Erna Jüllig-Broda (1893–1962)

Persönliche Daten
Namensvarianten
d. i. bis 19. Dezember 1894 Ernestine Anna Caroline Marianne Jülig
seit 19. Dezember 1894 Ernestine Anna Caroline Marianne Jüllig
Geburtsdatum
2. September 1893
Geburtsort
Sterbedatum
3. August 1962
Sterbeort
Religionsbekenntnis
römisch-katholisch

Vater: Franz Maximilian Robert Jüllig; d. i. bis 19. Dezember 1894 Franz Maximilian Robert Jülig (Wien 25. Mai 1854 – Wien 26. Mai 1932), Sohn einer Hausfrau und des Musikers und Komponisten Franz Karl Jülig (Ettlingen, Baden [Baden-Württemberg] 28. Februar 1813 – Wien 27. Mai 1887): Ingenieur und Privatdozent am k. k. Polytechnikum, später Ministerialrat; Heirat in Wien am 3. Mai 1885 mit:
Mutter: Martha Maria Rosina Johanna Ernestina Jüllig, geborene Scheimpflug; d. i. vom 3. Mai 1885 bis 19. Dezember 1894: Martha Maria Rosina Johanna Ernestina Jülig (Wien 18. Mai 1860 – Wien 22. August 1960), Tochter einer Hausfrau und eines Bankdirektors: Hausfrau
SchwesterGrete Broda-Jüllig, geborene Martha Ernestine Camilla Margaretha Jüllig; d. i. bis 19. Dezember 1894 Martha Ernestine Camilla Margaretha Jülig; verheiratete Broda (Wien 11. September 1887 – Åtvidaberg, Schweden 11. Mai 1962): Malerin, Grafikerin und Schriftstellerin; emigrierte nach Schweden; Heirat in Wien am 26. Dezember 1907 mit Rudolf Broda; später: Rodolphe Broda (1880–1932): siehe unten unter: Ehe
Bruder: Karl Hans Jüllig, d. i. bis 19. Dezember 1894 Carl Franz Josef Alfred Johann Jülig (Wien 17. Dezember 1888 – Wien 26. April 1975): Violinist, Komponist, Sänger, Musikpädagoge, Rezitator und Schriftsteller; zeitweilig in der anarchistischen Bewegung aktiv
Bruder: Werner Max Josef Jüllig (Wien 28. Dezember 1900 – Åtvidaberg, Schweden nach 10. September 1967): Dipl.-Ing., Komponist; flüchtete nach Schweden
Ehe: in Boston (Massachusetts, USA) am 27. Oktober 1926 mit dem von ihrer Schwester Grete Broda-Jüllig (1887–1962) geschiedenen Ehemann Rudolf Johann Broda; später: Rodolphe Broda (Weikersdorf [zu Baden], Niederösterreich 31. August 1880 – Yellow Springs, Ohio, USA 10. Mai 1932), Sohn einer Hausfrau und eines Fabrik- und Güterdirektors: Hochschullehrer, Soziologe, Schriftsteller, Publizist, Übersetzer und pazifistischer Aktivist
Kinder: keine

Biographie

Erna Jüllig-Broda, Tochter einer Hausfrau und eines Ingenieurs und Privatdozenten am k. k. Polytechnikum, wuchs in einer kunstinteressierten, gutbürgerlichen Familie in Wien auf. Sie trat bereits 1910 dem »Neuen Wiener Frauenklub« bei. Für sie prägend wurde aber ihre Tätigkeit während des Ersten Weltkriegs beim »Österreichischen Roten Kreuz«, bei dem sie bereits seit mindestens seit 1913 aktiv war. Sie studierte seit 1918 Wirtschafts-, Politik-, Rechts- und Sozialwissenschaften an den Universitäten Wien und Tübingen (Württemberg [Baden-Württemberg]) sowie am Radcliffe College in Cambridge (USA). 1922 wurde sie an der Universität Wien zum Dr. phil. (Philosophie) promoviert. Daneben nahm sie auch Klavierunterricht und begleitete ihren Bruder Karl Hans Jüllig (1888–1975) am 23. Februar 1919 auf dem Klavier bei der Gründungsfeier des »Verbandes der jugendlichen Arbeiter«, Bezirksgruppe Mariahilf.

1921 veranlasste Erna Jüllig-Broda ihren damaligen Schwager Rudolf Broda (1880–1932) zur Gründung des »International Union for Voluntary Disarmament on a Reciprocity Basis« (Internationaler Verband für Selbstabrüstung auf Basis der Gegenseitigkeit) mit Sitz in Wien und wirkte an den Vorarbeiten zur Gründung derselben mit. Bei der großen Antikriegsdemonstration, die am 30. Juli 1922 in Wien stattfand, trat sie auch als Rednerin auf, ebenso auf dem 22. Weltfriedenskongress in London (England) im Juli und August 1922. Erst am 1. Jänner 1923 wurde der »International Union for Voluntary Disarmament on a Reciprocity Basis« in Wien offiziell gegründet, wobwei Erna Jüllig-Broda mit der Leitung des Sekretariats beaufragt wurde. Damals war sie auch beim »Bund herrschaftsloser Sozialisten« aktiv und publizierte in dessen Zeitung»Erkenntnis und Befreiung« (Wien – Graz).1

1923 folgte Erna Jüllig-Broda ihrem Schwager Rudolf Broda in die USA, wo sie das US-Sekretariat der »International Union for Voluntary Disarmament on a Reciprocity Basis« leitete und ihre Studien an die Harvard University in Cambridge (Massachusetts, USA) fortsetzte. Seit 1924 unterhielt sie auch enge Kontakte zur »Women’s International League for Peace and Freedom« (Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit). Nach dessen Scheidung von Ernas Schwester Grete Broda-Jüllig (1887–1962) im Jahr 1925 heiratete Erna Jüllig in Boston (Massachusetts, USA) am 27. Oktober 1926 Rudolf Broda. Von 1927 bis 1942 unterrichtete Erna Jüllig-Broda am Antioch College in Yellow Springs (Ohio, USA): 1927 bis 1931 Instructor for German and Music, 1931 bis 1942 Assistant Professor for German. Hier leitete sie auch das College-Orchester. Ihre Lehrtätigkeit unterbrach sie nach dem Tod ihres Ehemannes für zwei Jahre. Sie beschäftigte sich mit den politischen Entwicklungen in Europa und dem aufkommenden Nationalsozialismus in Österreich. Die Ergebnisse ihrer Forschungen, die sie teilweise im Auftrag des »Völkerbundes / Société des Nations / League of Nations« durchführte, präsentierte sie in zahlreichen Vorträgen.

Anfang der 1950er-Jahre kehrte Erna Jüllig-Broda, seit 1940 US-amerikanische Staatsbürgerin, nach Wien zurück.

Bücher und Broschüren

  1. Die Entwicklung der Staatstheorien im 17. und 18. Jahrhundert. Wien 1922, Maschinschrift. Philosophische Dissertation an der Univerität Wien.
Karte
  • 1

    Vgl. Erna Jüllig: Was bezweckt die internationale Selbstabrüstung?, in: Erkenntnis und Befreiung (Wien – Graz), 6. Jg., Nr. 17 (27. April 1924), S. 2–3.