Maria Zahrastnik (1899–1992)

Persönliche Daten
Namensvarianten
geborene Maria Theresia Dorner
verheiratete Maria Theresia Zahrastnik
genannt: Mitzi Zahrastnik
Geburtsdatum
28. Februar 1899
Geburtsort
Sterbedatum
6. April 1992
Sterbeort
Religionsbekenntnis
römisch-katholisch, seit 13. Dezember 1920 konfessionslos, seit 30. März 1950 wieder römisch-katholisch

Vater: Ignaz Dorner (Lichendorf [zu Sankt Stefan im Rosental], Steiermark 15. Juli 1869 – ?): Kellermeister; Heirat in Graz (Steiermark) am 6. Februar 1898 mit:
Mutter: Rosa Anna Dorner, geborene Káspár (Graz, Steiermark 28. August 1876 – Wien 6. Mai 1947): Köchin
Ehe: in Graz (Steiermark) 1921 mit Alois Gimpel, mit 17. Februar 1901 legitimierter Zahrastnik (Graz, Steiermark 25. Mai 1897 – Graz, Steiermark 16. September 1969): Tapezierermeister und Dekorateur; 1936 geschieden; Anarchist. Er heiratete in zweiter Ehe in Graz (Steiermark) am 18. Juli 1950 »Grete« Margaretha Amalia Paunovič (Graz, Steiermark 30. Jänner 1910 – Graz, Steiermark 19. Mai 1998): Fotografin; Anarchistin
Tochter: »Irma« Irmgard Zahrastnik, verheiratete Nievoll (Graz, Steiermark 26. April 1922 – Graz, Steiermark 26. März 2020): Dr. med. univ., Ärztin; zeitweilig Anarchistin; sie heiratete den Kinderneuropsychiater Medizinalrat Primarius Dr. med. Alois Nievoll (? – Graz, Steiermark 29. November 1994)

Biographie

Maria Zahrastnik, Tochter einer Köchin und eines Kellermeisters, heiratete 1921 den Tapezierermeister Alois Zahrastnik (1897–1969). Am 26. April 1922 wurde deren Tochter »Irma« Irmgard Zahrastnik (1922–2020) in Graz geboren, die schon als Jugendliche 1937 in die anarchistischen Untergrundgruppen »Licht« sowie »Brot und Freiheit« involviert war und später als verheiratete Nievoll Ärztin in Graz war.

Maria und Alois Zahrastnik gehörten seit 1918 zu den wichtigsten Aktivisten des anarchistischen »Bundes herrschaftsloser Sozialisten« in Graz, der sich formal in dem 1893 gegründeten und 1934 behördlich aufgelösten »Arbeiter-Bildungs- und Un­terstützungs-Verein« organisierte. Sie veröffentlichten auch in dessen Zeitung »Erkenntnis und Befreiung« (Wien – Graz). Außerdem wurde Maria Zahrastnik im April 1926 in den Vorstand des Grazer Zweigs des »Bundes der Kriegsdienstgegner« gewählt, dessen letzter Obmann seit 1928 ihr Mann Alois war. In einem ehemaligen Wertstättengebäude im Hof des Hauses Graz 5., Idlhofgasse 36, wo Alois Zahrastnik sein Geschäft als Tapezierer und Dekorateur hatte, befand sich auch das am 18. Oktober 1927 eröffnete Vereinsheim »Neue Heimat« des »Bundes herrschaftsloser Sozialisten«. Später bezog das Ehepaar Zahrastnik ein Haus im Ortsteil Neu-Hart, Straßgang [zu Graz 15.], Heimweg 37, direkt neben jenem des Ehepaares Alois Rader (1897–?) und Maria Rader (1910–1993). Hier fand ihr enger Freund, der Anarchist Rudolf Großmann alias Pierre Ramus (1882–1942), bei seinen Graz-Aufenthalten regelmäßig Unterkunft. Für ihn stellten sie auch anlässlich des Grazer Vasektomie-Prozesses 1933 die Kaution, wofür sie ihr Wohnhaus belasten mussten.

Als der »Bund herrschaftsloser Sozialisten« 1934 verboten wurde, entbrannte in Graz ein Streit darüber, ob man den Weg einer öffentlichen Propaganda fortsetzen (Fraktion der Vögel) oder ausschließlich den Weg der Untergrundarbeit beschreiten sollte (Fraktion der Fische). Während des Austrofaschismus war das Haus der Familie Zahrastnik ein wichtiger Treffpunkt der im Untergrund tätigen Anarchistinnen und Anarchisten. Unter ihnen waren auch die Schwestern Sophie Paunovič (1905–1989), die hier den bulgarischen Anarchisten Panajot Čivikov ‹Панайот Чивиков› (1905–1989) einführte und später heiratete, sowie Grete Paunovič (1910–1998), die sich in Alois Zahrastnik verliebte und mit ihm 1936 zusammenzog. Maria Zahrastnik ließ sich daraufhin von ihrem Ehemann scheiden. Sie schloss sich der unter dem Eindruck des so genannten Spanischen Bürgerkriegs 1937 gegründeten anarchistischen Untergrundgruppe »Licht« an. Maria Zahrastnik gehörte zu deren innerem Kreis. Dieser zwischen Anarcho-Syndikalismus und kommunistischem Anarchismus schwankenden Gruppe gehörten neben den Initiatorinnen, den Schwestern Ottilie Binder (1909–1982) und Maria Rader, auch noch Alois Rader und der Schlossergehilfe Josef Teichmeister (1902–1993) an. Nachdem am 2. Dezember 1937 in Maria Zahrastniks Haus im Zusammenhang mit der anarchistischen Untergrundzeitung »Licht« [Graz] eine Hausdurchsuchung vorgenommen wurde, erfolgte ihre Festnahme. Da ihr eine Beteiligung an der Gruppe »Licht« nicht nachgewiesen werden konnte, musste sie wieder freigelassen werden.

Nach 1945 zog sich Maria Zahrastnik zunächst von der anarchistischen Bewegung zurück, nahm aber wieder Kontakt zur Ehefrau von Pierre Ramus, Sonja Grossman (1884–1973), und deren Töchtern Erna Erwine Sheldon, verwitwete Hines (1910–1993), und Lilly Elizabeth Schorr (1907–2000) auf, die sich seither regelmäßig in Graz und in den USA besuchten. Später gehörte Maria Zahrastnik zu den wichtigen Unterstützerinnen der anarchistischen Zeitung »Befreiung« (Graz), die der Schlosser- und Drehermeister Ferdinand Groß (1908–1998) von 1975 bis 1997 herausgab.

  • Graz, Steiermark, Keplerstraße 56 (Geburtsadresse)

  • Graz, Steiermark, Heimweg 37 (Wohnadresse; Sterbeadresse)

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