Trostler-Affäre. Wien 1886

Daten
Zeitraum
April 1886
Beschreibung

Zeit: April 1886
Ort: Wien 6., Gumpendorfer Straße 95
Beteiligte: Pfeifenschneidergehilfe Thomas Zoppoth (1866–1906), Stuckateurgehilfe Leopold Kaspari (1861–1891), Fleischausträger Heinrich Rischawy (1858–1942), Webergehilfe Johann Wawrunek (1849–?)
Vorgesehenes Opfer: Lithograf und Buchdrucker Josef Trostler (1852–1917), Inhaber der »Druckerei Josef Trostler«

Das Ereignis

Der Pfeifenschneidergehilfe Thomas Zoppoth (1866–1906), der Stuckateurgehilfe Leopold Kaspari (1861–1891), der Fleischausträger Heinrich Rischawy (1858–1942) und der Webergehilfe Johann Wawrunek (1849–?) versuchten im April 1886 in der Nacht, nach 22 Uhr, die Eingangstür der Druckerei von Josef Trostler (1852–1917) in Wien 6., Gumpendorfer Straße 95, aufzubrechen, um an Lettern für eine geheime Druckerpresse zu gelangen. Josef Trostler wurde ausgewählt, weil durch seine Zeugenaussage der Schuhmachergehilfe Johann Richter (1852–nach 1932) am 25. Mai 1882 zu zwölf Jahren schweren Kerkera verurteilt worden war. Mit den Lettern sollten, wie Zoppoth später aussagte, Flugblätter hergestellt werden, weil die Arbeiter keine Möglichkeit zur Meinungsäußerung hätten. Da man sich allerdeings erst sehr spät für den Einbruch entschied, fiel dieser Plan ins Wasser. Josef Trostler erhielt von diesem Einbruchsversuch – der sogenannten Trostler-Affäre – erst im Oktober 1886 im Zuge seiner Vorladung beim Landesgericht Wien Kenntnis.

Polizeiliche und gerichtliche Verfolgung

Es dauerte lange, bis die Polizei den Tätern der sogenannten Trostler-Affäre auf die Spur kam. Im Zuge der sogenannten Brandleger-Affäre vom 3. und 4. Oktober 1886 holte die Polizei nach wochenlangen Beobachtungen zum großen Schlag gegen die Wiener Sozialrevolutionäre aus. Noch in der Nacht vom 3. auf den 4. Oktober 1886 konnten acht Sozialrevolutionäre verhaftet werden, und innerhalb der nächsten Woche folgten weitere sieben. Im Zusammenhang mit der sogenannten Trostler-Affäre wurden Leopold Kaspari, Heinrich Rischawy, Johann Wawrunek und Thomas Zoppoth verhaftet.

Vom 21. bis 28. März 1887 fand vor dem Landes- als Ausnahmegericht Wien der große sogenannte Anarchistenprozess gegen siebzehn Sozialrevolutionäre statt. Verhandelt wurden die sogenannte Reich-Affäre vom 18. Juni 1885, die sogenannte Tyll-Affäre vom 3. August 1885, die sogenannte Dynamit-Affäre vom 14. März 1886, die sogenannte Linke-Affäre vom März 1886, die sogenannte Trostler-Affäre vom April 1886 und die sogenannte Brandleger-Affäre vom 3. und 4. Oktober 1886.

Vom Gericht wurden folgende Urteile gefällt:

  • Leopold Kaspari wurde des Verbrechens der Mitschuld an der Brandlegung, der Verbrechen nach den §§ 5 und 6 des Gesetzes vom 27. Mai 1886 (betreffend Anordnungen gegen den gemeingefährlichen Gebrauch von Sprengstoffen und die gemeingefährliche Gebarung mit denselben) und des Verbrechens des versuchten Diebstahls angeklagt und im Sinne der Anklage zu sechzehn Jahren schweren Kerkers verurteilt;
  • Johann Wawrunek wurde des Verbrechens der Mitschuld an der Brandlegung, der Verbrechen nach den §§ 5 und 6 des besagten Gesetzes [...] und des Verbrechens des versuchten Diebstahls angeklagt und im Sinne der Anklage zu fünfzehn Jahren schweren Kerkers verurteilt;
  • Thomas Zoppoth wurde des Verbrechens des versuchten Diebstahls angeklagt und im Sinne der Anklage zu einem Jahr schweren Kerkers verurteilt;
  • Heinrich Rischawy wurde des Verbrechens des versuchten Diebstahls angeklagt und im Sinne der Anklage zu sechs Monaten schweren Kerkers verurteilt.

Die Haftstrafen wurden jeweils verschärft mit einem Fasttag im Monat.

Leopold Kaspari verstarb später im Gefängnis Stein [zu Krems an der Donau] (Niederösterreich).

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