Anna Knödl-Schwab (1898–1976)
Persönliche Daten
Familienverhältnisse
Vater: Wenzel Piskar (Pack bei Missling, Steiermark [Paka, zur Občina Vitanje, Slowenien] 10. April 1857 – Graz 15. Oktober 1916): Glasmacher, später Hilfsarbeiter; Heirat in Konstantinopel (Osmanisches Reich [İstanbul, Türkei]) am 9. Dezember 1893 mit:
Mutter: Theresia Piskar, geborene Intram (Arlberg, Steiermark [Zgornja Orlica, zur Občina Ribnica na Pohorju, Sllowenien] 27. September 1874 – ?): Glasfabrikarbeiterin, Hausfrau
Geschwister: fünf, darunter:
Bruder: Ludwig Piskar (Bösenwinkel, Steiermark [Hudi Kot, zu Ribnica na Pohorju, Slowenien] 16. August 1895 – Bösenwinkel, Steiermark [Hudi Kot, zu Ribnica na Pohorju, Slowenien] 27. Dezember 1895)
Schwester: Maria Johanna Piskar, verheiratete Dziewulski (Bösenwinkel, Steiermark [Hudi Kot, zu Ribnica na Pohorju, Slowenien] 2. August 1896 – Graz, Steiermark 22. April 1972): Köchin
Schwester: Theresia Piskar (Graz, Steiermark 2. September 1905 – Graz, Steiermark 10. Mai 1911): an Masern verstorben
erste Ehe: in Graz (Steiermark) am 10. August 1919 mit Franz Georg Schwab (Staritsch [zu Eibiswald], Steiermark 21. April 1889 – Graz, Steiermark 29. Juli 1965): Spenglergehilfe, dann Automechaniker; Scheidung am 23. Juni 1926
Sohn: Franz Jakob Schwab (Graz, Steiermark 11. März 1920 – bei Nambsheim, Frankreich 15. Jänner 1945, am 4. Februar 1957 für tot erklärt): Installateurlehrling, im Krieg ermordet; Anarchist
zweite Ehe: standesamtlich in Graz (Steiermark) am 5. September 1942 mit Eduard Knödl (Graz, Steiermark 7. November 1887 – Graz, Steiermark 18. Oktober 1969): Schneidergehilfe, später Kontrolleur; er hatte in erster Ehe in Graz (Steiermark) am 25. November 1912 die Schneiderin Maria Schobesberger (Ampflwang im Hausruckwald, Oberösterreich 22. August 1889 – ?) geheiratet und wurde mit 12. Mai 1938 und rechtskräftig mit 23. Juli 1940 geschieden
Kinder: keine
Biographie
Anna Knödl-Schwab kam schon als Kleinkind mit ihren Eltern nach Graz (Steiermark). Hier wuchs sie unter schwierigen familiären Verhältnissen auf. Schon im September 1906 suchte ihre Mutter Menschen, die ihre vier Kinder – ein bis neun Jahre alt – an Kindes statt aufnehmen wollen. Und ihr Vater, der zeitweise so genannt geistesgestört war, verletzte seine Ehefrau bei einem Streit am 11. September 1907 schwer. Ihre Situation verbesserte sich erst etwas, als ihr Vater am 15. Oktober 1916 an einem Schädelbasisbruch, den er sich beim Abspringen von der Straßenbahn zugezogen hatte, verstarb.
Anna Knödl-Schwab, die zunächst als Köchin arbeitete, gehörte in den 1920er-Jahren zu den rührigsten Anarchistinnen des »Bundes herrschaftsloser Sozialisten« in Graz, der sich formal in dem 1893 gegründeten »Arbeiter-Bildungs- und Unterstützungs-Verein« organisierte. Bei diesem war sie zeitweise als Schriftführerin tätig und verfasste auch kleine Beiträge für dessen Zeitung »Erkenntnis und Befreiung« (Wien / Wien – Graz / Graz – Wien – Ludwigshafen / Wien – Graz). Nach ihrer Scheidung 1926 erkor sie als Pflegevater ihres Sohnes Franz Schwab (1920–1945) den Tapezierermeister Alois Zahrastnik (1897–1969), ein umtriebiger Grazer Anarchist und Freund von Rudolf Großmann alias Pierre Ramus (1882–1942). Seit 1926 stand Anna Knödl-Schwab unter staatspolizeilicher Beobachtung, was ihrem Engagement für die Bewegung keinen Abbruch tat.
Nachdem der »Bund herrschaftsloser Sozialisten« 1934 verboten wurde, stritten dessen ehemalige Mitglieder darüber, ob man den Weg einer öffentlichen Propaganda fortsetzen (Fraktion der Vögel) oder ausschließlich den Weg der Untergrundarbeit beschreiten sollte (Fraktion der Fische). Anna Knödl-Schwab entschied sich für die Untergrundarbeit. Sie hatte sie eine verbindende Funktion zwischen den 1937 gegründeten Untergrundgruppen »Brot und Freiheit« sowie »Licht«, in die auch ihre Schwester Maria Dziewulski (1896–1972) involviert war. Auf der Schreibmaschine ihres Arbeitgebers tippte Anna Knödl-Schwab, die nunmehr als Bedienerin arbeitete, 1937 die Matrizen für die Untergrundzeitungen »Mitteilungen der anarcho-kommunistische Vereinigung Oesterreichs F. A. Oe.« [Graz], fortgesetzt unter dem Titel »Brot und Freiheit« [Graz], und »Licht« [Graz], bei der sie auch an der Abfassung der Texte mitarbeitete. Sie wurde am 22. November 1937 verhaftet, doch konnte man ihr nichts nachweisen. Ihr Sohn Franz Schwab, der ebenfalls an der Herstellung der Flugschriften beteiligt war, sollte im März 1938 wegen Hochverrats angeklagt werden, doch kam es im Zuge des so genannten Anschlusses Österreichs ans Deutsche Reich nicht mehr dazu.
Am 5. September 1942 heiratete Anna Knödl-Schwab, nunmehr Beamtin, den gelernten Schneidergehilfen und nunmehrigen Kontrolleur Eduard Knödl (1887–1969). Nach dem Zweiten Weltkrieg publizierte sie als »Anna Knödl«, »Anna K.« und »Kn. A.« unter anderem in den anarchistischen Zeitschriften »Befreiung« (Mülheim an der Ruhr) und »Die Freie Gesellschaft« (Darmstadt). Sie arbeitete auch an der vom Schlosser- und Drehermeister Ferdinand Groß (1908–1998) von 1975 bis 1997 herausgegebenen anarchistischen Zeitung »Befreiung« (Graz) mit. Sie publizierte nunmehr vor allem pazifistische Texte, motiviert durch ihren im Krieg ermordeten Sohn Franz Schwab.
Mitarbeiter*innen an Periodika
- Erkenntnis und Befreiung (Wien / Wien – Graz / Graz – Wien – Ludwigshafen / Wien – Graz) 1927
- Brot und Freiheit [Graz] 1937
- Licht [Graz] 1937
- Befreiung (Graz)
Kategorien
Adresse(n)
- Aalfang [zu Amaliendorf-Aalfang], Niederösterreich, Aalfang 17 (Geburtsadresse)
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Autor: Reinhard Müller
Version: März 2026
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