Der »g'rode Michl« und Selberaner Franz Prisching (1864–1919)

Franz Prisching, Sohn einer Handarbeiterin und Kräutersammlerin und eines Lederergehilfen und Schumachers, wurde in Hart bei St. Peter, geboren, wobei sich sein mittlerweile abgerissenes heute im Stadtgebiet von Graz (Steiermark) befindet. Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, besuchte in vier verschiedenen Orten die Volksschule und konnte nach insgesamt nur vierzehn Monaten Unterricht gerade seinen Namen schreiben. Nachdem sein Vater früh an Tuberkulose verstorben war, musste sich der jugendliche Prisching als Tagelöhner verdingen und lebte längere Zeit in Viehofen [zu St. Pölten] (Niederösterreich).

Im Jahr 1885 zog Franz Prisching nach Graz, Hier begann er sich für die sozialistische Arbeiterbewegung zu interessieren, zunächst für die »Sozialdemokratische Arbeiterpartei«. Bereits 1892 distanzierte er sich von dieser und schloss sich den Unabhängigen Socialisten an. Er wurde Mitglied deren mit Erlass der Statthalterei Steiermark vom 8. Juli 1893 genehmigten »Arbeiter-Bildungs- und Unterstützungs-Verein« (seit 7. März 1899 »Arbeiter-Bildungs- und Unterstützungs-Verein in Graz«). 1893 begann er eine Maurerlehre, die er 1895 als Maurergehilfe abschloss. Prisching, der erst jetzt Lesen und Schreiben lernte, war von 1895 bis 1903 als Maurergehilfe in Graz und Umgebung tätig.

Das Jahr 1897 wurde zum weltanschaulich prägenden Jahr für Franz Prisching: Er trat aus der römisch-katholischen Kirche aus, schloss sich als Freireligiöser dem »Verein der Confessionslosen« an und begann mit seiner anarchistischen Propaganda. Gemeinsam mit dem gelernten Steindrucker und nunmehrigen Maschinenmeister Johann Gruber (1874–?) initiierte er 1897 die Bewegung der Freien Socialisten. Als Organ diente ihnen zunächst die Zeitung »Neues Leben. Anarchistisch-sozialistische Wochenschrift« (Berlin), in der Prisching seit September 1897 publizierte, teils unter den Pseudonymen »Der Seelenlose« und »Mars«. Diese Tätigkeit brachte ihn auch erstmals vor Gericht: Am 16. November 1898 wurde er wegen Übertretung des § 23 Pressegesetz vom Bezirksgericht Graz zu vierzehn Tagen Arrest verurteilt, weil er – gemeinsam mit dem Bäckergehilfen Anton Schantl (1867–1936) – die Zeitschrift »Neues Leben« bezogen hatte; erschwerend wurde ihm eine Rede in Algersdorf [zu Graz] (Steiermark) und seine Zugehörigkeit zu einer anarchistischen Vereinigung angerechnet. Das konnte seine anarchistischen Aktivitäten nicht bremsen. Gemeinsam mit dem Maurergehilfen und späteren Elektromonteur Mathias Trabi (1884–1950) gab er im Jahr 1900 je eine Nummer zweier hektografierter Zeitschriften heraus: im Februar 1900 »Neue Freiheit. Internationales Organ der Anarchisten deutscher Zunge« (Graz) – oft als »Junge Freiheit« zitiert –, und im März 1900 »Der freie Gedanke. Organ zur Verbreitung freiheitlicher Ideen« (Graz). Beide erschienen ohne Angabe des Erscheinungsorts und Erscheinungsjahrs, was auf die Angst der Herausgeber vor behördlicher Verfolgung schließen lässt. Ende 1900 unternahm Prisching in Sachen Anarchismus auch eine Agitationsreise nach Böhmen. Prischings Bestrebungen erlitten aber einen schweren Rückschlag, als bei einer am 10. Februar 1901 bei Johann Gruber vorgenommenen Hausdurchsuchung Propagandamaterial, vor allem handschriftliche Artikel und Briefe, beschlagnahmt wurden.

Franz Prisching zog sich daraufhin von der anarchistischen Bewegung in der Steiermark zurück, noch ehe diese sich richtig reorganisieren konnte. Lediglich zu dem Wortführer der Klagenfurter Unabhängigen Socialisten, dem Bauschreiner Josef Harrich (1872–1923), unterhielt er engeren Kontakt. Dafür beobachtete die Grazer Polizei Prisching als eifrigen Besucher der Vortragsabende des »Theosophischen Vereins in Graz«. Tatsächlich sollte später seine Form des Anarchismus eine stark theosophische Prägung aufweisen, und auch seine erste, im Jänner 1903 erschienene Broschüre stand in dieser Tradition: »Das höchste Ziel des Kulturmenschen gewidmet der Menschheit von einem Arbeiter«. Kurz darauf veröffentlichte er seine Schrift »Sozialpolitische Gedanken eines Arbeiters«, deren Vorwort er mit einem »frei-sozialistischen Gruß« zeichnete und die zuerst als Artikelserie vom 6. Dezember 1902 bis 10. Januar 1903 im »Volksanwalt« (Graz), dem Organ der Grazer Freien Sozialisten, erschienen war. In dieser Zeitung erschien auch Prischings dritte Broschüre »Vom Barbarismus zur Zivilisation! Ein Beitrag zur Friedensbewegung« zuerst vom 21. Februar bis 18. April 1903 als Artikelserie.

Franz Prisching war also Ende 1902 Anhänger der frei-sozialistischen Bewegung geworden, welche in Graz vom ehemaligen Schlossergehilfen und nunmehrigen Privatbeamten der »Allgemeinen Arbeiter-Kranken- und Unterstützungs-Kasse« Carl Marschetz (1867–?) ins Leben gerufen wurde. Diese – abgesehen von den böhmischen Frei-Sozialisten um Simon Starck (1865–1939) aus Falkenau an der Eger (Böhmen [Sokolov, Tschechien]), der 1907 als frei-sozialistischer Abgeordneter in den Reichsrat einzog – ideologisch profillos gebliebene Bewegung ist im wesentlichen als sozialistische Opposition zur Sozialdemokratie zu sehen. Marschetz hatte im September 1902 die Zeitschrift »Der Volksanwalt« (Graz) gegründet, und Prisching war auch Gründungsmitglied des am 11. Januar 1903 konstituierten politischen Vereins »Volksanwalt«, zu dessen Obmann-Stellvertreter er gewählt wurde. Gemeinsam mit fünf anderen ehemaligen Unabhängigen Socialisten trat er nun in weltanschaulichen Gegensatz zu den alten Gesinnungsgenossen im anarchistischen »Arbeiter-Bildungs- und Unterstützungs-Verein« und dessen Obmann Johann Gruber, der allerdings mit drei Genossen im Oktober 1903 Graz Richtung Brasilien verließ. Nach kaum einem halben Jahr überwarf sich Prisching jedoch mit den Grazer Frei-Sozialisten wegen ihrer verkappten sozialdemokratischen Ideen und ihres Antisemitismus. Prisching schrieb damals aber in der frei-sozialistischen Zeitung »Wahrheit« (Floridsdorf [zu Wien]), noch ehe dieses kurzfristig als anarchistisches Organ diente. Außerdem unternahm er im Dezember 1903 eine Reise zu den Frei-Sozialisten nach Wien und anschließend nach Falkenau an der Eger.

Angesichts der Entwicklung der Frei-Sozialisten in Graz machte sich Franz Prisching nun an die Herausgabe eines eigenen Organs. Am 8. August 1903 erschien als Vorankündigung die erste und einzige Nummer der Flugblattzeitung »Der Radikale«. Parteiloses Organ (Graz), in welcher er seine weltanschaulichen, vor allem gegen politische Parteien gerichteten Grundsätze darlegte. Mitte September 1903 erschien dann die erste Nummer von Prischings Zeitschrift ›Der g’rode Michl‹. Parteilose Monatsschrift für allseitige Reform (Graz), die bereits ab der Nummer 2 (Oktober 1903) unter dem Namen »Der g’rode Michl« und ab dem 6. Jahrgang, Nummer 1 (Jänner 1908) als »Der gerade Michel« erschien. Bis zur Einstellung der Zeitung im Februar 1914 gab er 121 Nummern in 105 Ausgaben mit zusammen 856 Seiten und 9 Beilagen mit zusammen 52 Seiten heraus. Es war dies das langlebigste anarchistische Organ Österreichs vor dem Ersten Weltkrieg. In dieses Unternehmen, das Prisching mit nur etwa 20 Kronen Betriebskapital begann, steckte er nicht bloß sein ganzes Vermögen, welches er bald durch alljährliche »Arbeitsferien«, sprich Maurerarbeit in den Sommermonaten, aufbessern musste, sondern auch seine gesamte Energie und Zeit. In dieser Zeitschrift entwickelte er im Laufe der Jahre seine durchaus originelle und originale Spielart des Anarchismus. Zwar hielt Prisching damals weiterhin engen Kontakt zu den böhmischen Frei-Sozialisten um Simon Starck und den vereinzelt zum Anarchismus tendierenden Wiener Frei-Sozialisten, doch beanspruchte er für sich nunmehr das Etikett »Anarchist«, vor allem »gewaltloser Anarchist«. Aber selbst diese Etikettierung missfiel Prisching: »Ich lasse mich von niemanden [!] zwingen, ein Tolstoi- oder sonstiger ›aner‹ zu werden, sondern man kann auch ein ›Selberaner‹ sein.«1 Für diese neuerliche Wendung zum Anarchismus spricht auch seine regelmäßige Mitarbeit in den Jahren 1905 bis 1908 an der Zeitschrift »Der Revolutionär. Organ der anarchistischen Föderation Deutschlands« (Berlin), die seit 1907 mit dem Untertitel »Anarchistisches Wochenblatt« erschien. Damals, genauer, auf der ersten Konferenz der Frei-Sozialisten Österreichs in Wien, am 11. und 12. Juni 1905, vollzog Prisching den endgültigen Bruch mit der frei-sozialistischen Bewegung und verließ die Konferenz unter Protest.

Angesichts seiner prekären Finanzlage musste Frant Prisching im Sommer 1905 wieder eine »Wanderung« durch die steirischen Alpen unternehmen. Damals begann seine Lebensgemeinschaft mit der um zweiundzwanzig Jahre jüngeren Wirtschafterin Johanna Struckl (1886–1965). Durch diese Beziehung wurde auch die ohnedies chronisch gewordene Geldverlegenheit Prischings drängender denn je zuvor. Selbst sein Liebkind, »Der g’rode Michl«, wurde davon erstmals berührt: Im Mai 1906 kündigte er seinen Lesern die vorübergehende Einstellung der Zeitung an. Sie erschien erst im September 1906 wieder, weil Prisching während der Sommermonate als Maurer Geld verdienen musste. Schließlich stand im November die Geburt seines ersten Kindes bevor: Johanna Struckl (1906–1908).

In den folgenden Jahren sollte sich Franz Prischings Leben vor allem um seine Familie und um den »G’roden Michl« drehen. Im Februar 1907 hielt er in Marburg an der Drau (Steiermark [Maribor, Slowenien]) im »Arbeiter-Bildungs-Verein von Marburg« (Maribor, Slowenien) einen seiner seltenen öffentlichen Vorträge: »Die Österreichische Arbeiterbewegung«. Sein Hauptinteresse galt aber damals bereits weniger der Arbeiterbewegung, sondern vor allem der Siedlungsfrage: Im April 1907 veröffentlichte er einen Aufruf zur Gründung einer Kolonie. Prischings Ideen fanden in der vom deutschen Anarchisten Johann Schmidt im September 1907 gegründeten »Freien Siedelungs-Gesellschaft« (F. S. G.) in Mainz (Hessen [Rheinland-Pfalz]) zum Teil ihre Verwirklichung. Prisching selbst wurde Mitglied des Vereins und wirkte 1908 auch an dessen Zeitschrift »Der Siedler. Organ der Freien Siedelungs-Gesellschaft und aller auf genossenschaftlicher Grundlage beruhender Siedelungs-Bestrebungen« (Mainz) mit. Im März 1909 überwarf er sich allerdings mit Schmidt und trat aus der »Freien Siedelungs-Gesellschaft« aus. Inzwischen hatte Prisching seinen »G’roden Michl« zu einem wichtigen Verbindungs- und Verständigungsmittel der über die verschiedenen Länder Europas und teilweise auch Nord- und Südamerikas verstreuten Kolonie- und Siedlungsbewegten ausgebaut. Vom 20. bis 30. November 1907 unternahm er in Sachen Koloniegründung sogar eine Reise nach Königsberg [Kaliningrad ‹Калининград›] (Russland), von wo er mit konkreten Siedlungsplänen zurückkehrte: Im Februar 1909 sollte es nach Südamerika gehen. Doch im Jänner 1908 wurde sein Sohn Franz Struckl (1908–1978) geboren, woraufhin er seine Koloniepläne auf das Inland konzentrierte.

Im August 1908 plante Franz Prisching eine zweite, von ihm herausgegebene und geleitete Zeitschrift: »Volksblatt für Tierschutz und gegen die Vivisektion« mit einer gelegentlichen »Kindernummer«. Der Plan, ein Organ zum Tierschutz herauszugeben, entbehrte nicht einer gewissen Ironie, musste der überzeugte Vegetarier Prisching im August 1908 doch eingestehen, dass er nach sechsjährigem Vegetarismus zum »Kannibalismus«, zum »Essen von Tierleichen«, zurückkehren musste, weil ihm die finanziellen Mittel zur »natürlichen Lebensweise« fehlten.2 Im Sommer 1908 erhielt Prisching das Angebot, eine alkoholfreie Schenke aufzumachen, doch lehnte er es aus Mangel an Erfolgsaussichten ab und trat stattdessen seinen schon zur Gewohnheit gewordenen »Arbeitsurlaub« als Maurer an. Im Dezember 1908 erschien als eine Art Vorausnummer der Zeitschrift »Balder« (Graz), welche ab Jänner 1909 als ständige Beilage zum »Geraden Michel« erscheinen sollte. Der dafür vorgesehene Mitarbeiter entpuppte sich jedoch als deutscher Nationalist und Antisemit, und alles blieb beim Alten – auch Prischings ökonomische Lage. Im Juni 1909 trat seine Lebensgefährtin Johanna Struckl aus der römisch-katholischen Kirche aus, um in die evangelische Kirche (Augsburger Bekenntnis) einzutreten. Grund dafür waren die besseren Sozialhilfeleistungen der Protestantischen Kirche. Schon kurz danach, im September 1909, wurde der Sohn Paul Struckl (1909–1982) geboren. Franz Prisching musste seine Zeitschrift für fünf Monate einstellen und war wieder als Maurer in der Steiermark unterwegs.

Im November 1909 übersiedelte Franz Prisching mit seiner nunmehr dreiköpfigen Familie aufs Land, ins oststeirische Dorf Kulming [zu Pischelsdorf am Kulm] (Steiermark), wo er ein kleines Haus mit Obstgarten gekauft hatte. Obwohl er Umzugspläne hegte, begann er hier im Herbst 1910 eine Kampagne für die Errichtung einer »Hilfsstation für Tiere«. Auch einen Standort hatte Prisching bereits ins Auge gefasst: entweder »an der Wien-Triester Reichsstraße oder an der Straße, welche von St. Peter nach Schemerl führt«.3 Prisching wollte wieder nach Graz oder zumindest in dessen Nähe ziehen.

Im April 1911 verkündete er das Ende des Plans »Hilfsstation für Tiere« und zog im selben Monat von Kulming nach Raaba [zu Raaba-Grambach] (Steiermark), wo er ein kleines Haus mit etwas Grund gepachtet hatte. Hier wurde im Juli sein Sohn Fritz Struckl (1911–vermisst 1944) geboren. Als im April 1912 das Haus Prischings, der nunmehr zunehmend unter Herzbeschwerden litt, verkauft wurde, musste er mit seiner inzwischen vierköpfigen Familie erneut auf Wanderschaft gehen.

Im Mai 1911 kaufte er auf Schulden dann jene baufällige Hütte in Hart bei Sankt Peter [Hart bei Graz] (Steiermark), wo Prisching die letzten Lebensjahre verbrachte. Das Unglück nahm auch 1912 kein Ende: Im Juni erkrankte seine Lebensgefährtin schwer und im August vernichtete ein Hagel die ohnedies kleine Ernte. Doch der »Gerade Michel« erhielt sogar Zuwachs: Seit dem 15. Februar 1913 erschien er mit der Beilage »Recht den Rechtlosen. Organ für den gesamten Tierschutz« (Hart); mit der Beilage Nummer 6–7 vom 15. Juli 1913 musste diese neue Zeitschrift jedoch eingestellt werden. Wie schlecht es Prisching finanziell gegangen sein muss, zeigt der Umstand, dass der deklarierte Kirchengegner im Juni 1913 in die Evangelische Kirche (Augsburger Bekenntnis) eintrat und sich am 3. Juli 1913 mit seiner bisherigen Lebensgefährtin Johanna Struckl kirchlich trauen ließ, um weiterhin kirchliche Unterstützung zu erhalten. Im August 1913 veröffentlichte Prisching einen Hilferuf um materielle Unterstützung: »Hilf, was helfen kann« – an die »Freunde, Leser und Abonnenten« sowie an die »Blätter freiheitlicher Tendenz« um materielle Unterstützung.4 Im selben Monat wurde der Sohn Alexander Prisching (1913–1960) geboren.

Zum Jahresende 1913 sollte der »Gerade Michel« schließlich sein Erscheinen einstellen. Da kamen Franz Prisching im letzten Augenblick neue Freunde zu Hilfe: Mitglieder der »Neu-Jesu-Bewegung«, vor allem der Gründer Wilhelm Klein aus Köln-Klettenberg (Preußen [Nordrhein-Westfalen]), dessen Kontaktmann für Österreich, der Tischler Max Walther, und der später in Hamburg (Freie und Hansestadt Hamburg) überaus rege oberösterreichische Anarchist Karl Dopf (1883–1968). Doch das Jahr 1914 begann mit einer unliebsamen Überraschung. In Berlin (Preußen [Berlin]) waren Flugblätter mit Briefverschlussmarken des »Geraden Michel« gefunden worden. Obwohl Prisching nicht der Urheber dieser Schriften war, kam es am 28. Jänner 1914 über Ersuchen der Berliner Staatsanwaltschaft bei Franz Prisching zu einer Hausdurchsuchung, bei der neben mehreren Briefen auch das »Anarchistische Manifest« des Anarchisten Rudolf Großmann alias Pierre Ramus (1882–1942) beschlagnahmt wurde. Damit nicht genug: Die Nummer 2 des »Geraden Michel« vom Februar 1914 wurde wegen einiger als Religionsstörung eingeschätzter Passagen in einem Gedicht von Ernst Böttner beschlagnahmt. Die finanzielle Erschöpfung und der schlechte Gesundheitszustand Prischings, nicht zuletzt aber die politische Verfolgung hatten damit die Zeitschrift endgültig zum Erliegen gebracht.5

Nun wurde es still um Franz Prisching – der Erste Weltkrieg hatte den überzeugten Pazifisten mundtot gemacht. Im November 1914 wurde die Tochter Johanna Elisa Prisching (1914–1915) geboren, im Mai 1919 die Tochter Johanna Cezilie Prisching, die kurz nach ihrer Geburt verstarb. Knapp zwei Wochen nach dem Tod des letztgeborenen Kindes, am 11. Juli 1919, starb der aus Hart 76 ins Landeskrankenhaus Graz eingelieferte Franz Prisching im fünfundfünfzigsten Lebensjahr an »Blattern« (Pocken). Er wurde auf dem Evangelischen St. Peter-Friedhof in Graz beigesetzt.

 

Autor: Reinhard Müller
Version: Juli 2026
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Daten
von
1864
bis
1919
  • 1

    F. P. [d. i. Franz Prisching]: An die Adresse des Reformblattes, in: »Der g’rode Michl« (Graz), 5. Jg., Nr. 10 (Oktober 1907), S. 95–96, hier S. 96.

  • 2

    Vgl. F. P. [d. i. Franz Prisching]: Gute Worte in schlechten Zeiten, in: Der gerade Michel (Graz), 6. Jg., Nr. 8 (August 1908), S. 50.

  • 3

    [Franz Prisching]: Briefkasten. Tierfreunde, in: Der gerade Michel (Kulming), 8. Jg., Nr. 8 (August 1910), S 62. – Schemerl: steirische Kleinregion in den Gemeinden Laßnitzhöhe, Nestelbach bei Graz und Sankt Marein bei Graz.

  • 4

    Vgl. [Franz Prisching]: Hilf, was helfen kann, in: Der gerade Michel (Hart), 11. Jg., Nr. 8–9 (August–September 1913), S. 29.

  • 5

    Die einzige Bewerbung der Zeitschrift durch Rudolf Großmann alias Pierre Ramus (1882–1942) kam zu spät: »Allen Freunden und Anhängern wirklicher sozialreformatorischer Bestrebungen auf dem Gebiete der Selbstkultur sei hiermit empfohlen die ›parteilose Monatsschrift für denkende Menschen Der gerade Michel.‹“ […]«, [Pierre Ramus]: Allen Freunden und Anhängern […], in: Wohlstand für Alle (Wien), 7. Jg., Nr. 5 (11. März 1914), S. 8.