Panajot Tschiwikow (1904–1998)

Persönliche Daten
Namensvarianten
Bulgarisch: Панайот Чивиков
das ist Panajot Welikow Tschiwikow
Bulgarisch: Панайот Великов Чивиков
deutsche Namensform auch: Panajot Tschiwikoff
Pseudonym: Дон Базилио ‹Don Basilio›
Pseudonym: Жарбон ‹Garbon›
Pseudonym: Жерминал ‹Scherminal›
Pseudonym: Педро Хименес ‹Pedro Jiménez›
Pseudonym: Отто Запрянов ‹Otto Saprjanow›
Geburtsdatum
27. Oktober 1904
Sterbedatum
16. August 1998

Ehe: in Ruse ‹Русе› (Bulgarien) mit Sofia Anna Paunovič (Graz, Steiermark 1. Mai 1905 – Ruse ‹Русе›, Bulgarien 28. Juni 1989): Krankenschwester; Anarchistin
Tochter: Plamena Panajotowa Tschiwikowa ‹Пламена Панайотова Чивикова› (geb. Ruse ‹Русе›, Bulgarien 1944)
Sohn: Germinal Čivikov, d. i. Germinal Panajotow Tschiwikow ‹Жерминал Панайотов Чивиков› (geb. Ruse ‹Русе›, Bulgarien 5. Dezember 1945): Dr. phil., Germanist, Journalist, Publizist, Übersetzer

Biographie

Der Techniker, Redakteur und Schriftsteller Panajot Tschiwikow, der heute zu den bekanntesten Anarchisten Bulgariens zählt, spielte 1936 und 1937 eine wichtige Rolle bei den anarchistischen Bewegungen in Graz (Steiermark). Der vielsprachige Tschiwikow – er sprach und schrieb Bulgarisch, Russisch, Deutsch, Französisch, Spanisch und Esperanto – wurde als verantwortlicher Schriftleiter der Zeitung »Работническа Мисъл« (София ‹Sofia›; Arbeitergedanke) wegen des bereits am 15. November 1933 erschienenen Leitartikels »Епоха на лумпените« (Das Zeitalter der Vagabunden) am 28. Jänner 1936 zu zwei Jahren Kerker verurteilt. Als dieses Urteil in der Berufungsverhandlung am 4. Mai 1936 bestätigt wurde, ergriff er die Flucht.

Auf Umwegen traf Panajot Tschiwikow, von Bratislava / Pressburg (Tschechoslowakei [Bratislava, Slowakei]) kommend, am 11. Juli 1936 in Wien ein. Nachdem er bereits am 13. Juli 1936 Kontakt mit Rudolf Großmann alias Pierre Ramus (1882–1942) aufgenommen hatte, kam er am 15. Juli 1936 nach Graz. Hier fand er Unterschlupf bei einer Anhängerin des ehemaligen »Bundes herrschaftsloser Sozialisten«, der Hausbesitzerin Maria Zahrastnik (1899–1992). Im Haus Zahrastnik verkehrten auch die Schwestern Paunovič, die nun Panajot Tschiwikow in die Grazer anarchistische Szene einführten: Sophie Paunovič (1905–1989) und Grete Paunovič (1910–1998). Sophie war bereits 1933, Grete 1935 nach Spanien gereist, wo sie als Übersetzerinnen und Deutschlehrerinnen tätig waren. 1936 waren sie nach Graz zurückgekehrt. Von Bedeutung ist, dass sich Panajot Tschiwikow, der damals in Spanien als Radiosprecher und Journalist agierte, zwischen Juli 1936 und November 1937 mehrmals in Graz und Wien aufhielt und neueste Informationen vom so genannten Spanischen Bürgerkrieg mitbrachte. Diese waren für die Anfang 1937 in Graz entstandenen Untergrundgruppen »Brot und Freiheit« sowie »Licht« von außerordentlicher Bedeutung. Übersetzt und überarbeitet dienten diese Informationen als Grundlage für die in den Untergrundzeitungen »Mitteilungen der anarcho-kommunistischen Vereinigung Oesterreichs F. A. Oe.« [Graz], fortgesetzt unter dem Titel »Brot und Freiheit« [Graz], und »Licht« [Graz] veröffentlichten Artikel.

1938 kehrte Panajot Tschiwikow aufgrund einer allgemeinen Amnestie anlässlich der Geburt des Kronprinzen Simeon Borissow Sakskoburggotski ‹Симеон Борисов Сакскобургготски› (geb. 1937) über Graz in seine bulgarische Heimat zurück. Dorthin folgte ihm Sophie Paunovič, die von einem neuerlichen Spanienaufenthalt im Herbst 1937 nach Graz heimgekehrt war, Anfang 1941, wo sie Panajot Tschiwikow heiratete.

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