Johann Magerer (1877–1942)

Persönliche Daten
Namensvarianten
das ist Johann Baptist Michael Magerer
Geburtsdatum
1877
Sterbedatum
8. September 1942
Religionsbekenntnis
israelitisch, dann konfessionslos

Ehe: in Wien am 26. Juni 1908 nach israelitischem Kultus mit Theresia Marie Uhliř (Fünfhaus, Niederösterreich [zu Wien 15.] 24. September 1881 – Wien, Reichsgau Wien, Deutsches Reich [Wien, Österreich] 31. März 1943): Kontoristin

Biographie

Der Kunstmaler Johann Magerer wurde bereits 1907 Mitglied der Gruppe »Wohlstand für Alle« sowie Mitkämpfer znd enger Freund von Rudolf Großmann alias Pierre Ramus (1882–1942). Hier lernte sie auch die Kontoristin Theresia Marie Uhliř (1881–1943), kennen, die er im Juni 1908 heiratete. Beide gehörten auch zu den Initiatoren des am 27. September 1913 gegründeten »Literarischen Vereins ›Tolstoi‹«, bei dem Johann Magerer bis zu dessen Auflösung 1915 Obmann-Stellvertreter wurde.

Als Kaiser Franz Joseph I. (1830–1916) den Ersten Weltkrieg begann, kam es zu einem auch für das Ehepaar Magerer folgenreichen Ereignis. Darüber berichtete Pierre Ramus in seinem semi-dokumentarischen Roman: »Am 29. Juli waren in ganz Wien Mobilisierungskundmachungen des Kaisers angeschlagen. […] Vor einem dieser Kriegsplakate standen auch Johann Magerer und seine Frau. Angsterfüllt waren sie heruntergeeilt aus ihrer bescheidenen Künstlerwohnung im dritten Stockwerk eines Ottakringer Hauses.1 […]. Bebend vor innerer Erregung standen er und sein Weib vor dem Mobilisierungsplakat des Kaisers. Schreckliches war Wahrheit geworden: die Kriegsfurie wear entfesselt… und er sollte morden, um gemordet zu werden… […]. Magerer stand noch unter dem Eindruck des falschen Glaubens, der allgemeinen trügerischen Annahme. Wilder Zorn über die serbischen Attentäter erfaßte ihn, und halblaut entrang es sich, zu seiner Frau gewandt, seinem Munde: ›Wegen dieser Mörder, Verbrecher, Trottel und Idioten muß so etwas herauskommen…‹ Hinter ihm stand eine abgehärmte Zeitungsausträgerin. Sie hatte die halblauten Worte des Malers gehört. […]. ›Was ham’s g’sagt?‹ schreit da plötzlich die Zeitungsausträgerin auf Magerer ein, ihn scheinbar fragend, in Wirklichkeit bemüht, die Aufmerksamkeit mehrerer Vorübergehender und Stehenbleibender auf sich zu lenken. […]. Schon hatte sich eine Menge um ihn geschart und schickte sich an, auf ihn einzudringen. Magerer nahm den Arm seiner Frau, schritt hastig seines Weges mit ihr. Da tauchte hinter ihnen ein Wachmann auf. Dieser lief Magerer nach und erklärte ihn für verhaftet.«2 Johann Magerer wurde zunächst ins k. k. Landesgericht eingeliefert, da man diese Äußerung als gegen den Kaiser gerichtet interpretierte. Bald darauf wurde er dem Militärgerichtshof des k. k. Landwehrdivisionsgerichts in Wien VIII. überstellt, welches ihn nach genau zwei Monaten Haft wegen öffentlicher Störung der Ordnung und Ruhe zu zwei Jahren schwerem Kerker verurteilte, verschärft durch einen Fasttag und Dunkelhaft wöchentlich. »Er war das erste Opfer der Militärjustiz«, urteilte Pierre Ramus später.3

Von 1918 bis 1920 war Johann Magerer verantwortlicher Redakteur der Zeitung »Erkenntnis und Befreiung« (Wien / Wien – Graz / Graz – Wien – Ludwigshafen / Wien – Graz). Wie seine Ehefrau war auch Johann Magerer bereits seit der Gründung des »Bundes herrschaftsloser Sozialisten« 1919 dessen Mitglied und war bis zu dessen Auflösung 1934 für diesen in Wien aktiv. Johann Magerer, der wieder als Kunstmaler tätig war, wurde im April 1921 wegen Hehlerei von Bildern und Möbeln verhaftet, doch wurde das Verfahren schon bald danach eingestellt.

  • Wien 16., Thaliastraße 16 (Wohnadresse 1908 bis 1914)
  • Wien 15., Holochergasse 55/3 (Wohnadresse seit mindestens 1918; Sterbeadresse)
Karte
  • 1

    Johann und Therese Magerer (1881–1943) wohnten damals in Wien 16., Thaliastraße 16.

  • 2

    Pierre Ramus [d. i. Rudolf Großmann (1882–1942)]: Friedenskrieger des Hinterlandes. Der Schicksalsroman eines Anarchisten im Weltkriege. Mannheim: Verlagsbücherei: »Erkenntnis und Befreiung im Sinne Leo Tolstois« 1924, S. 5–8.

  • 3

    Vgl. Pierre Ramus [d. i. Rudolf Großmann (1882–1942)]: Friedenskrieger des Hinterlandes. Der Schicksalsroman eines Anarchisten im Weltkriege. Mannheim: Verlagsbücherei: »Erkenntnis und Befreiung im Sinne Leo Tolstois« 1924, S. 11.