Therese Magerer (1881–1943)

Persönliche Daten
Namensvarianten
geborene Theresia Marie Uhliř
verheiratete Theresia Marie Magerer
Geburtsdatum
24. September 1881
Sterbedatum
31. März 1943
Religionsbekenntnis
römisch-katholisch, seit 27. Mai 1908 israelitisch, dann konfessionslos
Berufe

Vater: Johann Uhliř (Schottenfeld, Niederösterreich [zu Wien 7.] 14. November 1841 – ?): Posamentierer; Heirat in Hernals (Niederösterreich [zu Wien 17.]) am 22. Juni 1873 mit:
Mutter: Theresia Maria Uhliř, geborene Schwarz (Wien 21. Jänner 1852 – ?): Hausfrau
Ehe: in Wien am 26. Juni 1908 nach israelitischem Kultus mit Johann Baptist Michael Magerer (Breitensee, Niederösterreich [zu Wien 14.] 1877 – Wien, Reichsgau Wien, Deutsches Reich [Wien, Österreich] 8. September 1942): Kunstmaler, Redakteur, Pazifist; Anarchist

Biographie

Therese Magerer, Tochter einer Hausfrau und eines Posamentierers, arbeitete als Kontoristin in Wien. Hier wurde sie vermutlich bereits 1907 Mitglied der Gruppe »Wohlstand für Alle« sowie Mitkämpferin von Rudolf Großmann alias Pierre Ramus (1882–1942). Dort lernte sie auch dessen Freund und engen Mitkämpfer, den Kunstmaler Johann Magerer (1877–1942), kennen, den sie im Juni 1908 heiratete. Beide gehörten auch zu den Initiatoren des am 27. September 1913 gegründeten »Literarischen Vereins ›Tolstoi‹«.

Als Kaiser Franz Joseph I. (1830–1916) den Ersten Weltkrieg begann, kam es zu einem auch für das Ehepaar folgenreichen Ereignis. Darüber berichtete Pierre Ramus in seinem semi-dokumentarischen Roman: »Am 29. Juli waren in ganz Wien Mobilisierungskundmachungen des Kaisers angeschlagen. […] Vor einem dieser Kriegsplakate standen auch Johann Magerer und seine Frau. Angsterfüllt waren sie heruntergeeilt aus ihrer bescheidenen Künstlerwohnung im dritten Stockwerk eines Ottakringer Hauses.1 […]. Bebend vor innerer Erregung standen er und sein Weib vor dem Mobilisierungsplakat des Kaisers. Schreckliches war Wahrheit geworden: die Kriegsfurie wear entfesselt… und er sollte morden, um gemordet zu werden… […]. Magerer stand noch unter dem Eindruck des falschen Glaubens, der allgemeinen trügerischen Annahme. Wilder Zorn über die serbischen Attentäter erfaßte ihn, und halblaut entrang es sich, zu seiner Frau gewandt, seinem Munde: ›Wegen dieser Mörder, Verbrecher, Trottel und Idioten muß so etwas herauskommen…‹ Hinter ihm stand eine abgehärmte Zeitungsausträgerin. Sie hatte die halblauten Worte des Malers gehört. […]. ›Was ham’s g’sagt?‹ schreit da plötzlich die Zeitungsausträgerin auf Magerer ein, ihn scheinbar fragend, in Wirklichkeit bemüht, die Aufmerksamkeit mehrerer Vorübergehender und Stehenbleibender auf sich zu lenken. […]. Schon hatte sich eine Menge um ihn geschart und schickte sich an, auf ihn einzudringen. Magerer nahm den Arm seiner Frau, schritt hastig seines Weges mit ihr. Da tauchte hinter ihnen ein Wachmann auf. Dieser lief Magerer nach und erklärte ihn für verhaftet.«2 Johann Magerer wurde zunächst ins k. k. Landesgericht eingeliefert, da man diese Äußerung als gegen den Kaiser gerichtet interpretierte. Bald darauf wurde er dem Militärgerichtshof des k. k. Landwehrdivisionsgerichts in Wien 8. überstellt, welches ihn nach genau zwei Monaten Haft wegen öffentlicher Störung der Ordnung und Ruhe zu zwei Jahren schwerem Kerker verurteilte, verschärft durch einen Fasttag und Dunkelhaft wöchentlich. »Er war das erste Opfer der Militärjustiz«, urteilte Pierre Ramus später.3

Wie ihr Ehemann war auch Therese Magerer bereits seit der Gründung des »Bundes herrschaftsloser Sozialisten« 1919 dessen Mitglied und war bis zu dessen Auflösung 1934 für diesen in Wien aktiv.

  • Wien 15., Michaelergasse 6 [Löhrgasse] [Geburtsadresse)
  • Wien 16., Thaliastraße 16 (Wohnadresse 1908 bis 1914)
  • Wien 15., Holochergasse 55/3 (Wohnadresse seit mindestens 1918; Sterbeadresse)
Karte
  • 1

    Therese und Johann Magerer (1877–1942) wohnten damals in Wien 16., Thaliastraße 16.

  • 2

    Pierre Ramus [d. i. Rudolf Großmann (1882–1942)]: Friedenskrieger des Hinterlandes. Der Schicksalsroman eines Anarchisten im Weltkriege. Mannheim: Verlagsbücherei: »Erkenntnis und Befreiung im Sinne Leo Tolstois« 1924, S. 5–8.

  • 3

    Vgl. Pierre Ramus [d. i. Rudolf Großmann (1882–1942)]: Friedenskrieger des Hinterlandes. Der Schicksalsroman eines Anarchisten im Weltkriege. Mannheim: Verlagsbücherei: »Erkenntnis und Befreiung im Sinne Leo Tolstois« 1924, S. 11.