft