Lilly Nadler-Nuellens (1857–1933)

Persönliche Daten
Namensvarianten
geborene Alice Sybilla Nuellens
verheiratete Alice Sybilla Nadler
ungarische Namensform: Aliz Szibill Nádler
verheiratete Alice Sybilla grófnő Batthyány de Németújvár
Pseudonym: Lilly Nadler-Nuellens
Geburtsdatum
22. Dezember 1857
Sterbedatum
15. Februar 1933
Sterbeort
Religionsbekenntnis
römisch-katholisch
Berufe

Vater: Julius Nuellens; in Ungarn: Gyula Nuellens: Erfinder, Wein- und Spirituosenhändler und Hotelbesitzer; Heirat mit:
Mutter: Maria Nuellens, geborene Schmied; in Ungarn Mária Nuellens: Hausfrau
Schwester: Alwina Anna Nuellens (Aachen, Preußen [Nordrhein-Westfalen] 5. Jänner 1857 – Budapest, Ungarn 19. Jänner 1920)
Schwester: Maria Therese Nuellens, verheiratete Mary Markó (Aachen, Preußen [Nordrhein-Westfalen] 9. April 1861 – Budapest, Ungarn 7. Juni 1939)
Bruder: Nuellens (Johannisberg, Preußen [Nordrhein-Westfalen] 17. Jänner 1863): bei der Geburt verstorben
erste Ehe: in Budapest (Ungarn) am 15. Juli 1882 mit János Gusztáv Márton Nadler, auch János Gusztáv Márton Nádler (Budapest, Ungarn 19. Jänner 1851 – Budapest, Ungarn 20. Juni 1933): Gewürz- und Kolonialwarenhändler und Pharmagroßhändler; geschieden am 11. Oktober 1911; János Gusztáv Márton Nadler heiratete in zweiter Ehe in Budapest (Ungarn) am 21. Mai 1914 Ida Ranzenhofer (Budapest, Ungarn 7. Juli 1872 – ?)
Sohn: Herbert János Gyula István Filep Nadler (Budapest, Ungarn 13. Mai 1883 – Budapest, Ungarn 7. Juni 1951): Zoologe, von 1929 bis 1948 Direktor des Zoologischen und Botanischen Gartens Budapest; von 1905 bis 1916 Privatsekretär und enger Mitkämpfer des Anarchisten Ervin gróf Batthyány de Németújvár (siehe zweite Ehe)
Tochter: Rozina Hermina Erzsébet Nadler (Budapest, Ungarn 3. Oktober 1884 – Budapest, Ungarn 9. September 1965)
Tochter: Janka Lujza Mária Nadler, seit 22. März 1910 verheiratete Ranzenhofer (Budapest, Ungarn 30. April 1886 – Budapest, Ungarn 6. November 1968)
Sohn: Ferencz Károly Xavér Géza Nadler (Budapest, Ungarn 9. Juni 1888 – Budapest, Ungarn 9. September 1939)
Sohn: Péter Pál Róbert Nadler (Budapest, Ungarn 9. Jänner 1893 – ?)
Sohn: János Leó Géza Nadler, später James Leo G. Nadler (Budapest, Ungarn 20. Mai 1895 – Dorset, England 1979)
Tochter: Ellina Mária Hermina Nadler, seit 17. Juli 1926 verheiratete Sebestyén (Budapest, Ungarn 18. August 1897 – Budapest, Ungarn 19. Februar 1945)
zweite Ehe: in Hendon (Middlesex, England) im Februar 1912 mit Ervin Batthyány, d. i. Ervin Ágoston Károly Ferenc gróf Batthyány de Németújvár (Bögöte, Ungarn 17. Oktober 1877 – Stroud, Gloucestershire, England 9. Juni 1945): Großgrundbesitzer, Publizist, Zeitungsherausgeber, Pionier des Anarchismus in Ungarn; Anarchist
Kinder: keine

Biographie

Lilly Nadler-Nuellens wuchs als Tochter des Erfinders, Wein- und Spirituosenhändlers und Hotelbesitzers Julius Nuellens und dessen Ehefrau Maria, geborene Schmied, zunächst im damals preußischen Aachen auf. 1866 übersiedelte die Familie nach England, wo Julius Nuellens das berühmte »The Royal Hotel« in Torquay (Devon, England) erworben hatte.

Nachdem Julius Nuellens im Februar 1869 bankrott gemacht hatte, übersiedelte die Familie nach Budapest (Ungarn), wo er Direktor der »Ersten ungarischen Hotel-Aktiengesellschaft« wurde. Hier wuchs Lilly Nadler-Nuellens in einer wieder zum Wohlstand gelangten Familie auf. Am 15. Juli 1882 heiratete sie in Budapest den Gewürz- und Kolonialwarenhändler János Nadler (1851–1933), mit dem sie sieben Kinder hatte. 1895 lernte Lilly Nadler-Nuellens den Großgrundbesitzer Ervin Batthyány kennen, eigentlich Ervin Ágoston Károly Ferenc gróf Batthyány de Németújvár (1877–1945). Ervin Batthyány besuchte im März 1901 den englischen Schriftsteller und Sozialreformer Edward Carpenter (1844–1929) auf dessen Gut Millthorpe in Holmesfield (Derbyshire. England) und brachte dessen Gedichtte »Towards democracy« (Auf dem Weg zur Demokratie) nach Budapest mit. Batthyány wurde von seiner Familie wegen seiner während seines Englandaufenthaltes gewonnenen anarchistischen Ansichten als unzurechnungsfähig entmündigt und 1901 bis 1903 im Sanatorium für Nervenleidende Hacking in Wien untergebracht. In diesen Jahren und auch noch später übersetzten Ervin Batthyány und Lilly Nadler-Nuellens diese Gedichtsammlung Carpenters. 1903 erschien der erste Band »Demokratie. Vorgesänge der Freiheit«; ihm folgten 1906 als zweiter »Freiheit«, 1908 und 1909 die beiden letzten Bände unter dem Titel »Der Freiheit entgegen«.

Im Jänner 1904 übersiedelte Lilly Nadler-Nuellens nach England, wo sie im Londoner Stadtteil Hampstead wohnte. Hier übersetzte sie auch die »Lieder der Arbeit« des englischen Malers, Grafikers, Architekten, Designers und Schriftstellers William Morris (1834–1896), die Rudolf Großmann alias Pierre Ramus (1882–1942) im Jahr 1909 im Wiener anarchistischen Verlag »Wohlstand für Alle (W. Horatschek)« veröffentlichte. Überhaupt bemühte sich deren großer Bewunderer Ramus seit 1907 um die Veröffentlichung ihrer Übersetzzungen aus dem Englischen und Französischen, etwa in seinen Zeitungen »Die Freie Generation« (London, seit 1906 Berlin), »Wohlstand für Alle« (Wien) und »Ohne Herrschaft« (Wien) sowie in dem von ihm herausgegebenen »Jahrbuch der Freien Generation« für 1910 bis 1914. Mittlerweile hatte Ervin Batthyány in Bögöte (Komitat Vas, Ungarn) eine von ihm finanzierte freie Schule gegründet, die am 29. Oktober 1905 eröffnet wurde. Sekretär dieser anarchistisch-libertären Schule war Lillys ältester Sohn Herbert Nadler (1883–1951). Dieser war von 1906 bis 1907 Redakteur der anarchistischen Zeitung »Testvériség« (Szombathely; Brüderlichkeit) und gab von 1907 – anfangs mit Batthyány – bis 1911 die anarchistische und anarchosyndikalistische Zeitschrift »Társadalmi forradalom« (Szombathely, seit 1908 Budapest; Die soziale Revolution) heraus. Nach der Schließung der Schule war Herbert Nadler von 1910 bis 1916 Ervin Batthyánys Sekretär und enger anarchistischer Kampfgefährte und war als renommierte Zoologe von 1929 bis 1948 Direktor des Budapester Fővárosi Állat- és Növénykert (Zoo und Botanischer Garten).

Ervin Batthyány, der sich seit 1907 regelmäßig auf seinem Wohnsitz in Platt’s Lane 34 im Londoner Stadtteil Hampstead aufhielt, übersiedelte 1910 endgültig nach England, wo er nun mit seiner langjährigen Kampfgefährtin Lilly Nadler-Nuellens zusammenlebte. Am 11. Oktober 1911 ließ sich Lilly von ihrem Ehemann János Nadler scheiden und heiratete im Februar 1912 Ervin Batthyány in Hendon (Middlesex). 1913 legte Batthyány als erstes Mitglied des ungarischen Hochadels seine ungarische Staatsbürgerschaft zurück und verkaufte seine Güter Bögöte und Ikervár nahe Szombathely (Ungarn) samt Schloss. Während er bis zu seinem Tod in England blieb, kehrte Lilly Nadler-Nuellens, nunmehr grófnő Batthyány, nach dem Ersten Weltkrieg nach Budapest zurück.

Übersetzungen

  1. Edward Carpenter (1844–1929): Demokratie. Vorgesänge der Freiheit. Einzig autorisierte Uebersetzung von Lilly Nadler-Nuellens und Ervin Batthyány. Leipzig Berlin: Verlag von Hermann Seemann Nachfolger [1903] [= Der Freiheit entgegen. 1.], 149 S.
    b) Demokratie. Vorgesänge der Freiheit. Einzig autorisierte Uebersetzung von L. Nadler-Nuellens und E. Batthyány. 2. Auflage. Leipzig Berlin: Verlag von Hermann Seemann Nachfolger [1909] [= Der Freiheit entgegen. 1.], 149 S.
  2. Edward Carpenter (1844–1929): Freiheit, übersetzt von L. Nadler-Nuellens und E. Batthyány. Leipzig Berlin: Verlag von Hermann Seemann Nachfolger [1905] [= Der Freiheit entgegen. 2.], 188 S.
    b) Freiheit, übersetzt von L. Nadler-Nuellens und E. Batthyány. 2. Auflage. Leipzig Berlin: Verlag von Hermann Seemann Nachfolger [1906] [= Der Freiheit entgegen. 2.], 188 S.
  3. Edward Carpenter (1844–1929): Der Freiheit entgegen. III. Band. Einzig autorisierte Übersetzung von Lilly Nadler-Nuellens und Ervin Batthyány. Hampstead London: Verlag »Willowdene« 1908 (= Der Freiheit entgegen. 3.), 142 S.
  4. Edward Carpenter (1844–1929): Der Freiheit entgegen, übersetzt von L. Nadler-Nuellens und E. Batthyány. Band 4. Berlin-Tempelhof: Freier Literarischer Verlag 1909 (= Der Freiheit entgegen. 4.), VI, 171 S.
  5. William Morris (1834–1896): Lieder der Arbeit von William Morris. Aus dem Englischen übersetzt von Lilly Nadler-Nuellens. Wien: Verlag »Wohlstand für Alle« (W. Horatschek) 1909 (= Wohlstand für Alle.), 15 S. 
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