Maria Schwarzbeck (1905–1941)
Persönliche Daten
Familienverhältnisse
Vater: Andreas Wolf (Tobis [zu Preding], Steiermark 10. September 1856 – ?): Taglöhner; Heirat in Graz (Steiermark) am 4. Oktober 1896 mit:
Mutter: Carolina Wolf, geborene Verderber (Sankt Nikolai im Sausal, Steiermark 24. Juni 1869 – Graz, Steiermark 23. März 1931): Näherin, dann Bedienerin
Ehe: in Graz (Steiermark) 1928 mit Hubert Matthäus Schwarzbeck (Marburg an der Drau, Steiermark [Maribor, Slowenien] 7. Oktober 1906 – Graz, Steiermark 21. November 1989): Ingenieur, zuletzt Betriebsleiter am Landeskrankenhaus Graz; Anarchist
Kinder: keine
Biographie
Maria Schwarzbeck, Tochter einer Näherin und eines Taglöhners, kam im Gebärhaus Graz (Steiermark), Paulustorgasse 15, zur Welt. Sie besuchte die Volksschule und zwei Klassen Bürgerschule in Graz und wurde danach zur Schneidergehilfin ausgebildet. Mitte der 1920er-Jahre schloss sie sich dem anarchistischen »Bund herrschaftsloser Sozialisten« an, der sich in Graz formal in dem 1893 gegründeten »Arbeiter-Bildungs- und Unterstützungs-Verein« organisierte. Hier lernte sie auch den Technikstudenten Hubert Schwarzbeck (1906–1989) kennen, den sie 1928 heiratete. Dieser Sohn einer Landarbeiterin und eines Zollamtsoffizials gehörte zu den rührigsten Grazer Anarchisten und war auch im Umfeld der 1927 erschienenen kirchengegnerischen Zeitschrift »Freie Denker. Organ der freigeistigen Bewegung« (Graz) tätig. Vor allem aber gehörten Maria und Hubert Schwarzbeck zu den treibenden Kräften bei der Vasektomie, also der rückoperierbaren Sterilisation von Männern. Nachdem Universitätsprofessor Hermann Schmerz (1881–1941), der als Erster derartige Vasektomien in Graz durchgeführt hatte, am 28. Oktober 1929 wegen Übertretung gegen die körperliche Sicherheit verurteilt worden war, setzten Anarchistinnen und Anarchisten des »Bundes herrschaftsloser Sozialisten« die operativen Eingriffe in Privatwohnungen fort. Das unter dem Decknamen »Schachklub Graz« laufende Unternehmen flog jedoch nach knapp drei Jahren auf. Am 28. August 1932 hob die Polizei eine derartige »Sterilisationsklinik« in Graz, Griesplatz 23, aus und verhaftete unter anderem die dort als Assistentin anwesende Maria Schwarzbeck. In den folgenden Wochen wurden nicht nur im organisatorischen Zentrum der Vasektomien, in Graz, derartige Geheimkliniken ausgehoben, sondern auch in Wien, Wiener Neustadt (Niederösterreich) und Linz an der Donau (Oberösterreich). Vom 6. bis 30. Juni 1933 fand vor dem Landesgericht Graz der so genannte Sterilisationsprozess gegen einundzwanzig Angeklagte statt, wobei die als Hauptorganisatoren vermuteten Hubert Schwarzbeck und der Malergehilfe Johann Vorhauser (1902–1976) nicht angeklagt werden konnten, da sie flüchtig waren. Der Prozess, in dem Maria Schwarzbeck der schweren Körperverletzung angeklagt wurde, endete am 4. Juli 1933 mit einem Freispruch für alle Angeklagten, doch meldete der Staatsanwalt Nichtigkeitsbeschwerde an. Im Revisionsverfahren vor dem Obersten Gerichtshof in Wien, das am 7. und 8.Mai 1934 stattfand, wurden alle Angeklagten zu Haftstrafen verurteilt. Maria Schwarzbeck erhielt als sogenannte Operationsschwester wegen Beihilfe acht Monate schweren, verschärften Kerker. Ihr Mann, Hubert Schwarzbeck, war bereits im August nach Spanien geflüchtet, wo er als Techniker arbeitete und während des so genannten Spanischen Bürgerkriegs als Major in der Republikanischen Armee kämpfte. Maria Schwarzbeck blieb nach Verbüßung der Haftstrafe in Graz und wurde am 13. Jänner 1939 von den nationalsozialistischen Behörden in die Landes-Heil- und Pflegeanstalt für Geisteskranke Feldhof (heute Landeskrankenhaus Graz II) in Graz, Feldhofstraße 1 [Wagner-Jauregg-Platz 1], eingeliefert, wo sie unter ungeklärten Umständen verstarb.
Kategorien
Adresse(n)
- Graz, Steiermark, Paulustorgasse 15 (Geburtsadresse)
- Graz, Steiermark, Landes-Heil- und Pflegeanstalt für Geisteskranke Feldhof, Feldhofstraße 1 [ Landeskrankenhaus Graz II, Wagner-Jauregg-Platz 1] (Sterbeadresse)
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Autor: Reinhard Müller
Version: März 2026
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