Franz Sekanek (1871–1947)
Persönliche Daten
Familienverhältnisse
Vater: Jakub Sekánek: Heirat mit:
Mutter: Apolonia Sekánek, geborene Mung
Ehe: mit Maria Anna Viktoria Kappe (1881 – ?)
Sohn: Rudolf Franz Sekanek (Graz, Steiermark 30. April 1906 – Höf-Präbach [zu Eggersdorf bei Graz], Steiermark 19. Februar 1997)
Tochter: Theofila Maria Sekanek (Graz, Steiermark 28. Juli 1908 – Graz, Steiermark 7. Jänner 1910): verstorben an einer Hirnhautentzündung
Sohn: Gottfried Josef Sekanek (Graz, Steiermark 1. März 1910 – St. Peter bei Graz [zu Graz], Steiermark 26. Juli 1934): Ökkonom; Nationalsozialist, beim Putsch der Nationalsozialisten im Wald bei der Petersbergenstraße durch einen Herz- und Lungedurchschuss getötet
Tochter: Thea Maria Sekanek, verheiratete Hanisch (Graz, Steiermark 3. Februar 1911 – Eggersdorf bei Graz, Steiermark 27. September 2007)
Biographie
Als Franz Sekanek um 1900 nach Graz (Steiermark) kam, stieß er hier zur anarchistischen Bewegung. Wie sein enger Freund, der Maurergehilfe und Zeitungsherausgeber Franz Prisching (1864–1919), vertrat er einen lebensreformerischen, pazifistischen und christlichen Anarchismus im Sinne von Lew Nikolajewitsch Tolstoi (1828–1910). Ab 1906 bemühte er sich um die Gründung einer »Tolstoigemeinde in Graz«. Zunächst gründete er um 1904 eine vegetarische Speise-Anstalt in Graz, Schleusenweg 4. Ab 1904 war er außerdem Pächter und ab 1906 Besitzer der Naturheilanstalt für Sonnenlicht-, Luft-, Wasser- und Diätkuren »Bad Gesundbrunn« in Graz, Wiener Straße 182. Obwohl, oder gerade weil er die Anlage 1910 um ein neuerrichtetes Pensionsgebäude erweiterte, machte er Pleite und die Naturheilanstalt wurde 1912 zwangsversteigert. Seit Jänner 1913 versuchte Franz Sekanek, das diätetische und vegetarische Pensions- und Erholungsheim »Hofjägergut« in Semriach (Steiermark), Windhof 70, zu einer Tolstoi-Kolonie zu gestalten, doch scheiterte das Projekt bereits im Oktober desselben Jahres. 1917 wollte er einen »Verein Gesunde Menschen« gründen und rief zeitgleich in St. Peter bei Graz [zu Graz] den »Tolstoibund zur Gründung einer Kolonie« ins Leben. Der Verein ermöglichte ihm die Gründung des vegetarischen Erholungsheims »Pension ›Sonnland‹« in Attendorfberg 60 [zu Hitzendorf] (Steiermark), dem 1926 die Kolonie »Tolstoi-Siedlungsgemeinde ›Neue Erde‹« angeschlossen wurde. Wesentliche Unterstützung erfuhr er dabei durch den damals in Wien lebenden Architekten Francis Skillman Onderdonk (1893–1955), ein engagierter Tolstoi-Anhaänger. In Finanznot geraten, musste Franz Sekanek 1930 diese Tolstoi-Siedlung verkaufen, kehrte zunächst nach Graz zurück, zog aber kurz darauf nach Wien, wo er als Masseur arbeitete. Von hier aus engagierte er sich auch beim Siedlungsprojekt »Freie Friedland Siedlungen« in Unterwald [zu Ligist] (Steiermark), in das er seine »Freie Friedlandssiedlung« als urchristliche Siedlungsgemeinschaft »Bergpredigt« einzubringen suchte. Während des Zweiten Weltkriegs kehrte Franz Sekanek nach Graz zurück. Noch ein Jahr vor seinem Tod, im Oktober 1946, rief er zur Bildung von »Siedlungsgemeinschaften auf der Grundlage der Tatchristen im Sinne Leo Tolstois« auf.1
Publikationen
Bücher, Broschüren und Flugblätter
- Gesinnung bewahrt haben und nicht mehr diesem realistischen Zeitalter huldigen. Graz: Verlag: Franz Sekanek [1905], 8 [6] S. Anonym erschienen. Enthält auch das Gedicht von Jos[ef] Günzl: Viribus unitis!, S. 5–6.
- Wo verbringe ich heuer meinen Urlaub? Im Sonnenland! [Attendorfberg bei Toblbad]: [Franz Sekanek] [1928], unpaginiert (4 S.). Anonym erschienen. Mit zwei Fotos versehener Prospekt für Franz Sekaneks »Pension Sonnenland, vegetarisches Erholungsheim« in Attendorfberg [zu Hitzendorf] (Steiermark).
- Die Bergpredigt. Wien: Franz Sekanek [1936?], 3 [3] S., Hektografie. Anonym erschienen.
- »Freie Friedlandssiedlung«. Urchristliche Siedlungsgemeinschaft »Bergpredigt« in Steiermark. Wien: Franz Sekanek [1936?], 4 [4] S., Hektografie. Anonym erschienen. Schrift über das Siedlungsprojekt »Freie Friedland Siedlungen« in Unterwald [zu Ligist] (Steiermark), an dem auch Anarchistinnen und Anarchisten teilnahmen.
Mitarbeiter*innen an Periodika
- Wohlstand für Alle (Wien) 1913
Kategorien
Adresse(n)
- Bisenz, Mähren [Bzenec, Tschechien], Bisenz 149 (Geburtsadresse)
- Graz, Steiermark, Schleusenweg 4 (Wohnadresse 1904)
- Graz, Steiermark, Wiener Straße 182 (Wohnadresse 1906 bis 1910)
- Semriach, Steiermark, Windhof 70 (Wohnadresse 1913)
- St. Peter bei Graz [zu Graz], Steiermark, St. Peter bei Graz 150 (Wohnadresse 1917)
- Attendorfberg [zu Hitzendorf], Steiermark, Attendorfberg 60 (Wohnadresse 192? bis 1930)
- St. Peter bei Graz [zu Graz], Steiermark, Gartenstadt 14 [Gartenstadtstraße] (Wohnadresse 1930)
- Graz, Steiermark, Hofstatt 8 (Wohnadresse 1943 bis 1947)
Karte
Autor / Version / Copyleft
Autor: Reinhard Müller
Version: Juni 2026
Anarchistische Bibliothek | Archiv | Institut für Anarchismusforschung | Wien
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- 1
Vgl. Franz Sekanek: Das Ende eines Zeitalters, in: Neue Zeit. Organ der Sozialistischen Partei Steiermarks (Graz), 2. Jg., Nr. 234 (13. Oktober 1946), S. 7.