Mina Kanewi (1860–1952)
Persönliche Daten
Familienverhältnisse
Vater: Christian Jensen: Ingenieur bei der Eisenbahn; Heirat mit:
Mutter: Wilhelmina Jensen, geborene Stöhr: Hausfrau
Bruder: Eduard Jensen (Budweis. Böhmen [České Budějovice, Tschechien] 23. Augusr 1864 – ?)
Bruder: Victor Jensen (Prag, Böhmen [Praha, Tschechien] 23. August 1867 – ?)
Ehe: in Paris (Frankreich) am 16. Mai 1886 mit Charles François Ivanek, d. i. Karl Ivanek (Österreich-Ungarn 4. November 1853 – Jersey City, New Jersey, USA ?): Buchbinder; emigrierte um 1881 nach Frankreich und 1891 in die USA; Radicaler, Anarchist
Tochter: »Minnie« Mina Ivanek, seit 24. August 1912 verheiratete Mulford (Paris, Frankreich 5. Jänner 1887 – Emerson, New Jersey, USA 8. April 1979): Malerin und Grafikerin; emigrierte 1891 in die USA, seit 1912 US-amerikanische Staatsbürgerin; Heirat in New York City (New York, USA) am 24. August 1912 mit Mitchell Stockton Mulford; Pseudonym: Ray Dean (Sharon Hill, Pennsylvania, USA 21. Juni 1886 – Sandy Hook in Newtown, Connecticut, USA 20. September 1960): Maler und Grafiker
Sohn: Rene Ivanek, d. i. René Ivanek (Paris, Frankreich 11. August 1888 – Hackensack, New Jersey, USA Jänner 1972): Manager; emigrierte 1891 in die USA
Tochter: Helen Ivanek, seit 12. Juni 1926 verheiratete Land (Jersey City, New Jersey, USA 16. Dezember 1894 – Woodcliff Lake, New Jersey, USA Juni 1978)
Sohn: Otto Charles Ivanek (Jersey City, New Jersey, USA 19. November 1896 – Las Vegas, Nevada, USA 1. April 1985): Drucker
Biographie
Mina Kanewi wurde als Tochter einer Hausfrau und eines Eisenbahningenieurs geboren und wuchs aufgrund der beruflichen Tätigkeit ihres Vaters an verschiedenen Orten in Böhmen auf. Schließlich ließ sich die Familie in Wien nieder, von wo sie zu Beginn der 1880er-Jahre nach Paris (Frankreich) emigrierte. Dort heiratete sie am 16. Mai 1886 den Buchbinder Charles François Ivanek, d. i. Karl Ivanek (1853–?). Dieser war 1881 als Anhänger der radicalen Arbeiterbewegung aus Linz an der Donau (Oberösterreich) nach Frankreich ins Exil gegangen. Mina Kanewi, eine enge Freundin des Zimmermalers und Redakteurs Josef Peukert (1855–1910), schloss sich in Paris der anarchistischen Gruppe »Autonomie« an. Diese war eine wichtige anarchistisch-kommunistische Organisation der aus den deutschen Staaten und aus Österreich-Ungarn geflüchteten Anarchistinnen und Anarchisten. Für diese übersetzte sie unter anderem die von der Gruppe herausgegebene Broschüre »Die anarchistische Moral« [November 1891] von Pjotr Alexejewitsch Kropotkin ‹Пётр Алексеевич Кропоткин› (1842–1921) aus dem Französischen ins Deutsche. Mina Kanewi war eine der wenigen Anarchistinnen, die an deren Zeitung »Die Autonomie« (London) mitarbeiteten. In dieser erschien auch vom 20. Februar bis 14. Mai 1892 ihre später als Broschüre veröffentlichte Artikelserie »Gretchen und Helenens zeitgemässe Plaudereien«. In deren Einleitung heißt es vielsagend: »O Ihr Legionen Armer und Enterbter, die Ihr unter dem Drucke der heutigen Verhältnisse schmachtet und stumme Verzweiflung Euch ergreift, mögen diese Zeilen Euere durch Elend und Enttäuschung erstarrten Herzen und Sinne erwärmen, möget Ihr zu einem neuen Leben voll Zuversicht und frischer Thatkraft erwachen, um Euch noch an den Strahlen der aufgebenden Freiheitssonne und des Völkerglücks erfreuen zu können.«1
Doch zu diesem Zeitpunkt hatte Mina Kanewi Frankreich bereits den Rücken gekehrt. 1891 emigrierte sie mit ihrem Ehemann und ihren beiden Kindern in die USA. Dort arbeitete sie zunächst noch an diversen anarchistischen Zeitungen wie »Der arme Teufel« (Detroit, Mich.) mit. Später lebte sie zurückgezogen zuerst in Jersey City (New Jersey, USA), wo sie noch zwei weitere Kinder gebar, seit 1930 in Lyndhurst (New Jersey, USA), schließlich seit 1950 in Sandy Hook in Newtown (Connecticut, USA).
Publikationen
Bücher und Broschüren
- Gretchen und Helene. Zeitgemässe Plaudereien den Betrübten und Muthlosen gewidmet von Mina Kanewi. London: Herausgegeben von der Gruppe »Autonomie« [1893] (= Anarchistisch-communistische Bibliothek. IX.), 54 S. Zuerst [anonym]: Gretchen und Helenens zeitgemässe Plaudereien, in: Die Autonomie (London) vom 20. Februar bis 14. Mai 1892. Die Weiterverbreitung der Druckschrift wurde mit Erkenntnis des Landes- als Pressgericht Wien vom 11. März 1893 und des Landes- als Pressgericht Pilsen (Böhmen [Plzeň, Tschechien]) vom 22. Juli 1894 in Österreich verboten.
b) Gretchen und Helene. Zeitgemäße Plaudereien über Sozialdemokratie und Anarchismus. Den Betrübten und Mutlosen gewidmet. Berlin: Verlag: Der Anarchist (Otto Weidt) [1907] (= Deutsche Arbeiterbibliothek. 6.), 48 S. Anonym erschienen.
Übersetzungen
- Pjotr Alexejewitsch Kropotkin ‹Пётр Алексеевич Кропоткин› (1842–1921): Die anarchistische Moral. Von Peter Krapotkine. Übersetzt aus dem Französischen und herausgegeben von der Gruppe »Autonomie«. London: [Gruppe »Autonomie«] [November 1891] (= Anarchistisch-communistische Bibliothek. VI.), 40 S.
Erschien unter dem Autorennamen »Peter Krapotkine«.
Die Weiterverbreitung der Druckschrift wurde mit Erkenntnis des Landes- als Pressgericht Wien vom 16. Jänner 1892 in Österreich verboten.
Mitarbeiter*innen an Periodika
- Die Autonomie (London)
- Der arme Teufel (Detrpoir, Mich.) 1894
Kategorien
Adresse(n)
- Paris, Frankreich, 59 Rue Turenne (Wohnadresse 1889)
Karte
Autor / Version / Copyleft
Autor: Reinhard Müller
Version: April 2026
Anarchistische Bibliothek | Archiv | Institut für Anarchismusforschung | Wien
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M. [d. i. Mina Kanewi]: Gretchen und Helenens zeitgemässe Plaudereien, in: Die Autonomie (London), 7. Jg., Nr. 174 (20. Februar 1892), S. [2–3], hier S. [2]. Zur Broschüre vgl.: Gretchen und Helene. Zeitgemässe Plaudereien den Betrübten und Muthlosen gewidmet von Mina Kanewi. London: Herausgegeben von der Gruppe »Autonomie« [1893] (= Anarchistisch-communistische Bibliothek. IX.), 54 S. Die Weiterverbreitung der Druckschrift wurde mit Erkenntnis des Landes- als Pressgericht Wien vom 11. März 1893 und des Landes- als Pressgericht Pilsen (Böhmen [Plzeň, Tschechien]) vom 22. Juli 1894 in Österreich verboten.