Ferdinand Piantschitsch (1862–1932)
Persönliche Daten
Familienverhältnisse
Vater: Michael Piantschitsch: Meier (Verwalter eines landwirtschaftlichen Gutes); Heirat mit:
Mutter: Elisabeth Piantschitsch, geborene Schneck: Hausfrau
Schwester: Johanna Piantschitsch (Platsch, Steiermark [Plač, zur Občina Kungota, Slowenien] 6. Mai 1862 – ?)
Ehe: in Graz (Steiermark) am 1. Februar 1891 mit Anna Auer (Kroisbach [zu Graz], Steiermark 3. Dezember 1870 – Graz, Steiermark 11. Mai 1930), Tochter einer Hausfrau und eines Fabrikarbeiters: Dienstmagd, dann Wäscherin, dann Arbeiterin in einer Schuhfabrik
Sohn: Ferdinand Auer, mit 1. Februar 1891 legitimierter Ferdinand Piantschitsch (Graz, Steiermark 11. Oktober 1889 – ?), römisch-katholisch, dann evangelisch (A. B.): Friseur und sozialdemokratischer Gewerkschaftssekretär
Tochter: Maria Anna Auer, mit 1. Februar 1891 legitimierte Maria Anna Piantschitsch (Graz, Steiermark 9. November 1890 – ?)
Biographie
Ferdinand Piantschitsch, Sohn einer Hausfrau und eines Meiers, absolvierte eine Steinmetzlehre. Ar fand schließlich Arbeit als Steinmetzgehilfe in Graz (Steiermark), wo er sich den Unabhängigen Socialisten anschloss. Nachdem diese anarchistische Bewegung durch behördliche Verfolgung weitgehend zerschlagen worden war, organisierte sich in Graz und Umgebung eine kleine Gruppe großteils ehemaliger Unabhängiger Socialisten als Freie Socialisten. Diese orientierte sich zunächst vor allem an jenem Anarchismus, wie er in der Zeitung »Neues Leben. Anarchistisch-sozialistische Wochenschrift« (Berlin) propagiert wurde. Doch schon bald konnte Piantschitsch, der sich den Freien Socialisten anschloss, in seinem Beruf keine Arbeit mehr finden und arbeitete seit 1896 als provisorischer Diener am Hygienischen Institut der Universiät Graz.
1898 übersiedelte Ferdinand Piantschitsch mit seiner Familie nach Sendling [zu München] (Bayern), wo er in einer Maschinenfabrik Arbeit fand. Hier wurde er zum Bezirksführer des »Metallarbeiterverbandes Sendling« gewählt. Als exponierter Agitator wurde er einige Wochen in Untersuchugshaft genommen, während seine Frau in einer Schuhfabrik in München (Bayern) arbeitete. Nach seiner Freilassung wurde er mit 25. April 1900 aus Bayern ausgewiesen und begab sich nach Eßlingen (Württemberg [Rheinland-Pfalz]), wo er wieder in einer Maschinenfabrik Arbeit fand. Doch auch hier wurde er verhaftet und nach zwei Wochen mit 5. September 1900 aus Württemberg ausgwiesen. Am 21. Mai 1900 wurde auch ein Steckbrief veröffentlicht: »40. Piantschitsch, Ferdinand, Fabrikarbeiter, Anarchist, geb. 6. 5. 1862 zu Platsch, Bezirks-Hauptmannschaft Marburg in Steiermark, Oesterreicher, heimathsberechtigt in Platsch, zuletzt in München wohnhaft, ist zufolge Entschließung des Königl. bayerischen Staats-Ministeriums des Innern vom 26. v. Mts. das bayerische Staatsgebiet in Richtung nach Württemberg verlassen. Beschr. Größe: 1,65 m, Gestalt: gedrungen, Haare: schwarz, gelockt, in der Mitte gescheitelt, Bart: schwarzer buschiger Schnurrbart, Augenbauern: dicht und schwarz, Gesichtsbildung: rund, Gesichtsfarbe: dunkel, Augen: schwarz, Stirn: hoch, Nase: lang, gebogen, Mund: zusammengekniffen, Kinn: rund mit Grübchen, Sprache: sog. Slawakendeutsch. Kennz. Adlerdase; stechender Blick; ausgeprägter Südländertypus; der mittlere obere Schneidezahn fehlt. 1774. P. J. I. 00. Berlin, 21. Mai 00. Der Polizei-Präsident.«1
Ferdinand Piantschitsch wurde in seine Heimatgemeinde Platsch (Steiermark [Plač, zur Občina Kungota, Slowenien]) abgeschoben. Er wurde allerdings bereits in Marburg an der Drau (Steiermark [Maribor, Slowenien]) neuerlich verhaftet und konnte erst nach einigen Tagen nach Graz reisen. Hier wurde er jedoch wegen Aufreizung zum Bürgerkrieg, wegen Majestätsbeleidigung, nächtlicher Ruhestörung und Wachebeleidigung für sechs Wochen in Untersuchungshaft genommen. Im September 1900 fand vor dem Landesgericht Graz der Prozess statt, er wurde zwar freigesprochen, jedoch aus Graz abgeschafft.
Anschließend begab sich Ferdinand Piantschitsch 1900 nach Klagenfurt am Wörthersee / Celovec ob Vrbskem jezeru (Kärnten), wo er neuerlich nach Marburg an der Drau abgeschafft wurde. Hier ließ er sich im Stadtviertel Brunndorf bei Marburg (Steiermark [Studenci pri Mariboru, zu Maribor, Slowenien]) nieder und arbeitete als Hilfsarbeiter beim Gasometer. Er gründete hier 1906 den »Verein der freien Sozialisten«, unterhielt aber auch Kontakt zu den Deutsch-Nationalen. So wurde er 1906 Zahlmeister der Ortsgruppe Brunndorf des deutschnationalen »Deutschen Schulvereins« und setzte sich 1908 für den Erhalt der Volksschule Brunndorf ein. Zuletzt arbeitete er als Bohrer bei der Südbahn. Als er in Brunndorf, das mittlerweile zum Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen [zu Slowenien] gehörte, auf der Straße einem Bekannten den deutschen Gruß »Heil« zurief, wurde er im Juni 1919 verhaftet und zu fünf Tagen Arrest verurteilt und aus dem Königreich ausgewiesen.
Noch im Juni 1919 kehrte Ferdinand Piantschitsch nach Graz zurück, wo er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1924 wieder bei den Bundesbahnen arbeitete. In Graz schloss er sich dem »Bund herrschaftsloser Sozialisten« an, bei dem er bis zu seinem Tod aktiv war.
Mitarbeiter*innen an Periodika
Nachruf
- F. P. (Graz): Dem Andenken eines Freiheitskämpfers, in: Erkenntnis und Befreiung (Wien – Graz – Ludwigshafen), 14. Jg., Nr. 17 (24. April 1932), S. 4, und 14. Jg., Nr. 18 (24. April 1932), S. 4.
Kategorien
Adresse(n)
Platsch, Steiermark [Plač, zur Občina Kungota, Slowenien], Platsch 19 (Geburtsadresse)
Gösting [zu Graz], Steiermark, Augasse 167 (Wohnadresse 1891)
Graz, Steiermark, Eisengasse 13 (Wohnadresse 1930 bis 1932)
Graz, Steiermark, Landeskrankenhaus, Auenbruggerplatz 1 (Sterbeadresse)
Karte
Autor / Version / Copyleft
Autor: Reinhard Müller
Version: Juli 2026
Anarchistische Bibliothek | Archiv | Institut für Anarchismusforschung | Wien
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[Anonym]: 40. Piantschitsch, Ferdinand, in: Deutsches Fahndungsblatt (Berlin), 2. Jg., Stück 349 (25. Mai 1900), S. 738.