Josef Harrich (1872–1923)

Persönliche Daten
Namensvarianten
das ist Josef Valentin Harrich
Geburtsdatum
21. März 1872
Sterbedatum
19. November 1923
Religionsbekenntnis
römisch-katholisch

Vater: Valentin Harrich (Lippitzbach / Lipica [zu Ruden /  Ruda], Kärnten 31. Mai 1845 – Steyr, Oberösterreich 29. November 1910): Partieführer, zuletzt technischer Beamter in der Waffenfabrik; Heirat in Steyr (Oberösterreich)  am 27. Februar 1870 mit:
Mutter: Vincentia Harrich, geborene Kugler (Schönstein, Steiermark [Šoštanj, Slowenien] 5. April 1847 – Witkowitz, Mähren [Vítkovice (Ostrava), Tschechien] 7. Februar 1817), Tochter einer Hausfrau und eines Bäckermeisters: Angestellte in einem Konfektionsgeschäft, Hausfrau
Schwester: Maria Katharina Harrich, seit 26. April 1892 verheiratete Röckl (Wieserfeld [zu Steyr], Oberösterreich 13. Juli 1870 – ?)
Bruder: Rudolf Harrich (Steyrdorf [zu Steyr], Oberösterreich 26. Februar 1874 – ?)
Bruder: Friedrich Valentin Joseph Harrich (Steyrdorf [zu Steyr], Oberösterreich 10. Juli 1875 – Linz, Oberösterreich 20. Jänner 1955): Arbeiter in der Waffenfabrik
Bruder: Augustin Joseph Harrich (Bei der Steyr [zu Steyr], Oberösterreich 7. August 1880 – ?)
Schwester: Vizentia Valentina Maria Harrich, seit 24. Juli 1906 verheiratete Butora (Steyrdorf [zu Steyr], Oberösterreich 12. April 1884 – ?)
Schwester: Valentine Josefine Maria Harrich (Steyr, Oberösterreich 10. Mai 1891 – ?)
Ehe: in Linz an der Donau (Oberösterreich) am 26. Mai 1895 mit Francisca Gugenberger (Schenkenfelden, Oberösterreich 19. Oktober 1874 – ?), Tochter einer Hausfrau und eines Zimmermanns: Private
Sohn: Josef Gustav Gugenberger, mit 26. Mai 1895 legitimierter Harrich (Linz an der Donau, Oberösterreich 28. März 1895 – Linz an der Donau, Oberösterreich 30. September 1899): verstarb im Kinderspital an Hirnhautentzündung

Biographie

Josef Harrich, Sohn einer Hausfrau und eines technischen Beamten, absolvierte in Steyr (Oberösterreich) eine Tischlerlehre. Anlässlich der dortigen Schüler-, Lehrlings- und Gehilfen-Ausstellung wurde er am 16. September 1888 mit einem Diplom ausgezeichnet. Bald darauf schloss er sich der »Sozialdemokratischen Arbeiterpartei« an, ließ sich dann aber in Zürich / Zurich / Zurigo (Kanton Zürich, Schweiz) nieder. Den Unabhängigen Socialisten nahestehend, nahm Harrich als Delegierter des »Österreichisch-ungarischen Arbeitervereins in Zürich« am Internationalen Sozialistischen Arbeiterkongress teil, der vom 3. bis 13. August 1893 in Zürich stattfand, Als der anarchistische Flügel vom Kongress ausgeschlossen wurde, organisierten die Anarchisten am Abend des 10. August 1893 ihren eigenen Kongress, dem sich auch Harrich anschloss

Nach seiner Rückkehr nach Österreich 1894 blieb Harrich, der nun bei der »Linzer Dampfsäge« in Linz an der Donau (Oberösterreich) arbeitete, dennoch der Sozialdemokratie verbunden. Als rühriger Aktivist erregte er Aufsehen, als er am 25. August 1894 auf einer Volksversammlung in Schärding (Oberösterreich) über die Frage »Christlichsozial oder sozialdemokratisch« referieren wollte; schon kurz nach Beginn seiner Rede wurde die Versammlung behördlich aufgelöst. Kurz darauf, am 10. September 1894, sprach er – wieder in Schärding – auf einer Volksversammlung über »Die Lage des Arbeiterstandes und die politischen Parteien«, doch auch diese Veranstaltung wurde wieder behördlich aufgelöst. Bei den Wahlen zum Reichsrat vom März 1897 kandidierte er in Linz noch für die »Sozialdemokratische Arbeiterpartei«.

Josef Harrich begab sich dann in die Schweiz, von wo er mit Beschluss des Bundesrats vom 15. November 1898 ausgewiesen wurde. Tatsächlich arbeitete er aber bereits seit dem 8. September 1898 als Tischlergehilfe in Innsbruck (Tirol). Später begab er sich nach Dornbirn (Vorarlberg), wo er nun vor allem gewerkschaftlich aktiv war. Am 15. September 1900 gab er die Auflösung der Ortsgruppe Dornbirn des »Holzarbeiter-Verbandes für Tirol und Vorarlberg« bekannt. Zugleich wurde diese als Ortsgruppe des »Verbandes der Holzarbeiter Österreichs« neu gegründet, wobei Harrich deren erster Obmann wurde. 1901 brach Josef Harrich endgültig mit der »Sozialdemokratischen Arbeiterpartei«.

 Um einer Verhaftung zu entgehen, verließ Josef Harrich 1901 fluchtartig Linz und ließ sich in Klagenfurt am Wörthersee / Celovec ob Vrbskem jezeru (Kärnten) nieder. Er wurde Vorstandsmitglied der Ortsgruppe Klagenfurt des »Kärntner Vereins der Holzarbeiter«, die aber 1902 aufgelöst wurde und sich im »Verband der Holzarbeiter Österreichs« neu organisierte. Obwohl körperlich behindert – ihm fehlten an der rechten Hand drei Finger und am linken Fuß sämtliche Zehen –, wurde er zu einem rührigen Aktivisten der Kärntner Anarchisten, die sich damals noch als Unabhängige Socialisten bezeichneten. Erst mit der Gründung der »Vereinigung der freien Sozialisten« organisierten sie sich seit 1903 als Freie Sozialisten, verwendeten aber auch regelmäßig die Selbstbezeichnung »Anarchisten«. Harrich, der anlässlich der Feier zum 1. Mai 1903 als Hauptredner auftrat, verfasste für diese zwei programmatische Broschüren, die im Verlag seines damaligen Gesinnungsgenossen Franz Prisching (1864–1919) erschienen.1 Auch in Klagenfurt erregte Harrich mehrmals öffentliches Aufsehen; so löste er anlässlich einer Rede des Führers der Sozialdemokratie Victor Adler (1852–1918) am 27. Juni 1903 mit seiner Wortmeldung einen heftigen Tumult aus.

Im Mai 1905 übersiedelte Josef Harrich mit seiner Frau nach Falkenau an der Eger (Böhmen [Sokolov, Tschechien]), wo er als Tischler Arbeit fand. Hier schloss er sich der »Freisozialen Partei« des ehemaligen Bergmanns und nunmehrigen Journalisten und Zeitungsherausgebers Simon Starck (1865–1939), vom Juni 1907 bis November 1918 Abgeordneter zum Reichsrat, an. Er wurde auch Administrator von dessen Zeitung »Freie Worte. Zeitschrift der freien Sozialisten Österreichs« (Falkenau an der Eger).

1911 kehrte Josef Harrich nach Steyr zurück, wo er zunächst als Tischler in der Waffenfabrik Arbeit fand; später eröffnete er als Tischlermeister eine eigene Werkstätte in der Sterningerstraße 149. Bereits am 3. September 1911 berief er eine Volksversammlung zwecks Gründung des »Deutsch-freisozialistischen Verbandes« ein. Sein Engagement für eine deutsch-freisozialistische Bewegung in Steyr war vor allem gegen die Sozialdemokratie gerichtet. Eine dieser Auseinandersetzungen führte am 21. Oktober 1911 dazu, dass Harrich eine Ehrenbeleidigungsklage gegen einen sozialdemokratischen Vertrauensmann einbrachte.

Vermutlich 1918 ließ er sich in Enns (Oberösterreich) nieder und schloss sich der im November 1818 gegründeten »Kommunistischen Partei Österreichs« an. Er war die treibende Kraft bei der Gründung des dortigen Arbeiterrats, dessen Obmann er wurde. Er nahm am 14. September 1919 an der Landeskonferenz der Arbeiterräte als Referent teil und fungierte am 12. November 1919 in Enns als Festredner anlässlich des ersten Geburtstags der Republik. Er referierte aber auch am Parteitag der Sozialdemokratie Oberösterreichs, der am 7. und 8. Dezember 1919 in Linz an der Donau abgehalten wurde. Harrich, der sich vor allem für die Wohnungs- und Lebensmittelfragen engagierte, geriet nicht nur mit der Sozialdemokratie in Konflikt, sondern auch mit der »Kommunistischen Partei Österreichs«. Angeblich auf deren Betreiben hatte er seine Tischlerwerkstätte verkauft und war seither arbeitslos. Seine Versuche, ein neues Werkstättenlokal zu erwerben, wurden erfolgreich hintertrieben. Am 19. November 1923 wählte Josef Harrich den Freitod, indem er sich in seiner Wohnung mit einem Mannlicher-Armeegewehr in die Brust schoss; als Todesursache wurde in den Sterbematriken vermerkt: »Selbstmord durch Erschießen (Sinnesverwirrung)«.

Bücher und Broschüren

  1. Proletarische Ziele. Eines Arbeiters Beitrag zur Arbeiterbewegung des XX. Jahrhunderts. Von Josef Harrich. 1. Kritik der heutigen Gesellschaftsform. 2. Die sociale Demokratie. 3. Das Erwachen aus Schlaf und Blindheit. 4. Die Selbsthilfe der Enterbten. 5. Anhang. [Graz]: [Verlag von Franz Prisching] [1903], 87 S. Druck: J. & R. Bertschinger, Klagenfurt.
  2. Der Weg zum Sozialismus! von Josef Harrich. 1. Entwicklungsformen und deren Einwirkung auf das Volksleben. 2. Der Sozialismus. 3. Wie kommt man am besten zum Sozialismus? Graz: Verlag: die Schriftleitung des »Der grode Michl« 1905, 56 S. Druck: W. Veith, Tuntschendorf (Schlesien [Tłumaczów, Polen]).
  • Steyr, Oberösterreich, Aichet 517 (Geburtsadresse)
  • Linz an der Donau, Oberösterreich, Kapuzinerstraße 26 (Wohnadresse 1895)
  • Steyr, Oberösterreich, Sterningerstraße 149 (Wohnadresse 1916)
  • Linz an der Donau, Oberösterreich, Stadtplatz 8, 1. Stock (Sterbeadresse)
Karte
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    Die erste Broschüre wurde zwar in Klagenfurt am Wörthersee / Celovec ob Vrbskem jezeru (Kärnten) gedruckt, wurde aber tatsächlich von Franz Prisching (1864–1919) verlegt, wobei die Druckkosten von der Parteileitung der 1903 gegründeten »Freisozialen Partei« von Simon Starck (1865–1939) bezahlt wurden; vgl. Proletarische Ziele. Eines Arbeiters Beitrag zur Arbeiterbewegung des XX. Jahrhunderts. Von Josef Harrich. 1. Kritik der heutigen Gesellschaftsform. 2. Die sociale Demokratie. 3. Das Erwachen aus Schlaf und Blindheit. 4. Die Selbsthilfe der Enterbten. 5. Anhang. [Graz]: [Verlag von Franz Prisching] [1903], 87 S.